Gleichberechtigung sollte auch in der IT-Branche selbstverständlich sein.
Programmieren war Anfang des 20. Jahrhunderts ein typischer Frauenberuf. Noch bis in die 1980er-Jahre sei das so gewesen, heißt es in einem Beitrag von get-in-it.de. Davon seien heute alle westlichen Industrienationen weit entfernt. Weniger als 20 Prozent der IT-Studenten in Deutschland sind weiblich. 2019 wurden laut F.A.Z. nur etwa 15 Prozent der bestandenen Abschlussprüfungen im Fach Informatik von Studentinnen absolviert.
Experten machen hierfür alte Rollenbilder und eine fehlende Frühförderung an Schulen verantwortlich. Tabea Henrich, Head of Consulting beim Heidelberger Software-Unternehmen Zetvisions, teilt diese Einschätzung. Sie sagt: „Man sollte an den Schulen vermitteln, was es an Berufsfeldern gibt. Hier lässt sich sicher viel verbessern.“ Neben praktischen Beispielen erfolgreicher IT-Frauen bedarf es eines konstanten Informatikunterrichts an den Schulen. Sie habe in der Schule nur in einem Schuljahr Informatik gehabt, erzählt Nelly Metzler, Head of Product Management bei Zetvisions. „Wir hatten zu wenig Rechner, am Ende hatte jeder nur ein halbes Jahr Informatikunterricht.“ Nur ein halbes Jahr Informatik – das betrifft nicht nur die Mädchen, sondern auch die Jungen. Daher sieht Bianca Oexle, Controllerin beim Software-Anbieter, die fehlende Frühförderung in Sachen Digitalisierung „eher als allgemeines und nicht als geschlechterspezifisches Problem“.
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Gleichwohl findet Marina Stegarescu, Teamleiterin Support, Förderprogramme für Mädchen grundsätzlich sinnvoll. Zugleich glaubt sie aber, die Entwicklung hin zu mehr Frauen in der IT werde sich auf „natürliche Weise“ vollziehen, dadurch, „dass die jüngeren Generationen als Digital Natives in der digitalen Welt aufwachsen“. Bianca Oexle kann sich nicht vorstellen, dass die Schulabgänger der letzten Jahre noch geprägt sind von alten Rollenbildern. Was können speziell die Unternehmen tun? Bianca Oexle meint: Sie sollten „sinnstiftende Tätigkeitsfelder aufzeigen abseits von Computerspielen und sprechenden Computern“. Darüber hinaus sollten sie weibliche Vorbilder schaffen, den Mythos des „Mathegenies“ entzaubern und Kompetenzen wie Kreativität, Neugier und Lösungsorientierung in den Vordergrund stellen. Gleichberechtigung sollte selbstverständlich sein, meint Marina Stegarescu. Flexible Möglichkeiten, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, gehören auch zu den Voraussetzungen, die Unternehmen schaffen sollten. Das beinhaltet die Option, im Homeoffice arbeiten zu können, betont Nelly Metzler.
Stumme Nerds hinter Rechnern – trifft dieses Klischee heute noch zu? Die F.A.Z. schrieb im Februar 2021, das Bild des männlichen Nerds halte sich hartnäckig, wenn man an die IT-Branche denke. Marina Stegarescu und Nelly Metzler weisen darauf hin, dass Menschen, die sich für IT interessierten, „weniger extrovertiert“ seien, sie bräuchten Ruhe und seien auch als Typ eher ruhiger. Nerds seien sie aber nicht. Stegaresu ergänzt: „Spätestens mit der ‚Native Generation’ hoffe ich, dass kein Mann denken wird, eine Frau könne nur deswegen nichts mit Computern anfangen, weil sie eine Frau ist. Das ist absurd.“
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