Jörg Hesselink verfügt als erfahrener IT-Leiter über umfangreiche Expertise im Management und Betrieb von IT-Infrastrukturen.
Sein Potenzial entfaltet das Konzept des Digitalen Zwillings in Rechenzentren, wenn es mit Augmented Reality kombiniert wird. Beim Blick durch die AR-Brille werden die computergenerierten Bilder über die realen Gegenstände gelegt.
Das Borderstep Institut geht von einer IT-Leistung von annähernd 12 Mrd. kWh/a, die in deutschen Rechenzentren im Jahr 2022 aufgewendet wurde. Dahinter verbergen sich eine Vielzahl an Servern, Speichersystemen und Netzwerkkomponenten, die effizient betrieben und verwaltet werden müssen. Schon heute stellt es die verantwortlichen Teams vor große Herausforderungen, die logische und physische Lokation aller Komponenten zu kennen und zu dokumentieren. Häufig resultiert dies darin, dass Pläne nicht auf dem neuesten Stand sind und entscheidende Informationen im Notfall nicht gefunden werden. Wir erleben oft, dass sich die Unternehmen auf der sicheren Seite wähnen und glauben, alle Informationen zu haben. Im Ernstfall fängt die Suche dann an. Die Komplexität in den Rechenzentren erfordert innovative und vor allem intuitiv bedienbare Lösungen, um die Komponenten zu erfassen und zu bewerten.
Wirklich kritisch wird das nach Inkrafttreten des NIS2-Umsetzungsgesetzes. Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als 29.000 Unternehmen in Deutschland die Kritis-Kriterien erfüllen und sich als Teil der Kritischen Infrastruktur beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) registrieren müssen – dann tickt die Uhr. Zwei Jahre haben sie Zeit, die damit einhergehenden Pflichten zu erfüllen – auch die Dokumentationspflicht zählt dazu. Und die sollte nicht unterschätzt werden: Zu dokumentieren, wo die IT-Systeme betrieben werden und wo sie sich physisch befinden, kostet Unternehmen viel Zeit. Selbst wenn bereits Inventarisierungslösungen und Data Center Infrastructure Management (DCIM) genutzt werden, bestehen enorme Datenlücken. Häufig werden Änderungen nicht eingepflegt, oder die physische Lokation ist nicht erfasst. Warum? Die Prozesse sind häufig zu komplex und voller Medienbrüche, die wertvolle Zeit kosten.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Zeit, die bei der angespannten Personalsituation heute schlicht nicht vorhanden ist. Im Juni 2023 meldete die Tagesschau einen „Fachkräftemangel in IT-Berufen auf Rekordniveau“. Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft ermittelte 2022 fast 68.000 offene Stellen. Auch hier zeigt sich ein enormer Bedarf an innovativen Konzepten und Technologien, um die Ressourcen der noch vorhandenen Fachkräfte zu schonen. Bei den komplexen Strukturen und vielfältigen Komponenten können einzelne Mitarbeiter nicht alle Details kennen.
Häufig werden Rechenzentren als das Herz der Digitalisierung bezeichnet – genau deshalb dürfen wir uns hier keine Kompromisse leisten. Innovative Technologien wie Digitaler Zwilling und AR sparen Zeit und erhöhen die Sicherheit. Darüber hinaus lässt sich ein gut gepflegter Datenbestand in Kombination mit weiteren Informationen – etwa von Sensoren im Rechenzentrum – ebenfalls nutzen, um mittels KI Muster zu erkennen und neue Erkenntnisse zu gewinnen.
Bildquelle: DC Smarter