Smartcards sind nützliche IoT-Tools in der Logistik
Wer pharmazeutische Produkte transportiert, muss strenge Auflagen erfüllen. So darf zum Beispiel die Kühlkette zu keiner Zeit unterbrochen sein. Werden während des Transports oder der Lagerung die zulässigen Temperaturbereiche eines Medikaments oder Impfstoffs überschritten, muss die gesamte Charge eventuell entsorgt werden. Und das kann teuer werden: Laut Unternehmensberatung Roland Berger entstehen der Pharmaindustrie jährlich Verluste bis zu 35 Milliarden Dollar, alleine weil Maßnahmen zur Temperaturkontrolle entlang der Lieferkette versagen. Diese Summe beinhaltet den Wert der verlorenen Produkte, die Kosten für die Neuherstellung, den Vertrieb von Ersatzbeständen sowie die Ursachenanalyse.
Wird zudem die Lieferkette unterbrochen, erreichen Medikamente verspätet oder in nicht mehr akzeptablem Zustand ihr Ziel. Und: Produktverluste sind eine Belastung für die Umwelt. Um rechtzeitig liefern zu können, transportieren Unternehmen Ersatzlieferungen regelmäßig per Luftfracht, was dann die Treibhausgasemissionen verdoppelt. Eine weitere Herausforderung: Die Vorräte an lebensrettenden Arzneimitteln dürfen nie zur Neige gehen. Deshalb halten Unternehmen oft große Sicherheitsbestände vor, was die finanziellen und ökologischen Kosten weiter erhöht. Ist der Vorrat zu groß kalkuliert, überschreiten Medikamente, die nicht benötigt werden, zwangsläufig ihr Verfallsdatum. Sowohl Pharmaproduzenten als auch Logistikfirmen benötigen also einen kontinuierlichen Einblick in ihre Lieferkette.
Genau für diesen Anwendungsfall hat der isländische Anbieter Controlant in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom und einer Reihe weiterer Partner eine intelligente Monitoringlösung entwickelt. Die „Saga Card“ ist ein vernetztes Überwachungsgerät, das den Weg von Pharmazeutika von der Produktion bis zum Endabnehmer lückenlos verfolgen und überwachen kann. Controlant hat dafür seine bisherige Lösung, mit der sich Container oder Paletten mit Medikamentenkartons bis zum Logistikzentrum nachverfolgen lassen, verkleinert. Die Saga Card ist lediglich so groß wie eine Gesundheitskarte. So passt sie auch in einen einzelnen Karton oder gar eine Medikamentenpackung. Auf diese Weise lässt sich das Produkt weiterhin überwachen, nachdem im Logistikzentrum Einzellieferungen zusammengestellt wurden. „So erweitern wir die Sichtbarkeit in der Lieferkette von der Produktion bis zum Patienten“, sagt Gunnar Sigurdsson, Produktmanager bei Controlant.
Die smarte Karte ist mit ausgefeilter Sensorik ausgestattet. Sie misst die Temperatur während des Transports und meldet Abweichungen vom Grenzwert an eine Cloudplattform. „Wenn ein Container mit Medikamenten im Wert von Millionen von Dollar zu lange an einem Flughafen herumsteht und sich erhitzt, können wir zum Telefon greifen und verhindern, dass daraus ein Totalschaden wird“, sagt Sigurdsson. „Das passiert öfter, als man denkt.“ Die Hersteller können sich zudem über die Cloudplattform automatisch benachrichtigen lassen, wenn Störungen beim Transport eintreten.
Die Saga Card lässt sich auf dem gesamten Transportweg präzise lokalisieren. Selbst das Öffnen der Verpackung wird registriert. So weiß bei Bedarf jeder Beteiligte in der Lieferkette, wann und wo das Medikament benutzt wurde und demzufolge wann die nächste Lieferung erfolgen muss. Alle Informationen sind über die Cloud jederzeit abrufbar. Die Vorteile der Vernetzung: Das Produkt erreicht rechtzeitig und in der geforderten Qualität den richtigen Abnehmer, Lagerbestände lassen sich effektiver kontrollieren, massive Sicherheitsreserven sind überflüssig, deutlich weniger Medikamente oder Impfstoffe müssen entsorgt werden. Ein wichtiger Faktor für Kosten und Umwelt.
Für die zuverlässige und sichere Übertragung der Sensordaten in die Cloud nutzt Controlant das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT). Partner Telekom sorgt mit eigenen IoT-Netzen sowie über Roamingabkommen weltweit für die nötige Abdeckung. Im Inneren der Saga Card funkt eine spezielle softwarebasierte SIM. Vorteil: Das Funkmodul ist kostengünstig, sparsam im Energieverbrauch und nimmt keinen zusätzlichen Platz ein. „Die Zahl der Bauteile und der Elektronik zu verringern, war wichtig für uns“, sagt Sigurdsson. „Wir haben die Saga Card so nachhaltig wie nur möglich konzipiert.“