Peter Dümig, Dell

„Standardisierung ist nicht das Hauptproblem“

Interview mit Peter Dümig, Field Product Manager Enterprise Solutions bei Dell

Peter Dümig, Dell

„Vom Blickwinkel der Angebote denke ich, dass wir in drei Jahren viele standardisierte und rasch einsatzfähige Angebote sehen werden“, so Peter Dümig, Field Product Manager Enterprise Solutions bei Dell.

IT-DIRECTOR: Herr Dümig, nach wie vor herrscht ein Mangel an einheitlichen Informationen im Bereich „Cloud Computing“. Wie definieren Sie diese Technologie?
P. Dümig:
Eine Definition lässt sich kurz und knapp in einem Satz zusammenfassen: Computing-Leistungen, bei denen dynamisch skalierbare und oftmals virtualisierte Ressourcen als Service bereitgestellt werden. Häufig wird Cloud Computing auch als ein alternatives Abrechnungsmodell gesehen und verstanden.

IT-DIRECTOR: Wie groß ist das derzeitige Interesse von Großunternehmen und Konzernen an Cloud Computing?
P. Dümig:
Vor allem bei großen Organisationen ist das Interesse eindeutig zu spüren. Wir arbeiten zurzeit an verschiedenen Projekten, bei denen es um Private-Cloud-Anwendungen für die jeweiligen Organisationen geht. Im Bereich Public Cloud herrscht jedoch noch immer eine große Zurückhaltung.

IT-DIRECTOR: Welche Chancen bietet Cloud Computing den Unternehmen?
P. Dümig:
Hier kommt es darauf an, ob eine Private oder eine Public Cloud genutzt wird. Gemeinsam ist beiden Modellen aber, dass IT-Prozesse überdacht werden müssen und auch eine Standardisierung erforderlich ist. Alleine mit effizienteren und standardisierten IT-Prozessen sind viele Organisationen bereits deutlich flexibler und schneller. Weiterhin wird es für die Fachabteilungen und die Anwender leichter, sich Anwendungen aus einem vorhandenen Portfolio auszuwählen und sich für den Einsatz, im Sinne von Benutzerrechten, registrieren zu lassen – Stichwörter sind hier etwa Self-Service-Portal und Portabilität/Mobilität.

IT-DIRECTOR: Trotz der zahlreichen Möglichkeiten, die die Cloud mit sich bringt, zeigen viele Anwender noch Skepsis gegenüber der Wolke. Welche Rolle spielt hier das Thema Standardisierung?
P. Dümig:
Aus vielen Gesprächen mit Unternehmen über Cloud Computing wissen wir, dass das Thema Standardisierung nicht das Hauptproblem ist. Sicher ist hier auch ein gewisser Hemmfaktor zu sehen – egal, ob bei einer Public oder einer Private Cloud. Standardisierung heißt ja auch immer, auf Dinge zu Gunsten des Standards zu verzichten. Im Moment scheinen mir jedoch eher andere Probleme das Thema Cloud aufzuhalten, nämlich die vorhandene Rechtsunsicherheit, das Fehlen von cloud-fähigen Anwendungen, eine schwierige Migration zwischen Anbietern und zum Teil auch das Beharren auf alten Strukturen.

IT-DIRECTOR: Welche Standardisierungen im Bereich Cloud Computing sind bereits festgelegt?
P. Dümig:
Standardisierung kann bei Cloud Computing zwei Dinge bedeuten: erstens eine Standardisierung der Angebote und zweitens eine Standardisierung in technischer Form, etwa in Form von Schnittstellen oder Formaten. Was die Angebote anbelangt, so werden sich über kurz oder lang sicher gewisse Standards herauskristallisieren, vergleichbar mit den heutigen „Break & Fix“-Services. In technischer Hinsicht wird seit einiger Zeit an Standards gearbeitet. Ich denke aber, es wird noch eine geraume Zeit dauern, bis sich diese Standards flächendeckend durchgesetzt haben.

IT-DIRECTOR: Mit der steigenden Zahl von Cloud-Computing-Angeboten wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Anwender gleichzeitig Services von unterschiedlichen Anbietern beziehen. Idealerweise steht für das „Andocken“ der eigenen IT an die verschiedenen Cloud-Angebote ein überschaubares Set von Standardschnittstellen zur Verfügung. Inwiefern werden Sie als Anbieter ersten Standardisierungsansätzen gerecht?
P. Dümig:
Dell unterstützt offene Standards und nutzt sie, wo immer es möglich ist. Allerdings sehen wir hier gerade bei Cloud-Computing-Angeboten noch einen großen Entwicklungsbedarf. Daher haben wir im Jahr 2010 die Firma Boomi gekauft, die über Expertise genau auf diesem Gebiet verfügt und über eine Art Middleware den Datenaustausch zwischen Clouds oder lokalen Anwendungen und der Cloud ermöglicht.

IT-DIRECTOR: In welchen Bereichen des Cloud Computing erachten Sie generell eine Standardisierung am sinnvollsten und warum?
P. Dümig:
Wichtig ist zunächst einmal die technische Standardisierung, da damit die Portabilität zwischen Anbietern und auch die Datenübertragung durch entsprechende Formate zwischen verschiedenen Anbietern möglich und damit ein „Lock-in“ vermieden wird. Die Standardisierung in Form der Angebote wird der Markt regeln beziehungsweise bei Großprojekten vermutlich nicht möglich sein.

IT-DIRECTOR: Welche Art von „Ausstiegsszenarien“ bieten Sie Ihren Kunden? Gibt es hier schon eine einheitliche Regelung?
P. Dümig:
Wir konzentrieren uns aktuell darauf, individuelle Cloud-Lösungen für Kunden zu erstellen und standen bislang noch nicht vor der Anforderung, Ausstiegsszenarien entwickeln zu müssen.

IT-DIRECTOR: Wie eng arbeiten Sie mit Normierungsgremien wie der DMTF oder Verbänden wie EuroCloud zusammen?
P. Dümig:
Dell ist immer in allen relevanten Gremien vertreten, und gerade die DMTF ist ein gutes Beispiel dafür. Wir haben einige Jahre den Präsidenten gestellt und arbeiten in allen wichtigen Gruppen mit.

IT-DIRECTOR: Wie wird sich das Standardisierungsumfeld im Bereich „Cloud Computing“ Ihrer Meinung nach in den nächsten zwei bis drei Jahren entwickeln?
P. Dümig:
Vom Blickwinkel der Angebote denke ich, dass wir in drei Jahren viele standardisierte und rasch einsatzfähige Angebote sehen werden. Vom technischen Aspekt her glaube ich, dass es noch etwas dauern wird, bis Standards akzeptiert, umgesetzt und genutzt werden. Hier ist der Aufwand deutlich größer und Anpassungen an Software brauchen einfach ihre Zeit.

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