Interview mit Rolf-Jürgen Moll, Lucanet

Steigende Ansprüche an die Performanz

Interview mit Rolf-Jürgen Moll, Vorstandsmitglied und Verantwortlicher für das Product Management bei der Lucanet AG über die Performance von BI-Lösungen.

Rolf-Jürgen Moll, Lucanet

Rolf-Jürgen Moll, Vorstandsmitglied bei der Lucanet AG

IT-DIRECTOR: Sehr viele Großunternehmen sehen sich derzeit drastisch anwachsenden Datenmengen gegenüber – Stichwort Big Data. Was ist dabei hinsichtlich der Performanz von BI-Lösungen zu beachten?
R. Moll: Die Ansprüche an die Performanz heutiger BI-Lösungen sind in der Tat sehr viel höher als noch vor einigen Jahren. Dies liegt insbesondere daran, dass es durch günstigen Speicherplatz heute möglich ist, enorme Datenmengen vorzuhalten – und das tun viele Unternehmen auch, es wird alles gespeichert, nichts wird gelöscht. Die Kunst liegt darin, für Auswertungen und Analysen zunächst die relevanten Daten zu identifizieren und auch bereits beim Design des Data Warehouse auf Performance-Aspekte zu achten.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielen dabei In-Memory-Technologien? Was versteht man eigentlich unter dieser Technik?
R. Moll: In-Memory bedeutet nichts anderes, als dass alle Daten in den Arbeitsspeicher geladen werden – und nicht erst bei Bedarf von der Festplatte gelesen werden. Sie können sich das folgendermaßen vorstellen: Wenn Sie jemand nach einer Telefonnummer fragt, haben Sie diese entweder auswendig im Kopf – beispielsweise die eigene, oder diejenige eines guten Freundes. Wenn das nicht so ist, schauen Sie im Internet oder im Telefonbuch nach. Das dauert natürlich etwas länger. In-Memory bedeutet, dass man alle möglichen Telefonnummern auswendig kann und nie irgendetwas nachschlagen müssen. So kann man Anfragen viel schneller beantworten. Für unsere Kunden bedeutet In-Memory, dass Analysen und Auswertungen sehr viel schneller vonstattengehen, da alle Daten im „Kopf“ – also im Arbeitsspeicher – vorliegen und die zeitraubenden Anfragen an die Festplatte entfallen.

IT-DIRECTOR: In Memory Computing gibt es bereits seit einigen Jahren. Warum wird gerade jetzt ein derartiger Hype darum gemacht? Was ist das wirklich Neue an aktuellen In-Memory-Lösungen?
R. Moll: Jede Zeit hat ihren Hype – Mobility, Cloud Computing, und nun also In-Memory. Die Technologie ist zwar in der Tat nicht neu, aber seit der Einführung von 64-Bit-Prozessoren ist es möglich, das Potential voll auszuschöpfen. Mit den 32-Bit-Prozessoren war die Technologie nicht optimal nutzbar, da nur 4 GB Arbeitsspeicher adressiert werden konnten. Das reicht für die enorm großen Datenmengen, die bei den Unternehmen anfallen, natürlich nicht aus. Mit 64-Bit-Prozessoren steigt die Kapazität des Arbeitsspeichers um ein Vielfaches, sodass auch riesige Datenmengen direkt dort vorgehalten und verarbeitet werden können.

IT-DIRECTOR: Wie viel schneller können Auswertungen via In-Memory-Technologie ablaufen?
R. Moll: Das kommt auf mehrere Faktoren an: Zum einen ist es ein Unterschied, ob wir über Big Data oder Small Data sprechen. Ein weiterer Einflussfaktor ist die Anzahl der User, die das System gleichzeitig nutzen. Und letztlich ist es wie immer eine Budgetfrage: Es gibt unterschiedliche Lösungen im Bereich In-Memory – von der reinen Technologie, die die Nutzer mit ihren ganz normalen PCs nutzen können über Zwischenlösungen, bei denen ein Teil der Hardware ersetzt wird bis hin zu den ganz großen Lösungen, bei denen Software und speziell entwickelte Hardware kombiniert werden.

IT-DIRECTOR: Was würde das an Mehrkosten verursachen?
R. Moll: Auch hier gilt: Die Kosten sind abhängig von der gewählten Lösung. Bei einer reinen Software-Lösung muss In-Memory-Technologie nicht teurer sein als eine vergleichbare festplattenbasierte Datenhaltung. Entscheidet man sich für die Kombination aus Soft- und Hardware, gerät man leicht in den oberen sechsstelligen Bereich.

IT-DIRECTOR: Inwieweit können es sich die Anbieter heute überhaupt noch erlauben, Lösungen ohne In-Memory-Basis anzubieten?
R. Moll: Im Moment können sich Anbieter noch erlauben, Lösungen ohne In-Memory-Basis anzubieten. Der Trend geht allerdings ganz klar in diese Richtung, und die Vorteile liegen eindeutig auf der Hand. Da die Datenmengen in Unternehmen zukünftig bestimmt nicht weniger, die Ansprüche an Schnelligkeit und Flexibilität aber weiter steigen werden, wird die In-Memory-Technologie mittelfristig der Standard sein. Wir setzen diese Technologie bereits seit einigen Jahren ein.

IT-DIRECTOR: Welche Kombination klassischer Olap- und neuer In-Memory-Technik empfehlen Sie bei BI-Neuprojekten?
R. Moll: Hier reden wir von zwei verschiedenen Dingen: Olap ist ein Datenmodell, In-Memory eine Technologie. Die Performanz bei der Arbeit mit Olap-Datenmodellen steigt jedoch deutlich, wenn diese mit der In-Memory-Technologie kombiniert werden.

IT-DIRECTOR: Was kann trotz der Nutzung von In-Memory-Technik die Performance von BI-Anwendungen drastisch drosseln?
R. Moll: Nun, das sind im Grunde dieselben Faktoren, die auch bei anderen Lösungen die Leistung negativ beeinflussen: schlechte Datenmodelle, unzureichende Hardware, nicht genug Hauptspeicher, eine schlechte Netzwerkverbindung, Überlastung durch zu viele Nutzer gleichzeitig – und natürlich eine schlechte BI-Anwendung.

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