Vietnam soll ein Halbleiter-Hub werden
Vietnam hat sich in den letzten Jahren zu einem aufstrebenden Standort für die Halbleiterindustrie entwickelt. Die Regierung des Landes hat ehrgeizige Ziele gesetzt, um diesen Status bis 2030 noch auszubauen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war die Verabschiedung des Capital Law im Juni 2024, das Investitionen in die Halbleiterindustrie in der Hauptstadt Hanoi besonders fördert.
Hanoi konnte in der ersten Hälfte des Jahres 2024 fast 1,17 Milliarden US-Dollar an ausländischen Investitionen anziehen und ist Standort großer Firmen wie Qorvo (USA, Hochfrequenzsysteme für Breitbandkommunikation), CoAsia (Taiwan, Mobilfunkkomponenten) und Toshiba (Japan, Leistungshalbleiter). Dennoch ist der Standort klein im Vergleich zu Ho-Chi-Minh-Stadt, wo internationale Hersteller wie Intel (USA), Renesas (Japan) und Marvell (USA) ihren Sitz haben.
Trotz der Bemühungen Hanois, ein regionales Zentrum für Halbleiter-Design und -herstellung zu werden, konzentriert sich die Region derzeit hauptsächlich auf Backend-Prozesse. Das Vietnam Institute for Industry and Trade Strategy and Policy (VIOIT) wies darauf hin, dass Vietnam derzeit in erster Linie einfachere Aufgaben wie die Verpackung beschränkt ist.
Mangel an Halbleiterexperten ist Haupthindernis
Ein zentrales Hindernis für Vietnams Ambitionen ist der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Das Ministerium für Information und Kommunikation (MIC) räumt ein, dass Vietnam mit seinen Talenten lediglich 20 Prozent der Nachfrage decken kann. Hoang Viet Anh, stellvertretender Generaldirektor von FPT, dem führenden Halbleiterunternehmen Vietnams, stellte fest, dass das Land rund 5.000 Ingenieure hat, die in etwa 40 Unternehmen arbeiten. Doch das Ziel der Regierung lautet 50.000 Halbleiteringenieure bis 2030.
Trotz des Fachkräftemangels zeigen viele ausländische Unternehmen großes Interesse an den Bemühungen Vietnams zur Entwicklung von Talenten. Ein Grund dafür ist der anhaltende Konflikt zwischen den USA und China, der zu einer Verlagerung der Lieferketten nach Südostasien und einer steigenden Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften führt. Südkorea, Taiwan und die USA sehen sich im eigenen Land ebenfalls mit einem Fachkräftemangel konfrontiert und betrachten Vietnam als Lösung.
Von den 240 Universitäten Vietnams bieten fast 160 eine technologiebezogene Ausbildung an, wobei die Programme auch Halbleiterthemen abdecken. Darüber hinaus haben 35 Universitäten eigene Halbleiterabteilungen eingerichtet. Insgesamt hat Vietnam viel Potenzial. Mit anhaltenden Investitionen und Initiativen zur Entwicklung von Talenten könnte Vietnam in den kommenden Jahren zu einem wichtigen Akteur in der globalen Halbleiterindustrie werden.
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