Erwin Breneis, Vmware
IT-DIRECTOR: Herr Breneis, auf dem vForum in Darmstadt wurde in der Eröffnungs-Keynote das softwaredefinierte Rechenzentrum in der Mobile-Cloud-Ära in den Fokus gerückt. Was genau steckt hinter diesem Schlagwort?
E. Breneis: Schon heute haben Milliarden von Nutzern Zugriff auf Millionen von Anwendungen und Services. Die Unternehmens-IT steht daher vor einem massiven Umbruch. Vor allem Kunden aus dem Enterprise-Bereich fordern immer mehr eine Self-Service-Infrastruktur, die den steigenden Business-Anforderungen gewachsen ist. In der angesprochenen Keynote haben wir unsere Vision vorgestellt: das software-definierte Rechenzentrum (SDDC) als Architektur für Private, Public und Hybrid Clouds, in der bekannte Virtualisierungskonzepte auf das gesamte Rechenzentrum von Server, Netzwerk bis hin zu Storage ausgeweitet werden können.
IT-DIRECTOR: Ein Schwerpunkt legt Ihr Unternehmen dabei auf die Mobile Cloud, der Unternehmen in Deutschland noch immer skeptisch gegenüberstehen. Wie begegnen Sie dieser Skepsis?
E. Breneis: Einerseits berücksichtigen wir dies durch die Einführung der vCloud Hybrid Services in Europa, wobei für europäische Kunden lokale Richtlinien bei der Nutzung der Public-Cloud-Services gelten. Andererseits geben wir den Kunden mit der SDDC-Architektur die Lösung für einen neuen zentral verwalteten IT-Betrieb. Dadurch wird der Nutzer in die Lage versetzt, seine IT-Services optimiert anzubieten und zu verwalten.
IT-DIRECTOR: Ein wichtiger Pfeiler des SDDC ist laut Ihrem Unternehmen neben der Server- auch die Storage-Virtualisierung …
E. Breneis: Speichervirtualisierung war bislang das fehlende Puzzleteil bei der
Realisierung des SDDC und ist daher ein zentrales Element beim Aufbau von IT as a Service. Mit einem Software-defined-Storage-Produkt (SDS) ist es nun möglich, Storage richtliniengesteuert zu managen. Zudem profitieren Anwender von einem Storage-Tier für virtuelle Umgebungen. Virtual SAN (vSAN) automatisiert viele der manuellen SAufgaben und ist nahtlos in die Virtualisierungsplattform integriert. Durch SDS können bis zu 50 Prozent der Betriebskosten eingespart und Speicher nach Bedarf erweitert werden.
IT-DIRECTOR: Wenn man sich die IT-Ausgaben von Großunternehmen anschaut, so wurde auf dem vForum deutlich, dass Unternehmen im Durchschnitt 70 Prozent der Ausgaben für IT-Wartung und 30 Prozent für Innovation einplanen. Was hat das für Konsequenzen?
E. Breneis: Unsere aktuelle Studie hat nicht nur die Kluft zwischen Business und IT offenbart, sondern auch die beträchtlichen Folgen für Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum von Unternehmen gezeigt, die damit einhergehen. Eine mögliche Konsequenz daraus ist die immer stärkere nicht kontrollierte Auslagerung von IT-Diensten in die Cloud, eben die sogenannte Schatten-IT. Für die Mehrheit der befragten IT-Verantwortlichen in ganz Europa (knapp 70 Prozent) liegen Investitionen an erster Stelle, um diese technologische Kluft zu reduzieren. Dies bestärkt uns in unserer Strategie, dass das Verhältnis zwischen IT-Wartung und Investitionen in einer modernen IT ausgeglichen – also im 50-zu-50-Verhältnis – sein muss.