Lars Riehn, Gründer und Geschäftsführer der InfoWAN Datenkommunikation GmbH
IT-DIRECTOR: Herr Riehn, welchen Stellenwert besitzt die telefonische Kommunikation in deutschen Großunternehmen aktuell im Vergleich zu anderen Kanälen wie E-Mail, Instant Messaging oder sozialen Netzwerken?
L. Riehn: Das Telefon ist nach wie vor ein sehr wichtiges Kommunikationsmedium und steht auf einer Stufe mit E-Mail. Instant Messaging wird zunehmend beliebt und die Kommunikation über soziale Netzwerke steht am Anfang.
IT-DIRECTOR: Blickt man auf aktuelle UC-Projekte – auf welche Art und Weise telefonieren die Mitarbeiter bevorzugt: mit Software-UC-Client (Softclient) und Headset, mit klassischem oder schnurlosem IP-Telefon?
L. Riehn: Das hängt stark vom individuellen Nutzer ab. Wir erleben es aber häufig, dass Anwender zunächst nicht auf das klassische Telefon verzichten möchten, dieses aber schnell verstaubt, wenn die Mitarbeiter sich erst einmal an den Komfort von UC-Client und Headset gewöhnt haben. Wichtig ist aber, dass man hochwertige Headsets einsetzt und die Mitarbeiter selbst aus mehreren Geräten auswählen können. Schnurlose Telefone im Vergleich zu schnurgebundenen werden eher selten eingesetzt, zumal ein DECT-Headset am UC-Client deutlich komfortabler ist.
IT-DIRECTOR: Welche Vor- und Nachteile sprechen für die Nutzung von Headsets beziehungsweise von IP-Telefonen?
L. Riehn: Für Headsets spricht vor allem die Mobilität, die Verbindung mit dem UC-Client und die Tatsache, dass immer häufiger in offenen Büros gearbeitet wird. Der Nachteil von Headsets ist, dass manche Menschen einfach keine Headsets mögen. Wobei die Auswahl an Geräten inzwischen so umfassend ist, dass man auch große Zweifler oft überzeugen kann.
IT-DIRECTOR: Wie ist es generell um die Sprachqualität bei Unified Communications bestellt? Welchen Einfluss haben die eingesetzten UC-Endgeräte auf die Sprachqualität?
L. Riehn: Die Sprachqualität ist allgemein sehr gut. Die eingesetzten Endgeräte haben darauf einen großen Einfluss. Billige Headsets ruinieren die Verständlichkeit schnell. Ansonsten leidet die Sprachqualität häufig darunter, dass die Anwender auch in dafür nicht wirklich geeigneten Umgebungen, in denen es zum Beispiel nur ein schlechtes WLAN oder gerade noch einen Balken Empfang im Mobilfunknetz gibt, Telefonate führen.
IT-DIRECTOR: Welche Merkmale und Funktionalitäten sollten IP-Telefone für den Business-Einsatz auf jeden Fall aufweisen können? Auf welche Features können Anwender in der Regel eher verzichten?
L. Riehn: Die Geräte müssen leicht zu bedienen sein und eine gute Qualität bei Haptik und Sprachverständlichkeit bieten. Eine gute Integration mit der dahinterliegenden UC-Lösung ist ebenfalls wichtig. Ähnlich wie beim klassischen Telefon sind die Funktionen verzichtbar, die in der Bedienung so kompliziert sind, dass sie der durchschnittliche Anwender nicht verwendet.
IT-DIRECTOR: Über welche Zertifizierungen bzw. Standards sollten die UC-Endgeräte verfügen?
L. Riehn: Von Bedeutung ist vor allem die Zertifizierung für die eingesetzte UC-Lösung. Andere Zertifizierungen sind je nach Unternehmen wichtig oder auch völlig irrelevant.
IT-DIRECTOR: Betrachtet man die Investitionen in ein UC-Projekt – wie viele davon fallen auf die Beschaffung, Einführung und den Betrieb bzw. die Wartung der Softclients/Headphones bzw. IP-Telefone?
L. Riehn: Das ist schwierig pauschal zu beantworten. Headsets sind in der Regel günstiger in der Anschaffung und im Betrieb als Telefone. Häufig werden zu Telefonen auch noch Headsets beschafft. In der Regel wird der Softclient auch überall ausgerollt. Telefone kommen dann zusätzlich zum Einsatz.
IT-DIRECTOR: Welche Unterschiede hinsichtlich der Anschaffungs- und Betriebs-/Wartungskosten gibt es zwischen Headset, klassischem oder schnurlosem IP-Telefon?
L. Riehn: Am teuersten sind schnurlose Telefone, dann folgen klassische Telefone und am günstigsten sind Headsets.
IT-DIRECTOR: Wie sieht die Lebensdauer von Headphones bzw. IP-Telefonen aus – insbesondere im Verhältnis zu anderen im Unternehmen vorhandenen Hardwarekomponenten?
L. Riehn: Im Vergleich zu einem Notebook, das oft nach zwei oder maximal drei Jahren ausgetauscht werden muss, oder zu Smartphones und Tablets, die teilweise schon nach 18 Monate wieder zum alten Eisen gehören, sind gerade Headsets sehr langlebig. Hier erfolgt der Austausch erst nach vielen Jahren. Bei IP-Telefonen ist es ähnlich, wobei man hier beachten muss, dass diese eventuell durch ein Update der UC-Serverösung obsolet werden können.