SCM: Kommentar von Bernhard Webler, Microstrategy

Standards in der Logistik

Kommentar von Bernhard Webler, Vice President Retail Solutions bei der Microstrategy Deutschland GmbH, über die Nachverfolgbarkeit von Lebensmitteln und welche Rolle Standards in der Logistikkette spielen

Bernhard Webler, Microstrategy

Bernhard Webler, VP Retail Solutions bei Microstrategy

Ob Bananen aus Ecuador oder Schweinefleisch aus Thüringen: Waren- und dazugehörige Informationsströme fließen heute rund um die Uhr. Der globale Wettbewerb gestaltet Märkte zunehmend komplexer, während Verbraucher aufgrund von Lebensmittelskandalen sensibler geworden sind. Auf diese Entwicklungen hat die EU reagiert und eine Strategie zur Lebensmittelsicherheit erarbeitet. Die internationalen Gesetzgeber wollen so sicherstellen, dass die Nachverfolgbarkeit von Lebensmitteln auf allen Stufen gewährleistet ist – von der Produktion über die Verarbeitung bis zur Verteilung. Zudem sollen sich alle am Produktionsprozess Beteiligten identifizieren lassen.

Die EU-Gesetzgebung und Vorgaben, dass bestimmte Produkte konsequent verfolgbar sein müssen, etwa im Fischfang, haben den Kommunikationsbedarf bei allen am Produktionsprozess beteiligten Parteien somit erst geschaffen. Um die Prozesse über alle Stufen transparent abrufbar zu gestalten, ist ein global anerkannter Standard gefragt. Dieser ermöglicht eine zentrale Datenhaltung ohne Medienbrüche und, dass Informationen von jedem verständlich abgerufen werden können. Möglicherweise problematische Chargen können so bis hin zum Zulieferer rasch zurückverfolgt werden. Früher mussten zeitaufwendig unterschiedliche Datenquellen abgegriffen und Produktionsprozesse manuell recherchiert werden, weil diese nicht zentral nach einheitlichem Standard erfasst wurden.

Abhilfe verschafft hier etwa der von GS1 entwickelte EPCIS (Electronic Product Code Information Services) – ein global etablierter Standard, mit dem jede  Bewegung von Warengütern entlang der gesamten Lieferkette elek­tronisch erfasst werden kann. Unternehmen können so in Echtzeit sehen, was in der Wertschöpfungskette passiert und welche Stationen nicht optimal laufen. Denn für die lückenlose Dokumentation und Überwachung der Lieferkette sind in den meisten Fällen nur vier Informationen notwendig: was (welches Objekt), wann (zu welcher Zeit), wo (an welchem Ort) und warum (in welchem Geschäftskontext). Diese Angaben können im EPCIS-Standard in Form einer XML-Struktur abgebildet werden.

An bestimmten Punkten der Wertschöpfungskette lesen Erfassungsgeräte, wie z.B. RFID- oder Barcodeleser, zunächst die ID eines Objekts aus. Die erfassten Daten verknüpft das System mit der aktuellen Ortszeit und Lokalität, dem aktuellen Status sowie dem Geschäftsprozess. So entsteht eine zusammenhängende Reihe von Leseereignissen, die ein Tracking und Tracing jederzeit möglich machen – vom Ursprung der verwendeten Rohstoffe bis in den Handel und zurück. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Standard von mobilen Endgeräten gelesen werden kann. Microstrategy hat hierfür die Erfassungs- und Auswertungsapplikation für EPCIS entwickelt. So können Mitarbeiter im Lager etwa Beschreibungen im Scan hinterlegen oder das Verkaufspersonal Informationen zum Produkt direkt im Laden abrufen.

Unternehmen und Behörden haben dank des Standards nicht nur „Just-in-Time“ Zugriff auf Informationen zur Wertschöpfungskette, sie können ihn ebenso zur Kundeninformation nutzen. Auch Discounter wie Aldi gestalten ihre Wertschöpfungskette zunehmend transparent. So hat der Lebensmittelhändler scannbare QR-Codes auf den Verpackungen seiner Fleischprodukte gedruckt, die dem Konsumenten erlauben, weitere Informationen abzurufen. Einen derartigen Standard einzusetzen, kann also ein wichtiger Imagefaktor für Unternehmen sein, um Vertrauen zu schaffen.

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