Mit wenigen Klicks lässt sich heute fast alles bestellen und direkt vor die Haustür liefern. Die damit verbundenen logistischen Herausforderungen steigen zunehmend durch die Komplexität globaler Lieferketten. Damit ändern sich auch die Anforderungen an die IT und an die Zusammenarbeit mit Partnern. Heterogene und starre IT-Lösungen stoßen besonders bei intermodalen Transporten und in der Kontraktlogistik an Grenzen. Diesem Problem müssen sich vor allem große Logistikdienstleister und Verlader stellen.
Der intermodale Verkehr beschreibt mehrgliedrige Transportketten mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln. Produkte aus Übersee kommen beispielsweise in Containerschiffen in Hamburg an, werden dort mit Binnenschiffen oder mit der Bahn weitertransportiert und treffen nach einer abschließenden Verladung auf den LKW an der Zieladresse ein. Klassisch sind große Logistikdienstleister unterteilt in Profitcentern für Land-, Luft- oder Schienenverkehr mit jeweils eigenen oft unzureichend integrierten IT-Systemen. Viele große Logistikdienstleister verfügen nicht über eigene LKW, Bahn-, oder Binnenschiffkapazitäten, sondern arbeiten mit Subunternehmern zusammen. Die Vielzahl der dadurch erforderlichen Systeme und Vernetzungen erschwert die Transparenz und führt in der Regel zu höheren Kosten.
Die Systemvielfalt ist ebenfalls ein Kernproblem in der Kontraktlogistik. Hierbei handelt es sich um eine langfristige Kooperation zwischen Produkthersteller und Logistikdienstleister, die in der Regel sehr kundenspezifisch ausgestaltet ist. Die Herausforderung liegt in der Einbindung der IT-Prozesse der jeweiligen Vertragspartner beim Logistikdienstleister. Die heterogene IT-Landschaft mit länder- und abteilungsspezifischen Unterschieden macht dieses Vorhaben sehr komplex und zeitintensiv. Durch fehlende Flexibilität der IT verlieren Logistikunternehmen Marge oder scheitern schon beim Vertragsabschluss.
Die Prozesse im Logistikbereich werden oft von weit mehr als 100 Applikationen unterstützt. Unternehmen sind kaum in der Lage auf die Bedürfnisse der Kunden individuell zu reagieren und die möglichen Potentiale voll auszuschöpfen. Die harten Grenzen der bestehenden IT zeigen sich in mangelnder Vernetzung und fehlender Reaktivität. Das Problem ist nicht neu und es gibt mit SOA (service-orientierte Architektur) und ESB (Enterprise Service Bus) seit längerem Werkzeuge, um verteilte Dienste zu integrieren. Damit ist es nicht nötig, große Programme für eine umfassende Neuentwicklung der operativen Systeme zu starten. Darüber hinaus bietet “The Open Group Architecture Framework” (Togaf) einen geeigneten Ansatz für Planung, Implementierung und Wartung von Unternehmensarchitekturen.
Um die Vorteile einer service-orientierten Architektur voll auszuschöpfen, bedarf es einer konsequenten Durchführung und der Festlegung eines unternehmensweit gültigen, standardisierten und inkrementell generischen Datenmodells. Die kanonische Datenmodellierungsmethoden eignen sich dafür besonders, da sie zwischen den „Sprachen“ der einzelnen Applikationen „übersetzen“. Damit entsteht eine für alle Systeme verständliche „Kommunikationsform“, die aufwendige Anpassungen überflüssig macht. Da große Logistikdienstleister oft mehr als 20.000 Rahmenverträge haben, werden unzählige Daten multidimensional in Excel-Dateien abgebildet. Durch das kanonische Datenmodell können diese intermodal vergleichbar gemacht werden und als Entscheidungsgrundlage dienen. Disponenten erhalten auf dieser Grundlage eine bessere Datenbasis für ihre Entscheidungen und können bessere Margen erzielen.
Eine Herausforderung im Integrationsprozess ist die oft fehlende Datenqualität bei der Einbindung von Kunden oder Dienstleistern. Das kanonische Datenmodell muss deshalb von Anfang an die Transformation der Quelldaten in das festgelegte Zielformat berücksichtigen. Die Verantwortlichen für die SOA-Integrationen müssen vermeiden, dass nicht-standardisierte externe Daten die Fachprozesse verunreinigen und die Automatisierung von Fracht- und vertragsnahen Alternativberechnungen zunichte machen. Das Konzept der offenen generischen Schnittstelle hilft die Integration zu „industrialisieren“. Damit lassen sich die Zahl der Schnittstellen reduzieren und die Kosten für die Vernetzung senken. Das Vorgehen unterstützt sowohl die altgedienten Formate wie Edifact oder IFTMIN als auch die vielfältigen Formen des XML-Datenverkehrs. Aber auch die im Transport noch oft gebräuchlichen Excel-Dokumente lassen sich so in standardisierte Daten überführen und stehen dann mit hoher Qualität den unternehmenseigenen Wertschöpfungs- und Supportprozessen zur Verfügung.
Um den Aufwand und die Kosten für eine derartige Umstellung zu reduzieren, lohnt es sich für Logistikdienstleister auf vordefinierte Daten- und Prozessmodelle zurückzugreifen. Auf dieser Grundlage kann innerhalb kurzer Zeit ein nachhaltiger Effekt bei der Flexibilisierung heterogener IT-Landschaften erzielt werden. Basis ist die durchgängige Abbildung und Analyse der Fachprozesse.
Die Vorteile einer konsequente Umsetzung der SOA-Architektur auf Basis vordefinierter Prozess- und Datenmodelle sind vielfältig: Unternehmen können ihre Abläufe sowie Outsourcing-Projekte flexibilisieren und optimieren. Die Integration bestehender Transportnetze der Dienstleister öffnet dem E-Business neue Möglichkeiten, vereinfacht die Routenberechnung und reduziert die Kosten für Rechnungsprüfung und interne Revision. Ein bedeutender Vorteil ist die Erstellung einer fundierten Datenbasis zur Generierung neuer attraktiver Produkte und Services.
Diese kurze Liste zeigt das enorme Potential dieses alternativen Ansatzes. Entsprechende Investitionen rechnen sich innerhalb kurzer Zeit. Egal ob Kontraktlogistik oder intermodaler Verkehr: Möchten Transport- und Logistikdienstleister langfristig erfolgreich sein, ist eine flexible IT-Infrastruktur unerlässlich. Aber auch für andere Unternehmen, die große Volumina bewegen, erschließt das konsequente Vernetzen mit ihren Dienstleistern neue Einsparpotentiale.
* Die Autoren sind: Peter Kühnel, Senior Managing Consultant Service & Logistics bei NTT Data, sowie Ragnar Wachter, Head of Travel, Transport & Logistic bei NTT Data
Weitere Informationen: emea.nttdata.com/de
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