Moderne Rechenzentren

Vertrauen auf höchste Standards

Im Gespräch erklärt Florian Sippel, Vorstand und Chief Operations Officer (COO) der noris network AG, warum besonders Vertrauen, Sicherheit und Hochverfügbarkeit beim Betrieb von modernen Rechenzentren wichtig sind.

  • Florian Sippel, noris network

    „Vor mehr als zehn Jahren haben wir intensiv darüber diskutiert, dass wir Ökostrom verwenden wollen – inzwischen ist das Branchenstandard“, so Florian Sippel.

  • Florian Sippel, noris network

    Florian Sippel: „Für noris network wie auch für mich persönlich stehen Energie- und Ressourceneffizienz – bei allem, was wir tun – immer im Vordergrund.“

  • Florian Sippel, noris network

    „Grundsätzlich muss man sagen, dass der gesamte IT-Markt eine enorme Wachstumsbranche geworden ist“, meint Florian Sippel.

  • Florian Sippel, noris network

    Florian Sippel sagt: „Die Sicherheit der Daten und die Datenintegrität sind das wichtigste Gut unserer Kunden.“

  • Florian Sippel, noris network

    „Wir betreuen einen sehr großen Kunden, der diese höchste Anforderung an ein Rechenzentrum hat“, verrät Florian Sippel.

ITD: Herr Sippel, auf welche Geschäftsfelder konzentriert sich Ihr Unternehmen?
Florian Sippel: noris network war der erste Internet-Service-Provider Nordbayerns. Wir haben ab 1993 als Xlink Point of Presence große Firmen wie Siemens, Adidas, Uvex, AEG, GfK, Suse und Datev in das Internet gebracht. Heute erbringen wir vorwiegend IT-Servicedienstleistungen, also Managed Services und Cloud. Der zweite Geschäftsbereich umfasst den Datacenter-Betrieb. Dort bieten wir Colocation- und IMAC-Services an, betreiben für unsere Kunden Rechenzentren (RZ) und planen und bauen diese auch schlüsselfertig.

ITD: Sie sind seit 2002 fester Bestandteil des Unternehmens und aktuell im Vorstand sowie als Chief Operations Officer tätig. Was sind hier Ihre konkreten Aufgaben?
Sippel: Das gesamte operative Geschäft liegt in meiner Verantwortung – von der Bestellabwicklung, über die Implementierung bis hin zum Betrieb. Das umfasst sowohl unsere Rechenzentren und Colocations als auch unsere IT-Dienstleistungen.

ITD: Sie haben zuletzt mehrere Übernahmen getätigt. Welche waren das konkret und was sprach für diese Übernahmen?
Sippel: Grundsätzlich muss man sagen, dass der gesamte IT-Markt eine enorme Wachstumsbranche geworden ist. Die Branchenriesen Microsoft, Apple und Google haben zweistellige Wachstumszahlen und auch wir verzeichnen jedes Jahr ein Wachstum von rund 15 bis 20 Prozent. Dies ist in der Branche wichtig, um Skaleneffekte zu erzielen. Wer langsamer wächst als der Markt, ist irgendwann nicht mehr da. Man muss sich also immer wieder neu erfinden, denn das Geschäft ist relativ disruptiv. Um auf den starken Wachstumstrend positiv zu reagieren, hilft es, sich teilweise auch mit Zukäufen neu aufzustellen und zu verstärken. Im Jahr 2019 haben wir Netplace – ein Münchner Unternehmen, das sich auf E-Commerce und internationales Webhosting für deutsche Großkonzerne spezialisiert hat – gekauft. 2021 haben wir dann Wavecon übernommen, einen Cloud-Anbieter auf Basis von freier Open-Source-Software. Und erst vor Kurzem haben wir das Düsseldorfer Unternehmen Cloud Mates akquiriert, das IT-Services auf der AWS-Cloud erbringt. Solche Übernahmen ergänzen unser Portfolio sehr gut, da wir als ganzheitliches IT-Service-Unternehmen auftreten und unsere Kunden auch bei der Transition in die Public Cloud zu einem Hyperscaler unterstützen wollen. So können wir unsere Kunden ganzheitlich betreuen und mit ihnen gemeinsam eine Strategie entwickeln, welche Workloads in unseren firmeneignen Rechenzentren oder welche in der Public Cloud laufen können.

ITD: Sie betreiben das erste Colocation-Rechenzentrum in Nürnberg Süd, das durch den TÜViT nach TSI Level 4 und DIN EN 50600 zertifiziert ist. Was zeichnet dieses Datacenter in besonderem Maße aus?
Sippel: Gerade Banken und Versicherungen, also der regulierte Sektor, und öffentliche Auftraggeber aus dem Bereich der Kritischen Infrastruktur (KRITIS) wie z.B. Kommunalverwaltungen, Energieversorger und Flughäfen, haben sehr hohe Anforderungen hinsichtlich der Sicherheit und Verfügbarkeit ihrer Daten, genauso wie Kunden aus der Industrie sowie dem E-Commerce. Ihr Kerngeschäft – das meist in Echtzeit stattfindet – fußt auf der Infrastruktur, die wir für unsere Kunden betreiben. Sicherheit und Verfügbarkeit stehen für diese Kunden besonders im Vordergrund. Hier ist unser Alleinstellungsmerkmal die Vielzahl an Zertifikaten, die wir vorweisen können und die uns bestätigen, dass wir den hohen Anforderungen an das Sicherheitsmanagement gerecht werden. Seien es das ISO27001-Zertifikat auf Basis des IT-Grundschutz, TÜViT TSI Level 4, die DIN EN 50600 VK4 und SK4, welches die höchste Sicherheit und Verfügbarkeit im Rechenzentrum zertifiziert, oder die Richtlinie VdS 3406 „Sicherheitsmanagement für bauliche Objekte“. Diese Zertifizierungen sind der Grund dafür, warum unsere Kunden ein hohes Vertrauen in uns und unsere Services setzen.

ITD: Welche besonderen Anforderungen stellen Ihre Kunden an Ihre Services?
Sippel: Wir betreuen einen sehr großen Kunden, der diese höchste Anforderung an ein Rechenzentrum hat. Somit war es für uns erforderlich, ein solches Hochsicherheitsrechenzentrum zu bauen. Dieses betreiben wir nun erfolgreich seit rund 1,5 Jahren. Dadurch haben Kunden, die wir dort betreuen, sowohl bei Colocation als auch bei IT-Services die Gewissheit, dass wir höchste Standards erfüllen.

ITD: Welche Herausforderungen und erhöhten Aufwände sind mit einem Rechenzentrum verbunden, das ein solches Höchstmaß an Sicherheitsstandards bietet?
Sippel: Gerade bei einem nach TÜV-iT-TSI-Level-4-zertifizierten Rechenzentrum beginnt es bereits mit dem architektonischen Entwurf. So sind Personenströme sicher voneinander zu trennen. Das bedeutet, dass Personen, die für die Wartung der Stromversorgung und Klimatechnik zuständig sind, keinen Zugang zu den sensiblen Serverräumen haben und IT-Fachleute wiederum keinen Zugriff auf die Versorgungssysteme erhalten. In den Betriebsprozessen (u.a. Anmeldeprozedere, Bewachung, die Qualität der Außenhautüberwachung mit Vorfeldsicherung, Laserscannern, usw.) schlägt ebenfalls ein erhöhter Aufwand zu Buche. Diese ganzen Prozesse rund um das Rechenzentrum sind aber auch wichtig, denn selbst das beste Auto geht mit schlechter Wartung irgendwann kaputt. Um im Betrieb eine gleichbleibende Qualität der Versorgungssicherheit sowie der Prozessgüte sicherzustellen, werden übrigens regelmäßig Überprüfungen sowie Re-Zertifizierung-Audits durch den TÜViT durchgeführt. So haben unsere Kunden die Garantie, dass sie nicht nur initial ein gutes Rechenzentrum zur Hand haben, sondern dass es auch einwandfrei betrieben wird. noris network gönnt sich als einer der ganz wenigen Anbieter den Luxus, eine eigene Innenrevision als IT-Dienstleister und RZ-Betreiber zu unterhalten. Das sind Kollegen, die direkt an den Vorstand berichten und mit den Innenrevisionen z.B. der Banken und Versicherungen zusammenarbeiten können – so wie das bei Kreditinstituten auch üblich ist. Durch diese Art der Dienstleistung nehmen wir unseren Kunden einen Großteil an bürokratischer Arbeit ab.

ITD: Warum haben Sie sich für Nürnberg als RZ-Standort entschieden?
Sippel: Weil zum einen unsere Zentrale ihren Sitz in Nürnberg hat und zum anderen der erste große Kunde dieses Rechenzentrums in Nürnberg ein Rechenzentrum gesucht hat. Insofern lag es auf der Hand, ein solches Hochsicherheitsrechenzentrum vor der eigenen Haustüre zu errichten. Hinzu kommt, dass der Standort geografisch im Herzen Europas sehr gut gelegen ist. Deshalb haben wir auch unsere ersten großen Megawatt-Zentren hier in Nürnberg gebaut.

ITD: Welchen Stellenwert hat das Thema „IT-Sicherheit“ für Banken und Finanzdienstleister sowie Unternehmen, die zur Kritischen Infrastruktur zählen?
Sippel: Für diese Kunden haben die IT-Sicherheit und die Verfügbarkeit aller Systeme höchste Priorität. Die Sicherheit der Daten und die Datenintegrität sind das wichtigste Gut unserer Kunden. Deshalb betreibt noris network auch einen sehr hohen Aufwand, wie z.B. ein Security Operation Center, das 24/7 die Überwachung der IT-Systeme gewährleistet, sowie mehrfach im Jahr interne Audits, in deren Rahmen unsere operativen Bereiche intern auditiert werden. Auch die Verfügbarkeit ist für diese Kunden entscheidend, da die Geschäfte unserer Kunden in der Regel von der Infrastruktur, die wir als Dienstleister anbieten, abhängen.

ITD: Für Organisationen aus dem Finanzwesen hat sich ein Security Information and Event Management (SIEM) bewährt, daher bietet Ihr Unternehmen SIEM auch als Managed Service an. Welche Vorteile bietet „SIEM as a Service“ Ihren Kunden?
Sippel: Ein SIEM ist ein zentraler Ort, in dem alle Meldungen in Echtzeit aus praktisch allen IT-Systemen korreliert werden. Es sammelt alle Events und hilft, in Echtzeit einen Überblick über die gesamte IT-Umgebung zu erhalten, Anomalien zu erkennen und Sicherheitslücken zu identifizieren. Gerade bei großen IT-Umgebungen hat man eine unglaubliche Flut an Daten, die korreliert werden muss. Das wird durch ein SIEM-System ermöglicht, und wenn ein Kunde dies „as a Service“ bucht, wird er bei besonderen Vorfällen alarmiert und kann entsprechend schnell reagieren. Dabei fungiert ein Security Operation Center (SOC) als die Einrichtung, die den sicheren Betrieb von IT-Umgebungen gewährleistet. Unser SOC arbeitet sehr viel mit SIEM-Systemen, um Daten zu korrelieren, und reichert diese mit aktuellen Security Advisories an, etwa über Sicherheitslücken wie 2021 die Log4j-Sicherheitslücke in der Java-Bibliothek. Solche Informationen werden im SOC gesammelt, konsolidiert und dann an unseren operativen Betrieb und unsere Kunden aufbereitet weitergegeben.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 6/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITD: Inwiefern hat Russlands Krieg in der Ukraine die Cyberbedrohungslage für RZ-Betreiber in Deutschland verschärft?
Sippel: Wir haben bei uns ein Lagezentrum eingerichtet, in dem wir das tägliche Geschehen beobachten. Durch die aktuelle Lage ist das Thema „IT-Sicherheit“ wieder stärker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt, die Cyberbedrohungslage ist aber nicht unbedingt dramatischer geworden. Dennoch verlangt die Situation erhöhte Wachsamkeit. Gerade im Hinblick auf die Energie- und Rohstoffversorgung erleben wir aktuell, wie verwundbar unsere globalisierte Welt ist. Insofern darf auch die Sicherheit der IT-Systeme nicht aus dem Blick geraten.

ITD: Die in Rechenzentren installierte Rechenkapazität hat sich laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom pro verbrauchter Kilowattstunde Strom seit 2010 fast verfünffacht. Welche Rolle spielt das Thema „Nachhaltigkeit“ für den Bau und Betrieb von Rechenzentren?
Sippel: Für uns bei noris network wie auch für mich persönlich stehen Energie- und Ressourceneffizienz – bei allem, was wir tun – immer im Vordergrund. Es gibt nur diesen einen Planeten, für dessen Erhalt wir uns mit aller Kraft einsetzen müssen. Der Bereich „Rechenzentren“ ist eine der wenigen Industrien, in denen Ressourceneffizienz und Umweltschutz mit kommerziellem Erfolg einhergehen. Unser erstes Megawatt-Rechenzentrum in Nürnberg ist seit über zwölf Jahren in Betrieb. Durch die Kühlung mit sechs Meter großen Kyotocooling-Rotationswärmetauschern, dem Verzicht auf einen Doppelboden und die Installation einer drei Meter hohen doppelten Decke klimatisieren wir es extrem energieeffizient. Wie sich gezeigt hat, hat noris damit auf das richtige Pferd gesetzt, da wir die Folgen des Klimawandels schon heute immer stärker zu spüren bekommen. Vor mehr als zehn Jahren haben wir intensiv darüber diskutiert, dass wir Ökostrom verwenden wollen – inzwischen ist das Branchenstandard. Um als Unternehmen so effizient und ressourcensparend wie möglich zu sein, tun wir, was wir können. Die Herausforderung, dabei Sicherheit, Verfügbarkeit und Energieeffizienz in Einklang zu bringen, bleibt jedoch bestehen. In einem Rechenzentrum lässt sich nicht einfach das Fenster öffnen, sondern es braucht eine gute Klimaanlage, die die klimatischen Rahmenbedingungen für die IT zur Verfügung stellt. Es gilt also, eine ausgewogene Balance zu finden.

ITD: Mit zunehmender Digitalisierung werden RZ-Ressourcen voraussichtlich auch in Deutschland weiterhin stark nachgefragt sein. Wie stellen Sie sich auf diesen Wachstumstrend ein?
Sippel: Letztlich genauso, wie wir das in den letzten 20 Jahren auch schon gehandhabt haben: Wir hinterfragen unser aktuelles Geschäft, sind disruptiv, bieten unseren Kunden die neuesten Services an und beobachten alle Entwicklungen am Markt genau, um die bestmögliche Dienstleistung erbringen zu können. So werden Sicherheit und Verfügbarkeit der IT-Infrastruktur ebenso wie umfassende IT-Services weiter an Bedeutung gewinnen und wir, als Full-Service-Anbieter, können alle Bereiche weitestgehend abdecken und unseren Kunden einen ganzheitlichen Service bieten. Wir bei noris network blicken daher positiv in die Zukunft.

Florian Sippel

Alter: 39 Jahre
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
Derzeitige Position: Vorstand und Chief Operations Officer der noris network AG
Interessen: Nachhaltigkeit, Architektur, Heimautomatisierung, Wassersport und Skifahren

Bildquelle: Claus Uhlendorf

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