Ein Risiko für Anleger?

SPACs – Man braucht einen langen Atem

Im Kommentar berichtet Dmitry Ivanov, Geschäftsführer von Freedom Finance Germany, über die Mantelunternehmen SPACs, ihre Methoden und die Risiken für Anleger.

Dmitry Ivanov von Freedom Finance

„In der Regel dauert es drei bis fünf Jahre, bis sich die Anlage lohnt“, meint Dmitry Ivanov.

Sie kommen aus den USA und sind derzeit in aller Munde – Special Purpose Acquisition Companies, kurz SPACs. Gemeint sind damit Mantelunternehmen, die selbst über kein operatives Geschäft verfügen. Dabei bringen meist bekannte Gründer ein „leeres“ Unternehmen an die Börse und sammeln so das Geld der Anleger ein, mit dem später ein Unternehmen aufgekauft werden soll. Dadurch spart sich das übernommene (meist sehr junge) Unternehmen nicht nur den langwierigen und teuren Börsengang, sondern erhält gleichzeitig auch dringend benötigte finanzielle Mittel. Für Anleger ist neben der Möglichkeit, in ein potenziell vielversprechendes Unternehmen investieren zu können, vor allem die mögliche hohe Rendite Ansporn für eine Investition in SPACs.

Allerdings birgt die Aussicht auf die vielversprechenden Renditen auch ein hohes Risiko, dessen sich jeder Anleger bewusst sein muss. Nachdem im Vorhinein noch nicht feststeht, in welches Unternehmen schlussendlich investiert wird, müssen sich Anleger zunächst ausschließlich auf die Expertise der Unternehmensgründer verlassen.

Regulierung in Europa erst am Anfang

Im Bereich der Finanzdienstleister herrscht aktuell noch eine gewisse Skepsis gegenüber SPACS, was sicher auch daran liegt, dass es noch keine Erfahrung in der Arbeit mit dieser Investmentform gibt. Selbst die SEC hat erst in den letzten zehn Jahren damit begonnen, Regulierungen für SPACs zu erlassen und so Transparenz in die Materie zu bringen, was in den USA offensichtlich gut funktionierte. Dieser Prozess scheint nun auch in der EU seinen Anfang zu nehmen, der Ausgang ist allerdings noch offen. Professionelle sowie private Investoren werden diese Entwicklung wohl mit großer Spannung verfolgen.

Während SPACs für Unternehmen eine Möglichkeit bieten, viel schneller, einfacher und kostengünstiger Kapital an der Börse zu beschaffen, stellen sie für manche Brancheninsider nichts weiter als ein Anzeichen für die Ausschweifungen des Finanzmarktes dar. Denn Investoren verlassen sich bei ihren hoch spekulativen Investitionen oft gänzlich auf große Namen im jeweiligen SPAC-Management. Eine gewisse Sicherheit gibt es allerdings, da Investoren ihr Geld zurückerhalten, sollte die angestrebte Übernahme scheitern, wenn z.B. kein passendes Unternehmen gefunden wird.

Großes Interesse trotz Verlusten

Sieht man sich die Verluste aus dem Jahr 2020 an, wird schnell ersichtlich: Wer sich auf SPAC-Investments einlässt, braucht einen längeren Atem. In der Regel dauert es drei bis fünf Jahre, bis sich die Anlage lohnt. Denn in erster Linie beschaffen sich junge Unternehmen, die ihr Produkt zum Teil noch gar nicht fertig haben oder mit der Produktion noch nicht begonnen haben, das fehlende Kapital mithilfe eines SPAC-Börsenganges. Diese verbuchen zu Beginn naturgemäß Verluste. Außerdem müssen sich Investoren bewusst machen, dass es, anders als bei der Investition in ETFs, bei denen man niedrige Kurse zumeist ausharren kann, bei SPAC-Investitionen auch zu einem kompletten Verlust der Investition kommen kann.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Daher ist es absolut notwendig, sich vor dem Investment ausgiebig über die Branche, den Wettbewerb und die Wachstumsrate informieren. Der SPAC sollte außerdem über ein erfahrenes Management und über solide Kenntnisse bei der Suche nach fusionsbereiten Unternehmen verfügen. Ein gutes Zeichen ist beispielsweise eine große institutionelle Anlegerbasis – im Vorhinein kann man einfach nicht wissen, wie sich das übernommene Unternehmen im Endeffekt entwickeln wird oder ob überhaupt ein geeignetes Unternehmen gefunden wird. Die sonst übliche Analyse der Unternehmensaktie fällt jedenfalls weg. Vor allem für private Anleger gilt: nicht mehr als ein bis drei Prozent des eigenen Guthabens einsetzen. Wer dies beherzigt und eine Portion Mut besitzt, kann vom Börsen-Hype aus den USA am Ende des Tages durchaus profitieren.

Bildquelle: Freedom Finance

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