Datenmanagement

„Typischerweise liegt die Verantwortung beim CIO“

Im Interview erläutert Stefan Hanke, CIO bei Experian DACH, mit welchen Tools sich große Datenmengen effektiv verwalten lassen.

Stefan Hanke, Experian

Mit dem Schwerpunkt „Application Management“ hat Stefan Hanke über viele Jahre hochverfügbare, global verteilte und transaktionsstarke IT-Infrastrukturen aufgebaut und betrieben.

ITD: Herr Hanke, welche Rolle sollten Daten anno 2023 für Unternehmen spielen?
Hanke: Daten sind aus unternehmerischen Entscheidungsprozessen nicht mehr wegzudenken und Unternehmen investieren erhebliche Budgets, um Daten zu generieren und aufzubereiten oder einzukaufen. Dies betrifft letztlich alle Bereiche unternehmerischen Handelns – von der Produktidee, über die Vermarktungsstrategie bis hin zur operativen Effizienzkontrolle. Das heißt, Daten zur Unterstützung von Planungsaktivitäten sind ebenso wichtig wie die datengestützte Erfolgskontrolle zur Steuerung des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses.

ITD: Woher kommen die Megadaten in der Regel?
Hanke: Von Megadaten – oder besser Big Data – spricht man, wenn es sich um sehr große Datenmengen handelt, die aufgrund ihres Volumens, ihrer Vielfalt und/oder ihrer Geschwindigkeit nur mit hoch spezialisierten Technologien verarbeitet werden können. Megadaten können aus eigenen Aktivitäten stammen oder zugekauft werden.

ITD: Inwieweit und wofür machen sich Großunternehmen Big Data schon effektiv zunutze?
Hanke: Big Data wird heute in den unterschiedlichsten Unternehmensbereichen eingesetzt, um Planungsrisiken zu reduzieren, Produktionsprozesse zu optimieren oder beispielsweise auch, um Produktinnovationen zu testen und zu optimieren. Wir nutzen Big Data und die darauf basierenden Analysen, um unsere Kunden mit hochpräzisen Entscheidungshilfen zur Steuerung ihrer Geschäftsprozesse zu unterstützen.

ITD: Mit welchen Herausforderungen ist die Verarbeitung von Big Data verbunden?
Hanke: Die Herausforderungen können sehr vielfältig sein und reichen von technologischen, über betriebswirtschaftliche bis hin zu regulatorischen Fragestellungen. Erhebliche Schwierigkeiten ergeben sich regelmäßig allein dadurch, dass vorhandene Daten häufig auf unterschiedlichsten Datenhaltungstechnologien (Datensilos) vorgehalten werden, die sich nicht ohne weiteres miteinander kombinieren oder vermischen lassen. Dies ist z.B. der Fall, wenn Daten im eigenen Geschäftsbetrieb generiert werden, wie etwa Transaktionsdaten, und das entsprechende Unternehmen bereits seit mehreren Jahren am Markt tätig ist. Ein weiterer Aspekt ist die Geschwindigkeit: Unsere Fähigkeit, unseren Kunden Datenanalysen in „Quasi-Echtzeit“ zur Verfügung zu stellen, ist entscheidend für den Geschäftserfolg unserer Kunden. Wer heute mit Daten arbeitet, muss der Datensicherheit eine hohe Priorität einräumen und zum Teil sehr hohe Investitionen tätigen, um diese Datensicherheit auch jederzeit gewährleisten zu können. Regulatorische Anforderungen können die Situation noch verschärfen und die Planungssicherheit reduzieren, so dass sich die notwendigen massiven Investitionen häufig nur von Global Playern im Big-Data-Business stemmen lassen.

ITD: Welche Rolle spielen dabei z.B. unstrukturierte Daten?
Hanke: Unstrukturierte Daten liegen im Gegensatz zu strukturierten Daten nicht in tabellarischer oder schematischer Form vor, d.h. sie folgen keinem festen Ordnungsprinzip. Daher ist ihre Nutzung zwar wesentlich flexibler möglich, aber es ist auch ein wesentlich höherer technischer Aufwand erforderlich, um aus ihnen relevante Informationen mit einem echten Mehrwert für das Unternehmen extrahieren zu können.

ITD: Mit welchen Technologien/Tools/Lösungen lassen sich große Datenmengen effizient verwalten/analysieren?
Hanke: Auch diese Frage umfasst verschiedene Dimensionen. Hier ist zunächst die Ebene der Datenhaltung zu nennen – Unternehmen müssen hierbei genau die Technologie auswählen, die ihren spezifischen Anforderungen und finanziellen Möglichkeiten am besten entspricht. Das können sowohl flach strukturierte, z.B. Cloud-basierte S3-Lösungen, sein oder gut skalierbare Open-Source-Frameworks wie Hadoop, hochfunktionale Data-Lake-/Data-Warehouse-Technologien wie z.B. Snowflake oder Databricks oder auch NoSQL-Data-Warehouses wie z.B. MongoDB, Cassandra oder auch HBase. Oberhalb der Datenhaltungsebene befinden sich spezielle Applikationen zur Datenverarbeitung und -aufbereitung wie z.B. Apache Spark – ein weiteres Open Source Framework, das sich auf Big-Data-Anwendungsfälle spezialisiert hat. Frontends wie Tableau oder auch Qlik helfen bei der Datenauswertung, der Erstellung von Reports oder Dashboards.

ITD: Welche Rolle spielt dabei Künstliche Intelligenz (KI)?
Hanke: KI-Frameworks spielen eine entscheidende Rolle bei der Analyse und Analysegeschwindigkeit großer Datenmengen. Dies betrifft etwa automatisierte Extract/Transform/Load-Workflows (ETL) bis hin zur Mustererkennung und Datenbereinigung. Die Datenformate können dabei variieren und reichen z.B. von textbasierten Dateien, über Bild- und Videoformate bis hin zu Natural Language Processing (NLP). Die von uns trainierten Anwendungen zur Unterstützung von Echtzeitentscheidungen helfen unseren Kunden täglich tausendfach dabei, bessere Geschäftsentscheidungen oder Prognosen zu treffen.

ITD: Wer ist im Unternehmen in der Regel für die Daten verantwortlich?
Hanke: Typischerweise liegt die Verantwortung für die Speicherung und Verwaltung von Daten im IT-Bereich bei einem CIO. Moderne, auf Big Data spezialisierte Unternehmen etablieren jedoch zunehmend spezialisierte Datenmanagement-Bereiche, die von der Datenstrategie bis hin zu regulatorischen Anforderungen alle Aspekte eines effizienten Datenmanagements in einem Bereich zentralisieren.

ITD: Datenkompetenz als Schlüsselfähigkeit: Inwieweit investieren Unternehmen in die eigenen Mitarbeiter, um sie im Umgang mit Daten zu schulen?
Hanke: An erster Stelle möchte ich hier die Datensicherheit nennen. Alle Mitarbeiter in datenverarbeitenden Unternehmen sollten kontinuierlich und intensiv in den Bereichen „IT-Sicherheit“ und „Betrugserkennung“ geschult werden. Hinzu kommen fundierte Kenntnisse der Datenschutzbestimmungen wie z.B. der GDPR oder der DSGVO. Darüber hinaus investieren Unternehmen in Spezialwissen zum Aufbau und Betrieb von Dateninfrastrukturen, wie bereits beschrieben, sowie in Data Analysts und Data Scientists zur Generierung geschäftsrelevanter Analysen. Online-Schulungsportale wie beispielsweise A Cloud Guru oder Pluralsight bieten Unternehmen und Mitarbeitern auch flexible und kostengünstige Weiterbildungsmöglichkeiten.

ITD: Inwieweit werden sich Big Data und ihr Stellenwert in den kommenden Jahren verändern?
Hanke: Die Bedeutung von Big Data und auf Big Data basierenden Unternehmenslösungen wird in Zukunft weiter rasant zunehmen. Ich erwarte, dass insbesondere Hyperscaler wie AWS, Azure oder auch GCP immer spezialisiertere Big-Data-Lösungen und Technologie-Frameworks zur Verfügung stellen werden, die es auch nicht auf Big Data fokussierten Unternehmen ermöglichen, vom Big-Data-Trend zu profitieren.

Bildquelle: Experian

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