Durch den verstärkten Einsatz des IIoT nimmt die Komplexität der Infrastrukturen weiter zu – diese zu schützen sollte Priorität haben, denn: Mehr Sicherheit ist keine Raketenwissenschaft.
Wie das Bundeskriminalamt herausfand, gab es allein in Deutschland mehr als 100.000 Cyberangriffe im letzten Jahr – 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor, Tendenz steigend. Auch die verursachten Schäden sind beachtlich. Der Branchenverband Bitkom beziffert die Schadenshöhe, die der deutschen Wirtschaft im Jahr 2019 durch Sabotage, Datendiebstahl oder Spionage entstanden ist, auf etwa 100 Mrd. Euro. Und eine Pandemie, wie wir sie momentan erleben, verlagert das Arbeiten ins Homeoffice und offenbart Schwächen im Lieferkettenmanagement – ein gefundenes Fressen für Cyberkriminelle. Warum ist das so? Weil wir immer vernetzter leben, arbeiten – und produzieren. Das Internet of Things (IoT) hat sich zur treibenden Kraft der Digitalisierung entwickelt. Es hat unser Alltagsleben bereichert und schöner gemacht. Kaum eine Branche blieb unberührt. Auch die Industrie wurde revolutioniert: Maschinen sind nun internetfähig, kommunizieren miteinander und tauschen Daten aus. Sensoren senden in kürzesten Zeitabständen Daten, die die Fertigung optimieren. Die zugrunde liegenden Infrastrukturen werden dabei immer komplexer und unübersichtlicher. Viele Verantwortliche scheuen sich davor, sich mit dieser Komplexität auseinanderzusetzen, da sie sie einfach nicht mehr überblicken. Doch für eine Infrastruktur, die man selbst kaum noch versteht, lässt sich auch nur schwer ein Sicherheitskonzept entwickeln.
Vielen Unternehmen ist auch gar nicht bewusst, dass eine IT-Umgebung, in der sich internetfähige Geräte befinden, anders geschützt werden muss als Netzwerke, die keine solchen Geräte aufweisen. Vor allem in der Industrie werden immer mehr Maschinen eingesetzt, die von einer funktionierenden Internetverbindung abhängig sind. Sie benötigen in regelmäßigen Abständen Updates vom Hersteller oder werden ferngewartet, erhalten und senden also Informationen über das World Wide Web. Die meisten dieser Maschinen werden vom Hersteller so programmiert, dass sie dauerhaft online sind. Und genau hier lauert die Gefahr: In dem Moment, in dem sie in die Produktionsumgebung integriert werden, verbinden sie sich mit dem Internet – und sind damit angreifbar. Cyberkriminelle spüren die Maschinen auf und stehlen im schlimmsten Fall Produktpläne, das Design oder Produktionsdaten. Oder sie manipulieren Maschinen bzw. ganze Maschinenstränge. Produktionsausfälle, billige Produktkopien und Verzögerungen in der Lieferkette sind die Folge. Wäre es in Anbetracht der Gefahr, die das IoT birgt, nicht besser, darauf zu verzichten? Nein, denn der Einsatz des IoT in der Industrie (IIoT) bringt viele Vorteile: Produktionsprozesse lassen sich besser planen und damit kosten- und zeiteffizienter gestalten, Lagerbestände können reduziert werden, da keine Materialien mehr vorgehalten werden, intelligente Sensoren sorgen für Realtime-Insights und Realtime-Monitoring erleichtert die Wartung und Instandhaltung. Kurz: Industrieunternehmen haben keine Wahl. Sie müssen verstärkt auf das IIoT setzen, wenn sie in einer vernetzten globalen Welt überleben wollen.
Durch den verstärkten Einsatz des IIoT nimmt die Komplexität der Infrastrukturen immer weiter zu. Auf keinen Fall sollte diese Komplexität jedoch dazu führen, dass Unternehmen sich nicht mehr damit befassen wollen oder gar können, einen entsprechenden Schutz für ihre Infrastrukturen zu entwickeln. Um die Komplexität aus dem Thema herauszunehmen, hilft ein klarer Blick auf jede einzelne Komponente der Infrastruktur. Ist erst einmal klar, wie die einzelnen Maschinen und Sensoren funktionieren, lassen sie sich als Teil der gesamten IT-Infrastruktur betrachten. Die Komplexität verliert ihren Schrecken und ein individuelles und maßgeschneidertes Sicherheitskonzept kann entwickelt werden. Ein erster Schritt in diese Richtung ist es, sich im Rahmen eines IoT-Asset-Inventory einen genauen Überblick darüber zu verschaffen, welche internetfähigen Maschinen, Appliances und Sensoren überhaupt vorhanden sind. Danach sollte aufgelistet werden, -welche Funktionalitäten die Maschinen in Bezug auf die Produktion, das Business und die Internet-Security haben: Wann und wie oft gehen sie ins Internet, was tun sie dort genau? Zu welchem Zeitpunkt und wie oft brauchen sie eine Internetverbindung, um beispielsweise Updates vom Hersteller zu erhalten oder gewartet zu werden. Welche Abhängigkeiten zur vorhandenen IT-Netzwerkumgebung gibt es? Im nächsten Schritt sollte analysiert werden, welche Cyber-Security-Möglichkeiten es gibt, um die jeweiligen Appliances und Maschinen zu schützen. Diese Analyse ist die Grundlage, um ein Security-Konzept – mit einem entsprechenden Zone-Splitting – zu entwickeln. Spätestens an diesem Punkt sollte auch aufgelistet werden, welche Security-Zones bereits im Unternehmen eingerichtet wurden und wie sich diese gegebenenfalls erweitern lassen. In den meisten Fällen müssen jedoch für Sensoren bzw. Maschinen neue, IoT-geeignete Security-Zones definiert und die Geräte entsprechend zugeordnet werden.
Das IoT ist kein Hype, der irgendwann vorbeigeht. Mit dem Einsatz von internetfähiger Maschinerie und Sensoren nimmt jedoch die Komplexität der zugrunde liegenden Infrastrukturen zu. Die wichtigste Aufgabe, die Unternehmen heute bewältigen müssen, ist es, sich nicht länger von der Komplexität erdrücken zu lassen. Denn mit zunehmender Komplexität steigt auch das Risiko möglicher Cyber-angriffe. Den einzigen Ausweg aus dieser Situation bieten maßgeschneiderte Sicherheitskonzepte, wie sie z. B. der Digitalisierungsexperte Digit Solutions im Portfolio hat, die den Zugang sämtlicher Geräte zum Internet regeln. Nur so lässt sich die Gefahr von Cyberattacken verringern und der Diebstahl von Produktions- und Unternehmensdaten vermeiden.
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