Cloud-Sicherheit

Skeptiker bekommen weitere Argumente

Prism, Tempora, XKeyScore - Das Abgreifen von Daten via Internet scheint keine Grenzen zu kennen. Das hat bereits Auswirkungen auf das Cloud-Geschäft.

Ist die Cloud noch sicher?

Die privaten Internetnutzer vertrauen Staat und Behörden immer weniger: Nach einer aktuellen Blitzumfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom vertrauen 58 Prozent der Internetnutzer vertrauen ihnen aktuell wenig oder überhaupt nicht, wenn es um den Umgang mit persönlichen Daten im Netz geht. Vor zwei Jahren waren das erst 40 Prozent.

Insgesamt geben zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) an, dass ihre Daten im Netz eher (39 Prozent) oder völlig (27 Prozent) unsicher sind. Vor zwei Jahren hatten nur etwas mehr als die Hälfte der Internetnutzer (55 Prozent) Sorgen um ihre Daten. Als Konsequenz auf diese Sicherheitsbedenken wollen zum Beispiel 19 Prozent der Befragten auf Cloud-Dienste verzichten.

Die gestiegenen Bedenken führen also noch nicht zu einer Flucht aus der Cloud oder anderen Webdiensten. Auch in der Wirtschaft gibt es noch keinen deutlich wahrnehmbaren Gegentrend. Für eine regelmäßig wiederholte Studie über Cloud Computing im Mittelstand konnte die Unternehmensberatung Techconsult bereits erste Reaktionen auf die Enthüllungen einfangen.

Das Fazit: Die Unternehmen reagieren eher besonnen, 61 Prozent der befragten Cloud-Anwender wollen keine Konsequenzen ziehen. Und 19 Prozent der Cloud-Anwender setzen auch in Zukunft ausschließlich auf die Private Cloud, um größtmögliche Sicherheit für Ihre Daten zu gewährleisten.

Trotzdem: Der NSA-Skandal unterfüttert die Argumente der Skeptiker. Das wird vor allem bei Unternehmen deutlich, die noch keine Cloud-Lösung nutzen. So lehnen es nach wie vor 38 Prozent der befragten Unternehmen ab, zukünftig Cloudservices einzusetzen und nennen als Verstärker für ihre Ablehnung PRISM.

Vor allem US-amerikanische Cloudservices leiden bereits unter einem deutlichen Kundenschwund. Nach einer Umfrage der ”Cloud Security Alliance (CSA)” hat der NSA-Skandal dem Cloud-Geschäft in den USA bereits deutlich geschadet: Etwa zehn Prozent der Nicht-US-Kunden der CSA-Mitglieder haben ihre Verträge gekündigt.

Nicht alle werden wieder die klassischen On-Premise-Lösungen einsetzen und zur eigenen IT-Abteilung zurückgehen. Gefragt sind jetzt Clouds mit höherer Sicherheit, die nicht so leicht auszuspähen sind. Ein möglicher Ort für diese Secure Clouds könnte Deutschland sein, das (wenigstens in der Theorie der Gesetzeslage) ohnehin das Mutterland der Datensicherheit ist.

Der Bundesverband IT-Mittelstand e.V. (BITMi) sieht deshalb im NSA-Skandal eine Chance für die deutsche IT-Branche und regt die Unternehmen an, einen neuen Markt für Sicherheitssoftware “Made in Germany“zu schaffen. “Das Thema IT-Sicherheit erhält nun die Aufmerksamkeit, die es verdient,” meint BITMi-Präsident Dr. Oliver Grün.

“Der Ruf, den Deutschland in punkto Datenschutzgesetze genießt, kommt uns jetzt zugute: Das ist die Chance für die deutsche Technologie-Branche.“ Grün fordert die Politik auf, diese Entwicklung gezielt zu fördern, zum Beispiel durch spezielle Förderprogramme oder die Erweiterung des EU-Förderprogramms Horizon 2020.

Doch erste Unternehmen reagieren bereits und warten dabei nicht auf ein staatliches Förderprogramm. So hat das Berliner Unternehmen CloudControl seine PaaS-Lösung (Platform as a Service) als Produkt für eine Private Cloud aufgelegt.

Die “Application Lifecycle Engine” entspricht der offen zugänglichen App-Plattform, die auf den Amazon Web Services basiert und via Internet für jeden verfügbar ist. Gedacht ist die offene Plattform einerseits für Unternehmen, die Business-Apps dort laufen lassen und für Startups, die ihre Webapps und Backends für Endkunden (B2C) dort einsetzen.

Denselben Komfort können Unternehmen nun im eigenen Rechenzentrum oder dem eines lokalen Hosting-Anbieters mit “Private PaaS” erreichen. Die Lösung entspricht dem verstärkten Sicherheitsbedürfnis vieler Unternehmen und dürfte somit zumindest erhöhte Aufmerksamkeit bei potentiellen Kunden erzeugen.

Bildquelle: Michael Faes / sxc.hu

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