Sven Lehmann, geschäftsführender Gesellschafter der Etvice Consulting GmbH
Seit 1994 untersucht die Standish Group in ihrem „Chaos Report“ in regelmäßigen Abständen den Erfolg von IT-Projekten. Er gilt als die wichtigste Langzeitstudie im Bereich Projektmanagement – über 40.000 Einzelprojekte wurden bereits untersucht. Auch wenn diese Studie besonders in der Blogger-Szene immer wieder kritisiert wird, so ist sie aus meiner Sicht eine der wenigen, die einen objektiven, branchenübergreifenden Querschnitt bietet. Denn wer schon seit einigen Jahren in der IT-Beratung tätig ist, der weiß, dass jedes Projekt anders ist. Die Standish Group versucht aber, übergreifende Muster zu erkennen, und zeigt auf, wie sich diese im Zeitverlauf verändern. Sie gibt allen Entscheidern in Unternehmen wichtige Hinweise, worauf sie bei der Durchführung eines IT-Projektes achten müssen, damit es zum Erfolg geführt werden kann.
Jüngst wurde der „Chaos Report 2011“ veröffentlicht und er zeigt erfreuliche Ergebnisse. Selten wurden so viele IT-Projekte zum Erfolg geführt, wie es in diesen Tagen geschieht. 1994 waren gerade einmal 16 Prozent der untersuchten IT-Projekte erfolgreich: Damals erfolgte erst langsam der Umstieg auf den PC, von der Internetnutzung war noch gar nicht zu sprechen. Zwar wurden auch in den 1990er-Jahren schon externe Berater etwa für die Einführung von Computern sowie von neuer Software eingesetzt, aber die IT-Beratung steckte noch in den Kinderschuhen.
Beobachtet man die Entwicklung der Zahlen in den Jahren darauf, so sieht man ganz deutlich, dass sich der Projektbetrieb nach und nach professionalisiert hat. Im Jahr 2000 erfasste die Standish Group bereits 28 Prozent erfolgreiche Projekte, 2006 gar 35 Prozent. Mit Ausnahme der Wirtschaftskrise, während der viele IT-Projekte aus Kostengründen abgebrochen wurden, ist ein kontinuierlicher Aufwärtstrend zu beobachten.
Was hat sich seither genau verbessert? In erster Linie ist es der gewachsene Erfahrungsschatz, den die IT-Berater mitbringen. Dazu kommt, dass es mittlerweile konkrete Anleitungen für die Projektdurchführung gibt, zum Beispiel für Themen wie die Einführung von SAP oder für die Veränderung der Organisation. Externe Berater haben sich über die Jahre ein größeres Know-how aufgebaut, das IT-Verantwortliche im Unternehmen in dieser Breite gar nicht haben können – und nicht haben müssen.
Immer mehr Unternehmen lagern ihre IT-Projekte aus – aus guten Gründen: Wenn das Know-how im eigenen Unternehmen nicht vorhanden ist, ist Outsourcing besser, als die eigenen Mitarbeiter zu Schulungen zu schicken. Zudem haben nicht alle Unternehmen ein stehendes Projektteam – es wäre sehr schwierig, Mitarbeiter komplett für das Projekt abzustellen, die dafür aus dem Tagesgeschäft abgezogen werden. Ein großer Irrtum liegt bis heute darin, dass Unternehmen glauben, die Budgetkontrolle bei IT-Projekten zu verlieren. Sie können diese Kontrolle ganz einfach erreichen, indem sie „nur“ die Projektleitung an externe Berater vergeben. So werden bereits aufgrund der geringeren Anzahl externer Mitarbeiter massiv Kosten gespart.
Bis heute unberechenbar ist leider bei jedem Projekt der Faktor Mensch. Wenn die Mitarbeiter vom Sinn des IT-Projektes nicht überzeugt sind, weil etwa die Geschäftsführung den Nutzen nicht ausreichend kommuniziert hat, gibt es manchmal negative Stimmung gegenüber den externen Beratern. Kommunikation ist deswegen der wichtigste Schlüssel zum Projekterfolg – Konferenzen, Stakeholder-Communication sowie Vorstandstermine erhöhen die Akzeptanz im Unternehmen. Damit am Ende alle an einem Strang ziehen und das Projekt in time, in budget umgesetzt werden kann.