KI-Ökosystem

Technologiekonzerne planen Superrechenzentrum für KI

SAP, Telekom, Siemens und andere Technologiekonzerne planen eine KI-Gigafabrik. Ziel ist eine europaweit führende Infrastruktur für KI – als Gegengewicht zur USA.

Technologiekonzerne planen Superrechenzentrum für KI

Deutsche Technologiekonzerne wollen ein ambitioniertes Projekt zur Stärkung der technologischen Souveränität starten. SAP, die Deutsche Telekom, Ionos sowie Siemens und die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) führen derzeit Gespräche über den gemeinsamen Bau einer sogenannten KI-Gigafabrik.

Aktionsplan für ein europäisches KI-Ökosystems

Ziel ist es, im Rahmen eines von der Europäischen Union geförderten Programms ein Rechenzentrum zu errichten, das über hunderttausend spezialisierte KI-Chips verfügen und damit zu den leistungsstärksten Anlagen dieser Art in Europa zählen soll. Die Verhandlungen haben noch offene Fragen. Insbesondere die Standortwahl steht weiterhin zur Diskussion, ebenso wie das endgültige Konzept für EU-Fördermittel.

Hintergrund des Vorhabens ist der von der EU-Kommission vorgestellte Aktionsplan zur Entwicklung eines eigenständigen europäischen KI-Ökosystems. Vorgesehen ist der Bau von fünf KI-Gigafabriken an verschiedenen Standorten innerhalb der EU. Diese sollen über eine Infrastruktur verfügen, die geeignet ist, große Sprachmodelle und andere anspruchsvolle KI-Anwendungen zu trainieren.

Die Rechenzentren sollen mit zehntausenden GPUs ausgestattet werden und damit ein Mehrfaches der heutigen deutschen Kapazitäten bieten, die derzeit auf etwa 25.000 GPUs begrenzt sind. Das angestrebte Ziel ist der Aufbau einer weltklassefähigen Infrastruktur, die sowohl der Forschung als auch Start-ups und etablierten Unternehmen offensteht.

Angriff auf die KI-Überlegenheit der USA

Die Bedeutung dieses Projekts wird durch geopolitische und wirtschaftliche Entwicklungen verstärkt. In den USA ist unter dem Namen Stargate eine gigantische Initiative angelaufen, die von Unternehmen wie OpenAI, Oracle und Softbank getragen wird. Diese sieht Investitionen in Höhe von rund 500 Milliarden Euro vor, um in den nächsten vier Jahren bis zu 20 große Rechenzentren für KI zu errichten.

Nach Einschätzung von Experten besteht die Gefahr, dass die Vereinigten Staaten damit ihre Führungsposition im Bereich Künstliche Intelligenz weiter ausbauen und ein Monopol etablieren. Aus diesem Grund wächst innerhalb der EU der politische Druck, ein vergleichbares Gegengewicht zu schaffen und die technologische Abhängigkeit von den USA zu reduzieren.

Auch die Bundesregierung hat Interesse daran und befürwortet die Bildung eines Konsortiums aus Wirtschaft und Staat, um die EU-Vorgaben zu erfüllen. Das Modell sieht eine Finanzierung vor, bei der etwa 35 Prozent der Investitionen durch öffentliche Mittel gedeckt werden sollen, während der größere Teil von den beteiligten Unternehmen getragen wird.

Deadline 20. Juni - dann muss der Antrag fertig sein

Der nächste entscheidende Meilenstein ist die Abgabe der Interessenbekundung an die Europäische Union, für die eine Frist bis zum 20. Juni gesetzt wurde. Bis dahin müssen die beteiligten Unternehmen ein tragfähiges Konzept vorlegen, das den Anforderungen der EU entspricht. In anderen Mitgliedsstaaten, etwa in Frankreich, gibt es ebenfalls vergleichbare Projekte. Der französische Cloudanbieter OVH hat sein Interesse bereits öffentlich bekundet.

Ob Deutschland letztlich den Zuschlag für eine der fünf Gigafabriken erhält, ist derzeit noch offen. Entscheidend wird sein, ob das Konsortium der deutschen Unternehmen ein überzeugendes Konzept vorlegen kann, das die technischen, wirtschaftlichen und politischen Anforderungen erfüllt. Sollte dies gelingen, würde Deutschland eine zentrale Rolle in der europäischen KI-Infrastruktur übernehmen.

Bild: Colossus Cloud / Pixabay

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