DDoS-Attacken und Industrie 4.0

Unternehmen werden zur Zielscheibe

Industrieunternehmen, die auf eine intelligente Vernetzung von Maschinen und Prozessen mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologie setzen, gelten als beliebtes Ziel für Cyberkriminelle.

Zielscheibe

Der DDoS-Report zeigt, dass in den vergangenen sechs Monaten deutlich mehr gezielte Angriffe erfolgt sind.

Für Unternehmen, die zu diesem Bereich gehören, ist es daher existenziell, der Sicherheit ihrer eigenen IT-Infrastrukturen größtmögliche Aufmerksamkeit zu schenken. Es gibt Statistiken wie den DDoS-Report des Link11 Security Operations Center (LSOC), die sehr eindrücklich zeigen, welche Folgen professionelle Cyberattacken für die Wirtschaft und damit auch für Industrieunternehmen jedes Jahr haben. Laut dem neuesten Report für das erste Halbjahr 2022 hat sich die Zahl der DDoS-Attacken temporär um 80 Prozent – gemessen am Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres – reduziert. Ursächlich für diesen Rückgang könnten u.a. die rückläufigen DDoS-Erpressungsversuche und vor allem das Ausschalten wichtiger Darknet-Marktplätze wie Hydra sein.

Fatale Sicherheitslücken

Allerdings wurden die ausgeführten Angriffe sehr viel professioneller durchgeführt und erreichten ihr Ziel dreimal so schnell. Denn dauerte es im Jahr 2021 vom Start des Angriffs bis zum Maximalschaden 184 Sekunden, waren es im ersten Halbjahr 2022 nur noch 55 Sekunden. Das Problem für die attackierten Unternehmen besteht darin, dass ihre eigenen Abwehrsysteme nicht immer dasselbe Tempo haben, wodurch sich eine fatale Sicherheitslücke auftun kann.

Auch hinsichtlich der Bandbreite solcher Angriffe gab es laut DDoS-Report einen Anstieg, nämlich von 266 Gbps 2021 auf 325 Gbps in den ersten sechs Monaten 2022. Zudem stieg in dieser Zeit auch die sogenannte durchschnittliche Paketrate pro Sekunde von 277.000 auf 1,5 Millionen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 10/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Nicht nur die Zahl der DDoS-Attacken ist gesunken, sondern auch die Zahl sogenannter Multi-Vektor-Attacken. Bei Multivektor-Angriffen nehmen die Angreifer mehrere Schwachstellen gleichzeitig ins Visier, vor allem in den Bereichen Transport, Applikation und Protokoll. Ein solcher Angriff lässt sich umso schwieriger abwehren, je mehr Schwachstellen und Protokolle bei einem Angriff missbraucht werden.

Gezielt und konzentriert

Laut DDoS-Report wurden in den vergangenen sechs Monaten sehr viel mehr gezielte, konzentrierte und ressourcenschonende Attacken ausgeführt. Ein Drittel der Angriffe im ersten Halbjahr (etwa 35 Prozent) waren Multi-Vektor-Attacken. Von Januar bis Juni 2021 waren noch zwei Drittel Multi-Vektor-Attacken.

Eine zu den Multi-Vektor-Attacken gehörende Angriffsmethode, die vom LSOC in den ersten sechs Monaten des Jahres 2022 ebenfalls registriert wurde, war der Reflection-Amplification-Angriff. Die Tatsache, dass über ein Dutzend Verstärkertechniken registriert wurden zeigt, wie beliebt diese Methode ist und wie schnell sie sich weiterentwickelt. Als Angriffstechniken wurden etwa DNS oder NTP Reflection Amplification verwendet. Solche Attacken sind gekennzeichnet durch hohe Verstärkungsfaktoren, die bei DNS-Attacken bei 100-facher Verstärkung und bei NTP-Angriffen bei bis zu 200-facher Verstärkung liegen. Auch Vektoren wie z. B. SSDP oder SNMP wurden ebenfalls für Attacken verwendet.

Folgen für die Cybersicherheit

Im Zuge der Corona-Pandemie hat sich das gesellschaftliche und auch wirtschaftliche Leben radikal verändert. Vor allem bewirkten die Infektionsschutzmaßnahmen und die notwendigen Beschränkungen eine vielerorts schneller voranschreitende Digitalisierung. Das SZ-Digitalbarometer gibt an, dass mehr als 90 Prozent aller in Deutschland Lebenden ab 14 Jahren regelmäßig online gehen und nicht weniger als 94 Prozent der Berufstätigen in der Bundesrepublik für ihre Arbeit das Internet nutzen.

Die Möglichkeit des Homeoffice, die Verlagerung von Daten in die Cloud, eine Optimierung der IT-Services in Unternehmen sowie die Verbesserung der Web-Services trieben die Digitale Transformation in zahlreichen Lebensbereichen voran. Allerdings gibt es auch Faktoren, die die Digitalisierung in anderen Bereichen, zu denen auch die Wirtschaft gehört, ausbremsen. Diese Faktoren sind laut einer Bitkom-Studie aus dem Juni beispielsweise der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, ins Stocken geratene Lieferketten, stark ansteigende Kosten für Energie sowie die sprunghaft gestiegene Inflation.

Sorge um die Finanzen

Was in dieser Situation erhalten bleibt, ist die Gefahr von Cyberattacken und die daraus resultierenden, häufig sehr kostenintensiven Folgen. Auffällig ist, dass verstärkt staatliche Institutionen, kritische Dienste sowie sensible Infrastrukturen Ziel solcher Angriffe sind. Gerade webbasierte Services sind ein attraktives Ziel für Cyberkriminelle. Denn dort haben sie die Möglichkeit, komplette Portale für einen signifikanten Zeitraum unerreichbar zu machen.

Diese langanhaltenden Downtimes rufen in Kunden wiederum die Befürchtung hervor, ihr Geld sei nicht mehr sicher oder sogar verloren. Durch DDoS-Angriffe entstehen also nicht nur finanzielle Schäden, sondern es leidet auch die Reputation von Unternehmen, die nicht in der Lage sind, solche Attacken effizient abzuwehren.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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