Frank Kottmann, CHG-Meridian
IT-DIRECTOR: Herr Kottmann, CHG-Meridian hat sich strategisch neu aufgestellt. Können Sie dies näher erläutern?
F. Kottmann: Wir betreuen heute rund 8.000 Kunden in 19 Ländern. Aus der Historie heraus sind wir ein klassischer Finanzierungspartner: Wir haben bislang Kunden betreut, die ausschließlich klassisches Leasing mit uns gemacht haben. Solche Kunden, die ihre Technologieinvestitionen mit unserem Finanzierungskonzept umsetzen, wollen wir auch künftig betreuen. In den letzten Jahren haben sich die Kundenanforderungen jedoch geändert, sodass es um mehr als nur reine Finanzierung geht. Es gilt, Kunden mit Nutzungskonzepten ganzheitlich zu betreuen. Die Herausforderung für uns ist es, unser technologisches Know-how mit unserer Finanzierungskompetenz zu verbinden. Dadurch differenzieren wir uns auch deutlich, denn weder Systemhäuser noch Banken oder Hersteller können beides anbieten.
IT-DIRECTOR: Finanzieren Sie nur Hardware- oder auch klassische Softwareprojekte?
F. Kottmann: Neben klassischen Softwareprojekten, wie ERP-Einführungen, finanzieren wir auch komplette IT-Lebenszyklen für alle Geräteklassen.
IT-DIRECTOR: Gerade im mobilen Bereich präsentieren die Hersteller im Jahresrhythmus neue Geräte. Häufig sind Firmen gezwungen, mit diesen Zyklen mitzuziehen. Wie verändert das Ihr Geschäft?
F. Kottmann: Im mobilen Bereich sehen wir zwei große Herausforderungen für die IT-Abteilung. Die eine ist „Bring Your Own Device“: Mitarbeiter bringen ihr eigenes Gerät mit und die IT muss diverse Betriebssysteme managen. Das zweite Thema ist die Kurzfristigkeit der Laufzeit. Mitarbeiter möchten etwa ihre iPhones jedes Jahr oder spätestens alle zwei Jahre austauschen. Dies passt nicht zur bilanziellen Abschreibungslogik in Unternehmen. Hier können wir durch unsere Finanzierungsformate und das nachgelagerte Remarketing deutlich die Nutzungszeiten verkürzen. Am Ende nehmen wir die Geräte sogar zurück und kümmern uns um die sichere Datenlöschung. Diese private Verwendung bemerken wir auch ganz klar bei den Mitarbeiter-PC-Programmen: Dabei nutzen Mitarbeiter für 24 Monate ein Gerät über ihren Arbeitgeber, das ihnen vom Bruttogehalt abgezogen wird. Der Vorteil ist also der steuerliche Brutto-Netto-Effekt. Nach der Laufzeit können die Mitarbeiter das Gerät zurückgeben oder käuflich erwerben.
IT-DIRECTOR: Ist das nicht sicherheitskritisch?
F. Kottmann: Es ist ein großes Problem, über das sich die Verantwortlichen zu wenig Gedanken machen. Bevor ein Mitarbeiter ein mobiles Endgerät privat übernimmt und es vielleicht sogar weiterverkauft, muss sichergestellt werden, dass alle Firmendaten gelöscht wurden.
IT-DIRECTOR: Apropos Ende des Lebenszyklus. Wie vermarkten Sie die gebrauchte Hardware?
F. Kottmann: Wir verkaufen gut 50 Prozent der gebrauchten Hardware in der DACH-Region, meist an Händler, die die Geräte in den Konsumentenmarkt überführen und gleichzeitig auch die Garantien und SLAs übernehmen.
IT-DIRECTOR: Ist der Wiederverkauf zurückgegebener Hardware grundsätzlich Ihr Risiko?
F. Kottmann: Das Risiko der Wiedervermarktung liegt bei uns. Wir kalkulieren für uns einen Restwert, den Vorteil geben wir über die Laufzeit an unsere Kunden weiter. Das ist auch einer der Gründe, warum wir die Gesamtprojektfinanzierung und Generalunternehmerschaft bei uns in der Hand halten wollen.
IT-DIRECTOR: Zurück zur eigentlichen Finanzierung: Wie flexibel sind Ihre Finanzierungskonzepte? Gerade bei ERP-Einführungen können die ursprünglich geplanten Budgetkosten doch schnell aus dem Ruder laufen.
F. Kottmann: Gerade im Software-Umfeld ist es für uns wichtig, zu Beginn die Bonität des Kunden zu messen. Wenn der Kunde anfangs eine Bonität für ein 10-Millionen-ERP-Projekt aufweisen kann und im Projektverlauf werden 20 Millionen daraus, stellt das auch für uns ein Problem dar. Wenn man am Anfang die Bonität des Kunden aber gut bemisst und aus unseren Erfahrungswerten kalkuliert, wie sich ERP-Einführungen entwickeln, dann ist es kein Problem, hinterher Finanzierungen weiter zu ergänzen.
IT-DIRECTOR: Wir kennen Unternehmen, die durch verschleppte ERP-Projekte fast pleite gegangen wären.
F. Kottmann: Unternehmen haben immer hohe Einführungskosten bei einem ERP-Projekt, daher bieten wir Vorfinanzierungen an. Zudem übernehmen wir die
gesamten Migrations- oder Einführungskosten und strecken sie über die Laufzeit
IT-DIRECTOR: Wie sieht es mit SLAs aus? CHG-Meridian ist ja der Vertragspartner. Übernehmen Sie dann die SLAs der einzelnen Dienstleister?
F. Kottmann: Meist gestaltet es sich anders herum. Wenn der Kunde bestimmte Leistungen mit uns vereinbaren möchte, dann suchen wir den Partner, der diese Leistungen erbringen kann. Dann treffen wir Back-to-Back-Vereinbarungen. In vielen Fällen sind die Partner die großen Hersteller oder Systemhäuser. Oft kommt es dann zu einem Vertrag zwischen drei Parteien.
IT-DIRECTOR: Bieten sie auch Benchmarking an?
F. Kottmann: Bezüglich des Preises: ja. Das gehört zu unseren Leistungen im Vorfeld. Der Anschaffungspreis ist für uns natürlich wichtig, weil wir den kompletten Lebenszyklus sowie den Restwert im Auge haben. Unser Interesse ist groß, dem Kunden den besten Preis zu beschaffen, wobei wir diesen oft über unser umfangreiches Einkaufsvolumen bekommen. Daraus lassen sich sehr gut aktuelle Marktpreise bewerten. 2013 haben wir mehr als eine Milliarde Euro an Technologien finanziert, die Preise dahinter kennen wir selbstverständlich.
IT-DIRECTOR: Kommen wir zurück zur strategischen Ausrichtung: Service- und Technologiemanagement – das bieten viele Anbieter. Wie würden Sie Ihre Lösung beschreiben?
F. Kottmann: Wir verstehen uns als Efficient Technology Manager. Dafür muss man verschiedene Servicebereiche zusammenfassen. Wir haben dies in vier Servicebereiche aufgeteilt: als erstes Consulting-Services: Hier geht es darum, den Kunden im Vorfeld zu beraten, zum Beispiel in Form von TCO-Lifecycle-Analysen, jedoch nicht bezüglich der Frage, welcher Hersteller das bessere Gerät anbietet. Das ist nicht unser Thema. Vielmehr klären wir die Frage, wie das gesamte Nutzungskonzept und die Finanzierung dahinter aussieht.
Als zweites gibt es die Operational Services: Hier gibt es eine Rollout-, Betriebs-, sowie Rollback-Phase. Dabei muss entschieden werden, wie die einzelnen Phasen am Besten zu gestalten sind und mit welchen Partnern. Wir sind meistens der Projektmanager an der Stelle.
Drittens bieten wir Financial Services: Dies ist unsere Kernkompetenz. International können wir mit 19 Legal Entities Kundenbedürfnisse abdecken. Das Bilanzierungsrecht ist in jedem Land unterschiedlich, das ist für viele internationale Kunden aus Deutschland, die ein weltweites IT-Konzept benötigen, ein enorm wichtiger Baustein in der Zusammenarbeit mit uns.
Als viertes bieten wir Remarketing-Services: Dahinter verbirgt sich die Rückholung, Aufbereitung und Wiedervermarktung der Geräte. In unserem eigenen Technologie- und Servicezentrum nahe Frankfurt bereiten wir die gebrauchten IT-Produkte auf und vermarkten diese weiter.
IT-DIRECTOR: Geht es dabei auch um Datenlöschung?
F. Kottmann: Es gibt viele Anbieter, die behaupten, sie könnten Datenlöschung. Aber wenn man allein an das aktuelle Thema SSD-Platten denkt, dann ist Datenlöschung schon nicht mehr so einfach. Denn hier reicht es nicht aus, einen Rechner einfach so zu löschen. Überdies realisieren wir den gesamten Entsorgungsprozess – von der Abholung am Arbeitsplatz über das Einscannen des Gerätes und dem GPS-überwachten Transport im verplombten LKW, bis hin zur Ankunft im abgesicherten Datenlöschungszentrum. Den Prozess haben wir zertifizieren lassen, einmal von Dekra sowie mit einem eigenen TÜV-aufgesetzten Zertifizierungsprozess.
IT-DIRECTOR: Warum ist das so wichtig?
F. Kottmann: Heute gehen viele mit dem Thema fahrlässig um. Da wird irgendwann die Datenlöschung am Ende vereinbart. Ob das Gerät jemals irgendwo gesichert zur Datenlöschung ankommt, verfolgen nur wenige.
IT-DIRECTOR: Wie lässt sich hier der Überblick behalten?
F. Kottmann: Wir besitzen ein eigenentwickeltes System, das Technologie- und Service-Management-System Tesma Online. Damit kann der Kunde jederzeit erkennen: Welche IT-Geräte habe ich, wo stehen diese und was kosten sie mich? Am Ende des Lebenszyklus wird sich zukünftig auch einsehen lassen, ob ein bestimmtes Gerät abgeholt, gelöscht und weiterverkauft wurde.
IT-DIRECTOR: Ist es auch für Lizenzmanagement ausgelegt?
F. Kottmann: Kunden können z.B. bezüglich Mobile Devices auch die Vertragsdaten der Mobilfunkanbieter einpflegen. Diese Kombination kaufmännischer und technologischer Prozesse ist für Unternehmen sehr interessant. Die IT stellt so den Controllern technische wie finanzielle Daten transparent zur Verfügung – und auch der Einkauf kann darauf jederzeit zugreifen. Tesma Online bietet Schnittstellen zu den ERP-Systemen der Kunden, man kann darüber komplette Warenkörbe von Herstellern oder IT-Systemhäuser aufrufen und direkt bestellen. Die Lösung funktioniert bis hin zu einem Workflow bezüglich Freigaben sowie Genehmigungsprozessen für Mitarbeiter und Vorgesetzte.
IT-DIRECTOR: Interessant für Unternehmen ist es sicherlich, so Kostenverrechnungen anzustellen ...
F. Kottmann: Ja, spannend wird das beim Thema Cloud: Reden Unternehmen in vier bis fünf Jahren über die Cloud, dann geht es um die Frage, wie sie den Arbeitsplatz verrechnen. Heute wissen sie: Da steht ein PC, vielleicht noch ein Drucker, dies kostet Summe X im Monat. Wenn künftig nur noch ein Desktop Client für eine Cloud da steht, dann will der Kunde nicht nur den Client verrechnen, sondern die tatsächlich genutzten Leistungen. Hier bieten wir eine Software, die eine Nutzungsverrechnung der Cloud auf den Enduser oder eine Kostenstelle ermöglicht.
IT-DIRECTOR: Wie genau berechnen sich denn die Kosten?
F. Kottmann: Die Lösung misst, wie viel der einzelne Endnutzer an Rechenleistung aus der Cloud nimmt. Wir können den Kunden anbieten, die Cloud bis auf Kostenstellen von Anwendern zu verrechnen. Das ist für internationale Konzerne interessant, die sich fragen: Welche Ressourcen gebe ich in einzelne Länder, wenn ich zentral in der Cloud hoste?
IT-DIRECTOR: Welche Entwicklungen am Hardwaremarkt erkennen Sie in ihren Büchern?
F. Kottmann: Klar den Trend zu Mobile; weniger Desktoprechner, mehr Tablets. Aber auch in Spezialbereichen wie Handscanner hat sich sehr viel getan. Bei den großen Logistikern ist mit modernen Geräten mittlerweile viel mehr möglich: Auslieferungszeiten erfassen, Unterschriften vor Ort usw. Da lässt sich viel Effizienz herausholen. Das setzen wir mit den Herstellern gerade in einigen Projekten um.
IT-DIRECTOR: Langfristig sollen Drohnen Pakete ausliefern ...
F. Kottmann: Das haben wir noch nicht finanziert. Aber wer weiß ...
IT-DIRECTOR: Gibt es Projekte, die sie nicht finanzieren?
F. Kottmann: Natürlich, denn wir tragen ja das Risiko. Auch wenn der Kunde die notwendige Bonität hat, würden wir ihn stets darauf hinweisen, dass das Projekt unserer Meinung nach keine Erfolgsgeschichte werden kann.