Innovationskultur

Unsichtbare Barrieren verhindern Innovationen

Das herkömmliche Innovationsmanagement bremst Innovation durch zu viel Bürokratie. Zahlreiche versteckte Barrieren gefährden die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen.

"Bewährte Produktqualität ohne jede Innovation." Wer würde ein Produkt oder eine Dienstleistung bei einem Unternehmen mit diesem Slogan einkaufen? Wohl niemand. Und deshalb huldigt praktisch jedes Unternehmen dem Fetisch Innovation. Dabei geht es nicht nur um Sonntagsreden. Mit der Hilfe eines oft ziemlich aufwändigen Innovationsmanagements wird versucht, Innovation planmäßig zu erzeugen.

Das funktioniert allerdings in der Praxis nicht besonders gut. "Ausgerechnet beim Thema Innovation finden sich bei 80% aller Unternehmen äußerst uninnovative Ansätze“, sagt Jens-Uwe Meyer von der Unternehmensberatung Innolytics. „Aus wissenschaftlicher Sicht ist das klassische Innovationsmanagement veraltet.“

In einer Studie für die Steinbeis School of Management and Innovation (SMI) an der Steinbeis-Hochschule Berlin untersuchte Meyer mehr als zweihundert Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ein Ergebnis: In vier von fünf Unternehmen existieren unsichtbare Barrieren, die Innovationen systematisch verhindern.

"Ein bestehendes Produkt zu verbessern erfordert eine ganz andere Innovationskultur als ein radikal neues Produkt zu erfinden und in den Markt zu bringen“, sagt Studienleiter Jens-Uwe Meyer. "Wir konnten in unserer Studie verschiedene Typen von Innovatoren identifizieren."

  • Proaktive Innovatoren sind für Meyer Unternehmen, die Innovation durch einen enormen Einsatz in allen Bereichen vorantreiben. Sie besitzen ambitionierte strategische Ziele,  fördern die Eigeninitiative der Mitarbeiter, akzeptieren Fehler als Teil der Prozesse und investieren schnell und unbürokratisch in gute Ideen.
  • Strategische Innovatoren haben einen klaren Fokus auf die Organisationsebene, andere Ebenen spielen eine deutlich geringere Rolle. Die Unternehmenskultur ist darauf ausgerichtet, auf Anweisungen des Topmanagements zu reagieren. Unternehmerische Eigeninitiative wird dagegen eher klein geschrieben.
  • Innovative Optimierer besitzen zwar eine ausgeprägte Innovationskultur, sie sind aber nicht so stark auf langfristige Ziele ausgerichtet. Im Vordergrund stehen kurzfristige Ziele wie Produktverbesserungen oder erweiterte Käufergruppen.
  • Operative Innovatoren sind eher darauf ausgerichtet, das Tagesgeschäft zu fördern. Innovation steht nicht im Mittelpunkt der Strategie und entsteht eher zufällig. Es gibt aber immerhin zahlreiche Mitarbeiter, die Ideen in ihrem Arbeitsgebiet entwickeln.

„Proaktive Innovatoren wie Google ticken ganz anders als innovative Optimierer“, so Jens-Uwe Meyer. "Wenn Mitarbeiter Fehler machen, versuchen sie daraus zu lernen, nicht die Verantwortlichen zu suchen und zu bestrafen." Eine solche Innovationskultur entsteht allerdings nicht aus sich selbst heraus.

„Die Managementausbildung muss sich verändern“, fordert Carsten Rasner, Leiter der Steinbeis SMI, die die Studie mit herausgibt. „Wir brauchen eine Managergeneration, die nicht nur starre Prozesse befolgen kann, sondern in der Lage ist, lebendige agile und zukunftsorientierte Unternehmen aufzubauen.“

Bildquelle: Silke Kaiser  / pixelio.de

Auszüge der aus der Innolytics-Studie

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