Die Softwarequalität kontinuierlich sichern

Tipps für effiziente Softwaretests

Professionelle Softwaretests sind für die Entwicklung von hochwertiger Software unerlässlich. Voraussetzungen hierfür bilden u.a. stabile, entwicklungsbegleitende Testprozesse. Doch was ist bei der Implementierung entsprechender Abläufe für Softwaretests zu beachten? Fogende Tipps können Handlungsempfehlungen geben:

1.    Das richtige Maß beim Softwaretest

Das Testen soll die gleichbleibend hohe Qualität der Software gewährleisten und Folgekosten durch Design- und Entwicklungsfehler vermeiden. Eine große Herausforderung besteht darin, genau das richtige Maß zu bestimmen: Wird zu wenig getestet, steigen die Fehlerquote und die entsprechenden Kosten an. Auf der anderen Seite sind überdimensionierte Testprozesse unnötig aufwendig und teuer. Hier sollten Unternehmen einen vernünftigen Kompromiss zwischen Testaufwand und zu erwartenden Fehlerkosten finden. Dieser hängt natürlich auch von der Art und Kritikalität der jeweiligen Applikation ab, was folgende Beispiele zeigen: Bei einer automatischen Zugsteuerung etwa müssen Qualität und Testaufwand hoch gehalten werden. Softwarefehler bzw. Bugs könnten hier schließlich katastrophale Folgen haben. Handelt es sich um eine weniger kritische Applikation wie etwa eine webbasierte Fahrplan-App, kann der Testaufwand entsprechend geringer ausfallen.

2.    Optimales Zusammenspiel von Prozessen, Organisation und Softwaretools

Der Testerfolg kann sich nur einstellen, wenn Prozesse, Softwaretools und Organisation gut aufeinander abgestimmt sind und nahtlos ineinander greifen. So sollten Testprozesse und Methoden standardisiert sowie kontinuierlich verbessert werden. Die passenden Tools inklusive Testbaukästen und Templates unterstützen im Idealfall systematische und automatisierte Testprozesse sowie bestehende Standards. Einheitliche Metriken und Kennzahlen ermöglichen die Messbarkeit der IT. Durch die Bündelung von Testkompetenzen in einer zentralen Organisation werden die Testeffizienz und die Transparenz gesteigert.

3.    Implementierung zentraler Vorgaben

Besonders wichtig für die Qualität und den Erfolg der Testaktivitäten sind zentrale Prozessvorgaben: Richtig aufgesetzt ermöglichen sie einheitliche Standards und bieten die Transparenz, durch die alle Beteiligten jederzeit den momentanen Status abrufen und auf die Ergebnisse zugreifen können. So werden zielgerichtete, effiziente und kooperative Testabläufe möglich. Zu beachten ist, dass die Vorgaben nicht starr definiert sind, sondern sich flexibel am jeweiligen Projekt ausrichten. Dabei sollten auch Faktoren, die sich im Rahmen des betrieblichen Change Managements verändern, in die Prozessgestaltung mit einfließen.

4.    Die Organisation von Softwaretests präzise der jeweiligen Situation anpassen

Die Testorganisation sollte auf unterschiedliche Situationen vorbereitet sein und sich flexibel den jeweiligen Projektgegebenheiten anpassen. Je nach Anforderung können eine zentrale, standardisierte Qualitäts- und Testmethodik sowie zentrale Testwerkzeuge ausreichend sein, um in den jeweiligen Projekten verbindlich eingesetzt zu werden. Gute Unterstützung bei der Zentralisierung des Qualitäts- und Testmanagements bieten ein gemeinsamer Testmanager-Pool und eine projektbegleitende Qualitätssicherung. Ein weiterer Schritt in die Zentralisierung stellt ein Test-Kompetenz-Center dar, in dem Qualitätssicherungs- und Test-Know-how gebündelt wird, beispielsweise für den Bereich Testautomatisierung. Noch einen Schritt weiter geht die Test-Factory mit der kompletten Übernahme aller funktionalen und nichtfunktionalen Tests, bei der sich die verfügbaren Ressourcen flexibel skalieren lassen. Externe Onsite-, Near- oder Offshore-Partner können so leicht mit ins Boot geholt und Prozesse komplett oder teilweise ausgelagert werden.

5.    Das richtige Softwaretool einsetzen

Unerlässlich für effiziente Softwaretests sind die passenden Werkzeuge. Ausschlaggebend für deren Auswahl sollte wieder die spezielle Projektsituation sein. Der Markt bietet hierfür unterschiedlichste Varianten – von kommerziellen Softwaretools verschiedenster Preisklassen bis hin zu Werkzeugen auf Open-Source-Basis, die sich individuell weiterentwickeln lassen. Die Herausforderung besteht nun darin, die entsprechend den eigenen Anforderungen idealen Tools zu finden und effizient einzusetzen, also passgenau in die betrieblichen Testszenarien zu integrieren. Ob teuer oder Open-Source-basiert – die Werkzeuge müssen vor allem das Testmanagement optimal unterstützen. Hierzu zählt die revisionssichere Verwaltung und Ablage von Testfällen inklusive Ergebnissen in einer Library. Zudem sollte das Defect-Management werkzeuggestützt aufgesetzt sein. So lassen sich identifizierte Softwarefehler sicher im Werkzeug dokumentieren und mithilfe von hinterlegten Workflows nahtlos weiterverfolgen.

6.    Feedback von außen nutzen

Um bei Softwaretests den Weg von der Pflicht zur Kür erfolgreich zu gehen, sind Unternehmen mit der Inanspruchnahme externer Unterstützung gut beraten. Zum einen ermöglicht der unabhängige Blick von außen ganz neue Perspektiven auf das betriebliche Testgeschehen. Dabei bringen neue Ideen und Anregungen frischen Wind in die oft eingefahrenen Testprozesse. Zum anderen profitieren Firmen enorm von der langjährigen Erfahrung ausgewiesener Testexperten. Eine gute Möglichkeit hierfür bieten Test-Assessments. Darin optimieren IT-Dienstleistungsunternehmen in konzeptioneller und strukturierter Art Prozesse rund um Teststrategie, Management und Organisation. Am Anfang steht hier immer die Ermittlung des Ist-Zustands, also die fundierte Analyse bestehender Abläufe und Organisationen. Auf dieser Basis identifizieren Spezialisten wichtige Handlungsfelder, zeigen Verbesserungspotentiale auf und unterstützen auf Wunsch auch bei der Umsetzung. So lassen sich durch optimierte Prozesse langfristig Kosten beim

*Die Autorin Michaela Sattinger ist Head of Quality Assurance and Test bei NTT Data Germany

Bildquelle: Gerd Altmann/Pixelio.de

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