Digitale Agenda

Strukturen zukunftsfähig aufgestellt

IT-DIRECTOR sprach mit Lutz Hohmann, Vorstand der PROFI Engineering Systems AG, über die Relevanz agiler Führungsgremien und die Notwendigkeit einer Digitalen Agenda.

  • Lutz Hohmann, PROFI

    „Unsere Führungspositionen sind mit autonom denkenden und verantwortungsvoll agierenden Kolleginnen und Kollegen besetzt. Meine persönliche Zielsetzung als Vorstand sehe ich darin, dieses enorme Potenzial zu koordinieren und weiter zu entwickeln“, so Lutz Hohmann.

  • Lutz Hohmann, PROFI

    Lutz Hohmann: „Unsere unternehmerische Verantwortung sehen wir darin, dass wir – wie es unser Unternehmensgründer einst formulierte – in Generationen und nicht in Quartalen denken.“

  • Stefan Langhirt und Lutz Hohmann, PROFI

    Vorstand Lutz Hohmann (r.) und sein Kollege Stefan Langhirt, Bereichsleiter Business Operations

  • Lutz Hohmann, PROFI

    „Jede Branche steht hinsichtlich der Digitalisierung und des Einsatzes moderner IT-Anwendungen unter Zugzwang. Wer weiterhin auf analoge Geschäftsmodelle setzt, wird sehr bald durch digitale Konzepte der Mitbewerber in Bedrängnis geraten“, meint Lutz Hohmann.

  • Lutz Hohmann, PROFI

    Lutz Hohmann betrachtet sich als Mitglied des Teams, „das genau wie alle anderen Mitglieder seine Erfahrungen und Kompetenzen hierarchieunabhängig in die Gesprächsrunde einbringt“.

  • Lutz Hohmann, PROFI

    „Uns sind Kontinuität und langfristige Beziehungen wichtig, wenn es um den Umgang mit Kunden, Geschäftspartnern und natürlich auch den eigenen Mitarbeitern geht", betont Hohmann.

  • Lutz Hohmann, PROFI

    „Auch wir müssen unsere Geschäftsprozesse digitalisieren und verschlanken“, meint Lutz Hohmann.

ITD: Herr Hohmann, die PROFI Engineering Systems AG hat ihre Führungsstrukturen in den vergangenen Jahren sukzessiv verändert. Was hat sie dazu veranlasst?
Lutz Hohmann: Wir haben festgestellt, dass ein sich immer schneller entwickelnder und gleichzeitig immer komplexer werdender Markt nicht nur neue Anforderungen an die IT, sondern auch an die Führungsgremien von IT-Anbietern stellt. Um mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, müssen auch die Unternehmensentscheider in die Lage versetzt werden, schneller und agiler zu reagieren. In den vergangenen zwei Jahren haben wir deshalb unsere Führungsstruktur, bestehend aus Aufsichtsrat, Vorstand und erweiterter Geschäftsleitung, neu geordnet und – so zeigen die Erfahrungen – effektiver gemacht.

ITD: Wie sieht die neue Führungsstruktur konkret aus?
Hohmann: Gemeinsam mit den Mitgliedern der erweiterten Geschäftsleitung bilde ich als alleiniger Vorstand ein gemeinsames Kompetenz- und Entscheidungsteam. Dieses Leadership-Team besteht neben mir aus acht Unternehmensverantwortlichen, u.a. aus den Abteilungen Vertrieb, Beratung, Qualitätsmanagement, Business Operations, Personal und Finanzen, die in ihrer Vielfalt sämtliche Kernbereiche unseres Unternehmens repräsentieren. Alle unternehmensrelevanten tagesaktuellen, aber auch strategischen Themen werden in diesem Kreis diskutiert und entschieden.

ITD: Welche Rolle nehmen Sie als Vorstand in diesem Gremium ein?
Hohmann: Ich betrachte mich als Mitglied des Teams, das genau wie alle anderen Mitglieder seine Erfahrungen und Kompetenzen hierarchieunabhängig in die Gesprächsrunde einbringt. Darüber hinaus verstehe ich mich als „Coach“ oder „Orchestrator“ des Leadership-Teams, der die Diskussionskultur pflegt, die Richtung vorgibt und sicherstellt, dass die übergeordneten langfristigen Ziele des Familienunternehmens bei der Entscheidungsfindung beachtet werden. Der Aufsichtsrat, der neben dem Firmengründer aus ehemaligen Topmanagern externer Unternehmen besteht, steht mir persönlich und dem Leadership-Team mit seiner Erfahrung und Kompetenz – wann immer notwendig – beratend zur Seite. Unsere Firmenphilosophie ist darauf ausgerichtet, dort Entscheidungen zu treffen, wo auch die Kompetenz liegt. Unsere Führungspositionen sind mit autonom denkenden und verantwortungsvoll agierenden Kolleginnen und Kollegen besetzt. Meine persönliche Zielsetzung als Vorstand sehe ich darin, dieses enorme Potenzial zu koordinieren und weiterzuentwickeln.

ITD: Herr Langhirt, wie stellt sich aus Ihrer Sicht als Bereichsleiter Business Operations der Markt für IT-Systemhäuser angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Ihr Unternehmen dar?
Stefan Langhirt: Einflussfaktoren wie Corona oder der Ukraine-Krieg gehen auch an der IT-Branche nicht ganz spurlos vorüber, dennoch sehen wir den Markt als weiterhin sehr stabil und die Investitionsbereitschaft als gut an. Es bewahrheitet sich, was wir bereits in der Vergangenheit festgestellt haben: Gerade in Krisenzeiten spielt die IT für die Wirtschaft eine wichtige Rolle. Um als Unternehmen handlungsfähig zu bleiben, um Geschäftsprozesse schnell anzupassen und zu optimieren, um Logistik und Produktion, vielfach sogar ganze Lieferketten neu auszurichten, ist eine moderne, leistungsfähige IT-Infrastruktur unverzichtbar. Viele Unternehmen haben das erkannt und investieren weiterhin konsequent in die Digitalisierung. Deshalb entwickelt sich auch für uns als ganzheitlichem IT-Lösungsanbieter die Auftragslage nach wie vor positiv und wir sehen uns mit unserem breiten Angebotsportfolio sehr gut positioniert.

ITD: Welche IT-Lösungen und Dienstleistungen sind auf Kundenseite besonders nachgefragt?
Langhirt: Eine hohe Investitionsbereitschaft verzeichnen wir in den Kernbereichen: Infrastruktur, Netzwerk, Security, Cloud, Hybrid-Cloud-In-frastrukturen und Managed Services. Ein besonderes Wachstumssegment ist sicher das Security-Umfeld, das heute sehr viel umfassendere Lösungen erfordert als in der Vergangenheit und weit über die Absicherung von Firewalls hinausgeht. Wie bereits erwähnt, sind viele Unternehmen noch intensiv mit der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse beschäftigt – auch hier gibt es nach wie vor starken Beratungsbedarf. Darüber hinaus profitieren wir als IT-Dienstleister auch vom Fachkräftemangel, der bei den Unternehmen häufig dazu führt, insbesondere die IT-Standardprozesse auszulagern.

ITD: Wo sehen Sie Ihre hauptsächlichen Zielgruppen?
Langhirt: Vorrangig kommen unsere Kunden aus dem gehobenen Mittelstand. Etwa zwei Drittel unseres Umsatzes generieren wir in diesem Segment. Wir betreuen allerdings auch Kunden aus der Großindustrie und Konzerne. In steigendem Maße sind wir auch für öffentliche Auftraggeber tätig. Zugute kommt uns bei diesem Mix unser breites Produktportfolio. Wir sind seit über 30 Jahren einer der größten IBM-Partner in Deutschland und Europa, haben aber in den vergangenen zehn Jahren unsere Partnerstrategie deutlich erweitert. Heute arbeiten wir mit nahezu allen führenden IT-Brands zusammen. Neben der IBM, nach wie vor unser größter Hersteller, zählen insbesondere Dell, VMware, Netapp, Nutanix und Red Hat zu unseren strategischen Herstellern, ebenso wie Lenovo und Fujitsu im x86 Bereich. Darüber hinaus kooperieren wir auch mit Hyperscalern wie Amazon Web Services oder Microsoft Azure. Das versetzt uns in die Lage, als unabhängiges Beratungshaus individuelle Lösungen für den Kunden zu konzipieren und für ihn ein echter „Trusted Advisor“ zu sein.

ITD: Welche Unternehmensphilosophie und welche Unternehmenskultur kennzeichnen Ihr Unternehmen?
Hohmann: Unsere unternehmerische Verantwortung sehen wir darin, dass wir – wie es unser Unternehmensgründer einst formulierte – in Generationen und nicht in Quartalen denken. An diesem Grundsatz hat sich in den vergangenen 38 Jahren, die unser Unternehmen besteht, nichts geändert. Wir vereinen eine starke, über viele Jahre entstandene Familien- und Unternehmenskultur mit der Fähigkeit, schnell auf sich verändernde Situationen und Entwicklungen zu reagieren. Uns sind Kontinuität und langfristige Beziehungen wichtig, wenn es um den Umgang mit Kunden, Geschäftspartnern und natürlich auch den eigenen Mitarbeitern geht. Gleichzeitig streben wir die Agilität eines Start-up-Unternehmens und eine innovative Zukunftsausrichtung an.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITD: In Ihrer Unternehmensdarstellung ist mehrfach von einer „Digitalen Agenda“ die Rede. Was versteckt sich hinter diesem Begriff?
Langhirt: Die Digitale Agenda ist unser „Blueprint“, der die vier Eckpfeiler der Digitalen Transformation beschreibt und deutlich macht, in welcher Weise wir unsere Kunden auf diesem Weg begleiten. Im Wesentlichen besteht die Digitale Agenda aus den Kernelementen: Data Center Transformation, Security Transformation, Application Transformation und Workplace Transformation. Im Rechenzentrumsumfeld geht es beispielsweise um Server- und Speicherlösungen, Automatisierung und natürlich hybride Cloud-Konzepte. Im Bereich der Security Transformation beschäftigen wir uns sowohl mit der IT- als auch der Informationssicherheit, wobei natürlich das Netzwerk als kritische Infrastruktur dabei auch eine wichtige Rolle einnimmt. Auf der Anwendungsebene stehen SW-Modernisierung, DevOps, Containerplattformen, agile Methoden und auch SAP-Hana-Migrationen im Mittelpunkt. Eine nicht unwesentliche Rolle bei der Digitalen Transformation von Geschäftsprozessen spielt natürlich auch der digitale Arbeitsplatz, der den Mitarbeiter in die Lage versetzt, jederzeit und überall auf alle notwendigen Informationen und Applikationen zuzugreifen. Abgerundet wird die Digitale Agenda durch unser Angebot an Managed Services, das unseren Kunden die Option eröffnet, IT-Standardprozesse an uns auszulagern, um sich mehr auf die unternehmenskritischen Prozesse und Anwendungen konzentrieren zu können.

ITD: Wie weit ist die Digitale Transformation in Ihrem eigenen Unternehmen vorangeschritten?
Hohmann: Generell stehen wir hier vor den gleichen Herausforderungen wie unsere Kunden. Auch wir müssen unsere Geschäftsprozesse digitalisieren und verschlanken. Die Pandemie hat auch unseren Aktivitäten hinsichtlich des Aufbaus digitaler Arbeitsplätze einen zusätzlichen Schub versetzt. Inzwischen ist das Projekt „Digital Workplace“ abgeschlossen und unsere Mitarbeiter sind in der Lage, orts- und zeitunabhängig ihren Tätigkeiten nachzugehen. Wir haben zudem Teile unserer IT-Infrastruktur erneuert und auch einige Applikationen in die Cloud transferiert. Aktuell sind wir damit beschäftigt, unser CRM-System, das in der Vergangenheit aus verschiedenen Insellösungen bestand, zusammenzuführen.

Langhirt: Für uns als Systemhaus ist das CRM-System als Schnittstelle zu unseren Kunden extrem wichtig. Unser Ziel ist der Aufbau einer ganzheitlichen CRM-Plattform, mit deren Hilfe wir unsere Projekte von der Identifizierung bis zur Auftragsbearbeitung komplett steuern und managen können. Auch Marketing-Themen wie Lead Scoring und Customer Voice Integration spielen dabei eine wichtige Rolle. Wir haben uns für Microsoft Dynamics als zentrale Plattform entschieden, da wir intern auch über ein sehr erfahrenes Microsoft-Team verfügen.

ITD: Können Sie uns exemplarisch einige aktuelle Projekte nennen, die von Ihrem Unternehmen abgewickelt wurden?
Hohmann: Ein gutes Beispiel ist vielleicht der pandemiebedingte Aufbau einer Bildungsinfrastruktur für eine mittelgroße deutsche Stadt mit 200.000 Einwohnern. Ziel des Pilotprojekts war die schnelle, sichere und einfach zu administrierende Bereitstellung von 3.000 Endgeräten. Gemeinsam mit unseren Partnern VMware und Amazon ist es uns gelungen, in kürzester Zeit ein Konzept zu entwickeln und eine Lösung zu implementieren, die insbesondere den hohen Anforderungen an Datenschutz und Informationssicherheit gerecht wird.

ITD: In welchem Zeitraum wurde das Projekt abgewickelt?
Langhirt: Innerhalb von sechs Wochen. Der Zeitdruck war enorm hoch und die Umsetzung wurde dadurch erschwert, dass in den betroffenen Schulen nur ein vergleichsweise geringer IT-Skill vorhanden war. Geholfen hat uns die Tatsache, dass seitens des öffentlichen Auftraggebers sehr schnell und unkonventionell agiert wurde. Inzwischen gibt es eine Reihe ähnlich gelagerter Anfragen weiterer Kommunen, für die das beschriebene Projekt als Blaupause dienen kann.

ITD: Können Sie ein weiteres Beispiel nennen?
Langhirt: Bei einem ausgesprochen anspruchsvollen Projekt geht es aktuell um das Erhaltungsmanagement von Autobahnbrücken. 2017 hatte das Bundesverkehrsministerium eine Machbarkeitsstudie ausgeschrieben, in der es um die Nutzung einer IT-Analytics-Software ging, um mit vorhandenen baustatischen Daten von Brücken, deren Umgebung und weiteren Einflussfaktoren Aussagen zum Bauwerkszustand treffen zu können. Unser Unternehmen hat diese Machbarkeitsstudie erstellt und wurde dann 2018 vom BMVI mit einem Förderprojekt für ein Proof of Concept beauftragt. Ziel war es, schneller und kostengünstiger als bisher zu erkennen, ob Brücken saniert werden müssen, und falls ja, bis wann das geschehen muss. Entstanden ist daraus ein umfangreiches Big-Data-Projekt, in dem modernste Analyse- und KI-Anwendungen zum Einsatz kommen. Die Lösung ist im IBM-Watson-IoT-Center in München beispielhaft als Prototyp ausgestellt. Aus dieser Anwendung lassen sich Lösungen für ähnlich gelagerte industrielle Anwendungsfelder, Stichwort „Predictive Maintenance“, hervorragend ableiten. Inzwischen haben wir die erste konkrete Beauftragung aus einem nördlichen Bundesland erhalten, die wir zusammen mit einem regionalen, öffentlichen IT-Dienstleister bearbeiten.

ITD: Wenn Sie das Marktgeschehen insgesamt betrachten, wo bestehen in besonderem Maße Wachstumspotenziale für Sie als IT-Dienstleister?
Hohmann: Jede Branche steht hinsichtlich der Digitalisierung und des Einsatzes moderner IT-Anwendungen unter Zugzwang. Wer weiterhin auf analoge Geschäftsmodelle setzt, wird sehr bald durch digitale Konzepte der Mitbewerber in Bedrängnis geraten. Wir erwarten daher branchenübergreifend eine weiterhin stabile Nachfrage nach unseren Leistungen. Technologisch betrachtet besteht ein enormes Entwicklungspotenzial im Security-Umfeld. Unternehmen benötigen Sicherheitssysteme, die ihr Informationsmanagement kontinuierlich überwachen und die betroffenen Prozesse gegenüber kriminellen Angreifern, Wettbewerbern oder gegen die Cyberangriffe fremder Staaten absichern.

Langhirt: Eine überproportional steigende Nachfrage erwarten wir darüber hinaus bei Managed Services. Ein treibender Faktor ist dabei der Fachkräftemangel, der sich in den kommenden Jahren eher vergrößern als reduzieren wird. Steigende Umsatzanteile erwarten wir ebenfalls im Beratungsgeschäft.

ITD: Welche unternehmerischen Ziele verfolgen Sie mittel- und langfristig?
Hohmann: Strukturell werden wir unsere Beratungskompetenzen in Segmenten wie Security, aber auch Cloud Computing sukzessive ausbauen. Cloud wird als IT-Infrastrukturelement eine immer größere Rolle spielen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Multi-Cloud zum Maß aller Dinge wird. Es gilt auch weiterhin, die Infrastruktur und die unternehmensspezifischen Anforderungen des Kunden genau zu analysieren, um ihm eine passgenaue Lösung anbieten zu können. Unter kaufmännischen Aspekten setzen wir als familiengeführter Mittelständler auf ein qualitatives, d.h. wirtschaftlich gesundes Wachstum. Mittelfristig sehen wir eine Konsolidierung unter den IT-Dienstleistern. Eventuelle Zukäufe – sofern sie unser Leistungsangebot sinnvoll ergänzen – schließen wir nicht aus, sie werden allerdings nicht Grundlage unser Firmenentwicklung sein.

Lutz Hohmann

Alter: 52 Jahre
Familienstand: verheiratet
Werdegang: Nach Abschluss des Studiums der Betriebswirtschaftslehre 1994 arbeitete Hohmann als Leiter Controlling bei der M+S Elektronik AG. Seit 2003 ist er als Bereichsleiter Finanzwesen, Controlling und Personal für die PROFI Engineering Systems AG tätig und wurde 2009 in den Vorstand berufen. Seit dem 1. Mai 2022 lenkt er als alleiniger Vorstand mit der Geschäftsführung die Geschicke des Unternehmens.
Derzeitige Position: Vorstand
Interessen: Reisen, gutes Essen, Eintracht Frankfurt

Bildquelle: Jörg Ladwig

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