„Unternehmen greifen in Ihrer Sourcing-Strategie vermehrt auf das Fachwissen und die kosteneffizienten Services von IT-Dienstleistern zurück“, betont Sebastian Hein.
ITD: Herr Hein, wie stark setzen IT-Verantwortliche großer Unternehmen aktuell auf das Auslagern von Prozessen und Anwendungen?
Sebastian Hein: Ein spürbarer Trend ist die Auslagerung von IT-Prozessen, welche über Commodity-Services abgedeckt werden können. Das eigentliche Kernbusiness und die damit verbundenen Prozesse bleiben dagegen eher in interner Hand.
ITD: Welchen Einfluss haben die Corona-Pandemie und die Digitalisierung in nahezu allen Branchen auf den Beratungsbedarf und die Sourcing-Strategien der Unternehmen?
Hein: Die Pandemie als auch die Digitalisierung sind Komplexitätstreiber, die enorme Herausforderungen mit sich bringen. Die Bewältigung dieser Herausforderungen steigert den Beratungsbedarf über alle Branchen hinweg, vor allem bei Themen wie Modern Workplace oder Datensicherheit. Unternehmen greifen in Ihrer Sourcing-Strategie vermehrt auf das Fachwissen und die kosteneffizienten Services von IT-Dienstleistern zurück.
ITD: Inwiefern wird im Outsourcing auch eine Chance gesehen, die eigene Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft zu steigern?
Hein: Ein wichtiger Vorteil des Outsourcings ist, dass die freigewordenen Ressourcen für werttreibende Aktivitäten genutzt werden können. Für Unternehmen geht es darum das zu tun, was sie wirklich können und die Aktivitäten abzugeben, die nicht unmittelbar eine Wertsteigerung erzeugen. Mit Outsourcing gewinnen Unternehmen Flexibilität und profitieren von der Skalierbarkeit von IT-Services.
ITD: Wie kommt man zur richtigen Entscheidung, was ausgelagert werden sollte und was nicht? Wie gehen IT-Verantwortliche dabei vor?
Hein: Zunächst einmal ist insbesondere wichtig, welche Fachkräfte dem Unternehmen zur Verfügung stehen und in welchen Bereichen die Kapazitäten für die Anforderungen aus dem Business ausreichend vorhanden sind. Um wettbewerbsfähig zu sein, spielen außerdem vorhersehbare und kostengünstige IT-Prozesse eine große Rolle. Von daher ist unter anderem nach diesen Faktoren zu entscheiden, in welchen Bereichen IT-Outsourcing sinnvoll ist und sich die Mitarbeiter auf die Kernprozesse fokussieren können, beziehungsweise in welchen Fällen eine Auslagerung kosteneffizienter als eine eigene Lösung ist.
ITD: Welche Kriterien sollten Verantwortliche für die Auswahl eines passenden Dienstleisters ansetzen?
Hein: Bei der Wahl eines Dienstleisters ist neben einem optimalen Preisleistungsverhältnis wichtig, dass der Dienstleister mit seinen Prozessen und Services gut zu den Anforderungen des Kunden passt. So können Synergien geschaffen und eine langfristige Partnerschaft etabliert werden. Der Dienstleister sollte außerdem in der Lage sein, Skalen- oder Mengeneffekte für den Kunden zu schaffen und sein Business weiterzuentwickeln.
ITD: Wie lässt sich eine gute Partnerschaft auf Augenhöhe erreichen?
Hein: Eine Partnerschaft auf Augenhöhe, erfordert auch Kommunikation auf Augenhöhe. Auch die Relevanz des Themas aus Sicht des Top-Managements ist entscheidend. Für den IT-Dienstleister bedeutet dies nahe am Kunden zu arbeiten, ihn zu verstehen, um ihn auf diesem Weg bestmöglich unterstützen zu können.
Wir bei der Datagroup verfolgen stets einen proaktiven Ansatz, der im engen Austausch mit den Prozessbeteiligten der IT-Services erfolgt. Dadurch ist sichergestellt, dass Innovation für den Kunden einen echten Mehrwert schafft.
ITD: Welche Stolpersteine sollten Unternehmen beim Abschluss eines Dienstleistungsvertrags bzw. beim Service-Level-Agreement im Blick behalten?
Hein: Grundsätzlich sollten faire Bedingungen für beide Seite aufgestellt werden, um darüber die Basis für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zu schaffen. Gerade beim Thema SLAs muss vor allem der spätere Betrieb, also die spätere Praxis im Auge behalten werden. Es gilt ein Over-Engineering zu vermeiden. Generell gilt: Es bedarf einer überschaubaren Anzahl an objektiv messbaren Service-Level-Agreements (SLA). Dies stellt sicher, dass der Analyseaufwand überschaubar bleibt und die Ableitung von Maßnahmen möglich ist.
ITD: Was gilt es in puncto Datensicherheit zu beachten?
Hein: Aus meiner Sicht nimmt die Gefahr eines Angriffs von außen allein schon wegen der Komplexität bestehender IT-Landschaften immer weiter zu, was den Schutz und die Überwachung immer schwieriger macht. Generell gilt daher der Grundsatz, lieber zu viel als zu wenig Sicherheit. Jeder IT-Dienstleister sollte die Sicherheit als zentrales Element all seiner Services verstehen. Zahlreiche Beispiele zeigen zudem, wie immens der Imageverlust und auch die betriebswirtschaftlichen Kosten in Falle eines Angriffs sein können.
ITD: Wie wird sich der Dienstleistungsmarkt aus Ihrer Sicht im neuen Jahr entwickeln?
Hein: Die Digitalisierung und damit auch das Thema Outsourcing wird weiter voranschreiten, mit positiven Auswirkungen für die ganze Branche. Dabei wird die Geschwindigkeit, mit der sich Themen und Kundenbedürfnisse verändern, weiter zunehmen. Dies äußert sich in immer kürzer werdenden Lifecycles von Applikationen und Prozessen, was den Dienstleistern eine enorme Anpassungsfähigkeit abverlangt. Als Erfolgsbedingungen sehe ich daher, die Schnelligkeit und Flexibilität, mit der ein Dienstleister auf neuen Kundenwünschen reagiert.
Bildquelle: Datagroup