IT-DIRECTOR: Inwiefern fragen Anwenderunternehmen heute noch Hardware nach – etwa unter dem Aspekt, dass sie beim flexiblen Auslagern der IT in eine Cloud keine eigenen Hardware-Ressourcen mehr vorhalten müssen?
R. Kersten: Laut unserer aktuellen "Next Generation Datacenter Index"-Umfrage planen in Deutschland 45 Prozent der Befragten ein neues RZ in den nächsten zwei Jahren, in den nächsten fünf Jahren sogar 80 Prozent. Nachfrage nach Hardware in der "Private Cloud" ist also ungebrochen.
IT-DIRECTOR: Welche Hardware-Projekte setzen Großunternehmen aktuell am häufigsten um?
R. Kersten: Konsolidierung und Virtualisierung, für Server und insbesondere auch Storage-Ressourcen. Dies legt die Grundlage dafür, als IT schneller auf Anforderungen der Fachabteilungen zu reagieren und die IT mit den Geschäftszielen des Unternehmens ausrichten zu können.
IT-DIRECTOR: Können Sie uns bitte kurz ein aktuelles Oracle-Hardware-Projektbeispiel aus dem Großkundenbereich (bitte kein ITK-Unternehmen) beschreiben?
R. Kersten: Das Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München stand vor der Herausforderung, seinem mobilen Klinikpersonal bei arbeitsteiliger Nutzung der IT-Plätze einen ortsunabhängigen und interdisziplinären Zugriff auf Patientendaten zu gewährleisten und dabei einen größtmöglichen Schutz der sensiblen Patientendaten sicherzustellen. Dabei sollten gleichzeitig die Kosten für Energieverbrauch und Administration gesenkt werden.
Die Lösung dieser Anforderungen war die Bereitstellung von klinischen Anwendungen und Programmen auf zentralen Servern im Rechenzentrum auf Basis einer Server-Based-Computing Infrastruktur. Vorhandene PCs wurden durch 400 Oracle Sun Rays ersetzt, die von 2.000 Mitarbeitern arbeitsteilig genutzt werden können. Da Sun Rays weder Festplatten noch sonstige externe Speichermedien besitzen, ist der Datenschutz gewährleistet. Weiterhin benötigt die Hardware nur einen Bruchteil des Energiebedarfs eines PCs, wodurch die Energiekosten um 80 Prozent reduziert werden konnten. Zusätzlich wurde der Administrationsaufwand um ca. 90 Prozent gesenkt.
IT-DIRECTOR: Stichwort Energieeffizienz: Wie kann moderne Hardware derzeit die Bemühungen der Kunden unterstützen, Energiekosten zu senken?
R. Kersten: Laut NGDC-Index liegt die durchschnittliche Serverauslastung in D/CH erst zwischen 21 bis 50 Prozent. Mit weiterer Standardisierung, Konsolidierung und Virtualisierung können die Energiekosten also noch ein gutes Stück weiter gesenkt werden. Moderne Hardware sollte also für alle Workloads (auch x86) das anbieten, was im Unix-Bereich seit Jahren Standard ist: Virtualisierung "serienmäßig" und problemloser mit hoher Auslastung.
IT-DIRECTOR: Welche Servertechnologien bzw. -komponenten tragen hauptsächlich zu einem geringen Energieverbrauch bei (z.B. Wasserkühlung)?
R. Kersten: Laut NGDC-Index tragen – zusätzlich zu mit hoher Auslastung betriebener, effizienter Hardware (virtualisierte Multi-Core-Server, Tiered Storage mit Flash, Disk und Tape...) – vorrangig folgende RZ-Technologien zu einem niedrigen Energieverbrauch bei: Gleichstrom und Wasserkühlung am Rack, Rückkühlung mit Umgebungsluft.
IT-DIRECTOR: Ein Blick in die Zukunft: In welche Richtung werden sich Hardware-Technologien in den nächsten Jahren weiterentwickeln?
R. Kersten: Der Trend geht in Richtung "Converged Systems" (wie Forrester Research sie nennt), also Systeme aus Server, Netzwerk, Storage und Virtualisierung, optimiert für einen bestimmten Applikationsbereich. Frühe Beispiele sind die Exadata und Exalogic-Systeme von Oracle.