Energieeffizienz im Rechenzentrum

Schrittweiser Umstieg möglich

Nachhaltigkeit wird für Rechenzentren zu einem immer zentraleren Thema. Ein EU-Bericht geht davon aus, dass ihr Stromverbrauch bis 2025 gegenüber 2018 um 21 Prozent steigen wird.

Energieeffizienz im Rechenzentrum

Wer seinen Strom wirklich aus nachhaltigen Quellen beziehen will, muss in nachhaltige Energieprodukte investieren.

Daher ist es das große Ziel der Branche, den Strombedarf zu 100 Prozent durch erneuerbare Energien zu decken, und zwar 24/7. Die Tech-Industrie hat – so der Bericht „Erneuerbare Energie für Rechenzentren“ des Uptime Institute – bereits erhebliche Anstrengungen zur Verbesserung der Energieeffizienz unternommen: Sie ist der größte Abnehmer von erneuerbarer Energie. Doch wer seinen Strom wirklich aus nachhaltigen Quellen beziehen will, der muss in nachhaltige Energieprodukte investieren. So werden z. B. Power Purchase Agreements (PPAs) immer beliebter. Für die systematische Umstellung auf ­einen Bezug erneuerbarer Energie empfiehlt der Bericht RZ-Betreibern, in den folgenden Schritten vorzugehen.

Strom ist die Komponente des CO2-Fußabdrucks einer Organisation, die relativ leicht messbar ist. RZ-Betreiber können nachverfolgen, wie viel Strom aus erneuer­baren und nicht erneuerbaren Quellen stammt, welche Kompensationen sich anbieten und wo sich erneuerbare Energie einsetzen lässt. Diese Aufschlüsselung liefert z.B. der Stromversorger. Messung und Berichterstattung sind zur Ermittlung des CO2-Fußabdrucks unerlässlich und sie werden zu einer notwendigen Funktion der Geschäftstätigkeit. Einige Länder (z. B. UK) schreiben größeren ­Unternehmen gesetzlich vor, über ihre Kohlenstoffemissionen zu berichten. Sind die Gesamtemissionen bekannt, kann das RZ Ausgleichsprodukte kaufen, um die bestehenden Auswirkungen zu mildern.

Im Idealfall sollte ein RZ seinen Strombedarf zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie decken. Bisher wurden dafür in der Branche in der Regel einfach RECS gekauft. Allerdings ist es eine Herausforderung, die Qualität dieser Kompensationsprodukte sicherzustellen. Kompensation ist darum nur das erste Element einer Nachhaltigkeitsstrategie. Denn Zertifikate wie RECS leisten keinen Beitrag zur sogenannten Additionalität.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Bei langfristigen Stromabnahmeverträgen unterscheidet man zwischen direkten, physischen PPAs und virtuellen, also finanziellen PPAs. Der Vorteil beider Formen: Sie unterstützen die Additionalität, den Ausbau erneuerbarer Energien. Direkte PPAs bedeuten, dass das RZ die erneuerbare Energie eines nahegelegenen Erzeugers nutzt. Direkte PPAs sind damit der Goldstandard bei der Nutzung regenerativer Energie. Denn sie stellen sicher, dass die Menge erneuerbarer Energie, die der Erzeuger in das Netz speist, dem Stromverbrauch des RZ tatsächlich entspricht. Virtuelle, finanzielle PPAs werden dann eine Option, wenn der Strommarkt keine direkten Einzelhandels-PPAs zulässt.Wenn allerdings der Großhandelspreis unter den Ausübungspreis fällt, der zum Kaufzeitpunkt ver­einbart wurde, zahlt der Käufer eine ggf. erhebliche ­Differenz an den Lieferanten.

Der größte Teil des Abgleichs zwischen der gekauften erneuerbaren und der tatsächlich verbrauchten Energie eines RZ findet auf Jahresbasis statt. Tatsächlich ereignen sich die Verschiebungen in der Erzeugung aber auf viel granularere Weise. Es gibt Strategien, dies auszugleichen, um eine tatsächliche Versorgung mit erneuerbarer Energie zu sichern. Beispielsweise lassen sich verschiedene Quellen kombinieren, etwa in Gestalt gemischter PPAs, die Solar- und Windenergieerzeugung verbinden. Auch die Speicherung in großen Batterieanlagen kann helfen, für eine nahezu ständige Verfügbarkeit erneuer­barer Energie zu sorgen.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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