IT-DIRECTOR: Herr Winkeler, warum ist das Thema „Software-Testing“ für die IBM interessant?
T. Winkeler: In der Vergangenheit wurde das Testen von Anwendungen vielfach als notwendiges, aber wenig nutzenbringendes Anhängsel klassischer Software-Entwicklungsprojekte gesehen. Diese Betrachtungsweise hat sich nicht zuletzt vor dem Hintergrund geändert, dass Testen über den Lebenszyklus einer Applikation betrachtet zwischen 25 und 50 Prozent an Kosten und Zeit in Anspruch nimmt. Betrachtet man ferner, dass das Testen von Anwendungen aufgrund regulatorischer Anforderungen, schnelleren Entwicklungszyklen und einem deutlich gestiegenen Qualitätsanspruch an Komplexität und Bedeutung gewonnen hat, ist es nur konsequent, dass der Markt für „Testing Services“ seit einigen Jahren einem umfassenden Transformationsprozess unterliegt. Neue Servicemodelle, Tools und Methoden kommen zum Einsatz.
IT-DIRECTOR: Welche sind das?
T. Winkeler: Für unsere Kunden setzen wir beispielsweise immer häufiger sogenannte Test-Factory-Modelle um. Hierbei schneiden wir aus dem Testportfolio der Kundenorganisation Bereiche heraus und fahren diese in eigener Verantwortung in Form eines industrialisierten „Managed Service Modells“ für den Kunden ab. Die Liefermodelle sind in Abhängigkeit von den individuellen Kundenwünschen vielfältig: Skalierbarkeit der Testvolumina, flexible Testinhalte, Abrechnungsmodelle auf Testfallbasis und auf den Kundenwunsch zugeschnittene Service-Level-Vereinbarungen kennzeichnen diese Modelle. Im Vordergund steht dabei jedoch immer die integrierte Sicht auf Kostensenkung, Qualitätsverbesserung, Risikominimierung und die Beschleunigung der Testdurchlaufzeiten.
Aber das Lösungsportfolio der modernen Testberatung besteht nicht nur aus neuen Liefermodellen; so stehen heute viele neue Technologien und Tools zur Verfügung. Ein Beispiel ist das Konzept der „Applikationsvirtualisierung“, welches wir verstärkt in die Testdisziplin einbinden. Diese Lösungskomponente basiert auf dem Einsatz spezifischer Software und beseitigt kritische Zugangs- und Kapazitätsengpässe, die beim Testen in heterogenen Umgebungen sehr häufig ein kostspieliges und zeitraubendes Hindernis darstellen. Im Ergebnis wird die kritische und für den Integrationstest benötigte Zulieferapplikation mittels einer zwischengeschalteten Anwendung simuliert und der Test kann unabhängig von der Verfügbarkeit der „echten“ Applikation durchgeführt werden.
IT-DIRECTOR: In welchem Bereich zeigen sich ebenso Fortschritte?
T. Winkeler: Neben neuen analytisch gestützten Methoden zur verbesserten Testplanung und -durchführung, kombinatorischen Lösungen zur Ermittlung der optimalen Anzahl der Testfälle und den rasanten Entwicklungen im Bereich der Testinfrastruktur (Stichwort Cloud Testing) steht der Umgang mit Testdaten auf der Agenda der wirklich spannenden Themen. Hier bieten Dienstleistungskonzepte unter Nutzung von Software-Lösungen Hilfestellung beim Management komplexer Testdaten einschließlich Datenextraktion, -anonymisierung und -multiplikation.
Durch IBM Testing Services kombiniert mit übergreifenden Lösungen von IBM Rational Software für Qualitätssicherung und Testautomatisierung sowie den Erkenntnissen aus IBM Research sind wir in der Lage, die neusten Anforderungen im Bereich Software-Qualität zu adressieren und zum Vorteil unserer Kunden umzusetzen.