Unternehmen vor Veränderungen
Laut einer IDC-Studie für die Unisys Corporation werden weltweit etwa die Hälfte der Consumer-Geräte sowohl für geschäftliche als auch private Zwecke genutzt. Die Consumerization ist also längst in den Firmen angekommen, auch wenn dies viele CIOs nicht wahrhaben wollen: Laut der IDC-Studie nutzen 31 Prozent der befragten deutschen Angestellten Smartphones für die Arbeit. Doch nur 14 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass ihre Mitarbeiter private Endgeräte einsetzen.
Diese Lücke in der Wahrnehmung ist erstaunlich, wird doch die Consumerization genannte Eroberung der Business-IT durch Konsumentengeräte - vor allem Smartphones und Tablets - schon seit ein paar Jahren intensiv diskutiert. Doch die IT-Verantwortlichen werden recht bald nicht mehr wegschauen können.
Consumerization übt einen sehr starken Veränderungsdruck aus. Die IT-Abteilungen in den Unternehmen müssen eine deutlich flexiblere mobile Strategien als bisher nutzen. "Die Anforderungen der Anwender verändern sich", meint Carolina Milanesi, Research Vicepresident bei Gartner. "Die CIOS sehen sich dem massenhaften Einsatz von Mobilgeräten gegenüber und dies wird noch zunehmen."
Laut Gartner haben die Hersteller 2011 insgesamt 461,5 Millionen Geräte an Endanwender verkauft. Diese Zahl soll 2012 auf 645 Millionen ansteigen. Damit hat 2011 die Anzahl der verkauften Smartphones erstmals die Anzahl der verkauften PCs (364 Millionen) übertroffen. Viele dieser mobile Geräte werden ihren Weg in die Unternehmen finden, da die Mitarbeiter einfach voraussetzen, sie auch in der Firma nutzen zu können.
Dieser Consumerization-Trend, Appstores und die mobilen Ökosysteme bedeuten neue Anwendungen und Services für die Unternehmen. Die Mitarbeiter wollen sämtliche Vorteile der innovativen Anwendungen aus den Appstores nutzen. Dies führt zu einschneidenden Veränderungen in den Unternehmen: die Mitarbeiter verhalten sich mehr wie Konsumenten, die eine größere Auswahl an Geräten und Anwendungen haben möchten.
Für die Unternehmen bedeutet dies, neue Strategien wie zum Beispiel "Bring Your Own Device (BYOD)" zu nutzen. Dabei nutzen die Mitarbeiter ihre privat gekauften Smartphones und Tablets bei der Arbeit. Im Ergebnis Verwischen die Rollen einer Person als Mitarbeiter und als Konsument sehr stark.
"Der CIO muss neue Wege beschreiten, um Mobilgeräte zu finanizieren, auszurollen und zu verwalten. Dadurch erhalten die Mitarbeiter mehr Wahlfreiheit", meint Gartner-Analyst Nick Jones. Er erwartet, dass sich in den Unternehmen in der nächsten Zeit mehrere unterschiedliche Stile des "Mobile Management" verbreiten werden.
Kontrolle. Hier stehen Servicequalität, Sicherheit, Support und Kosten im Vordergrund. Damit die Erfüllung dieser Kriterien sichergestellt werden kann, rollt das Unternehmen die Geräte aus und verwaltet sie streng. Alle Parameter des Geräts und seine Anwendungen werden von der Unternehmens-IT kontrolliert und geprüft.
Wahlfreiheit. Hier ist das Hauptziel die Zufriedenheit der Anwender. Dies ist üblicherweise der Fall, wenn die Anwender nur geringe Anforderungen an Apps und Services haben, aber eine größere Auswahl an Gerätetypen wünschen. Normalerweise ist es extrem teuer, komplexe Aufgaben mit einem breiten Spektrum an Plattformen zu erfüllen, so dass es bei den Anforderungen starke Einschränkungen geben wird. Die Nutzerzufriedenheit darf nicht zu hohen Risiken führen, so dass die Unternehmen eine Art lockere Kontrolle an der langen Leine ausüben. Dies wird in erster Linie über eine Beschränkung der angebotenen Services wählen, wobei sich die Kontrolle eher auf die Cloud richtet als auf das Gerät.
Innovation. In diesem Fall ist das Ziel eine grundlegende Autonomie der Anwender, die oft in Funktionen arbeiten, bei denen die IT nur wenig oder gar keinen Einfluss hat. Diese Anwender möchten mit Anwendungen und Diensten experimentieren und neue Technologien und Prozesse entwickeln. Die IT-Abteilung wird die Verantwortlichkeit für kritische Fragen wie Datenschutz oder Unternehmenssicherheit nicht aus der Hand geben, aber die Kontrolle geschieht eher über Regeln als über Technik. Typische Anwender sind unabhängige, technisch kundige Mitarbeiter, die meist keinen Support wünschen.
Gewähren lassen. Hier ist das Ziel des CIO eine möglichst geringe Verantwortlichkeit für mobile Geräte. Meist wird dies erreicht, indem die IT keine solchen Geräte anbietet. Bei diesem Managementstil geht es darum, die Verantwortlichkeit der IT ist gar nicht notwendig erscheinen zu lassen. Dazu gehören Konzepte wie "Bring Your Own Device". In diesem Fall hat die IT keine Verantwortung für diese Geräte und kann die Verantwortung für verschiedene Services an die Endanwender abtreten. Ein Beispiel dafür wäre der Einsatz der privaten E-Mail-Adresse. Alle notwendigen Kontrollen geschehen über die Clowd, in entsprechenden Anwendungen oder durch Regeln.
"Die Unternehmen müssen sich so rasch wie möglich auf BYOD-Programme einstellen", sagt Nick Jones. "Die meisten Organisationen werden dieses Prinzip übernehmen und müssen sich entsprechend darauf vorbereiten." - "Die Realität ist: Consumerization wird bleiben und sich noch vertiefen", betont Carolina Milanesi. "Diese Entwicklung wird in den nächsten Jahren enorme Folgen für das Management der Mobilwelt im Unternehmen haben."
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