Viele neue Wörter

Vokabular einer Krise

Die vergangenen zwei Jahre haben den Sprachschatz der Deutschen um etliche Vokabeln erweitert, auf die wohl so mancher gern verzichtet hätte.

Buch und fliegende Buchstaben

Booster-Impfung, AHA- und 3G-Regel, Herdenimmunität oder Teil-Lockdown – die aktuelle Krise hat viele neue Wörter hevorgerufen:

Inzidenzwert, Vakzin, Herdenimmunität, Shutdown, Teil-Lockdown, 3G, 2G oder gar 2G+? Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hat das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache inzwischen rund 1.000 neue Wörter und Wortverbindungen dokumentiert. Dazu zählen auch Vokabeln, die bisher nur aus der Fachsprache bekannt waren.

Aber auch bereits bekannte Begriffe wie „Homeschooling“, „Remote Work“ oder „Telemedizin“ erfuhren durch die weitreichenden Kontaktbeschränkungen ganz neue Beachtung – kaum einer, der sich in den letzten  Monaten nicht mit diesen Dingen befassen musste. An vielen Stellen wirkt die Pandemie folglich wie ein Booster für die Digitalisierung: Digitale Services, Tools und Geschäftsmodelle sprießen aus dem Boden und viele bisher eher behäbige Prozesse wurden in Windeseile digital nachgerüstet. Doch die Pandemie hat auch den Finger in eine altbekannte Wunde gelegt: in Sachen „Digitalisierung“ hat Deutschland großen Nachholbedarf auf nahezu allen Ebenen.

Neben infrastrukturellen Problemen, die z.B. eine flächendeckende Breitbandversorgung betreffen, trat auch eine oft mangelhafte IT-Ausstattung in Schulen, Haushalten und Unternehmen zutage. Tragfähige Konzepte und digitale Lösungen für das ganzheitliche Homeoffice gibt es inzwischen zwar zu vermelden, doch viele Unternehmen setzen nach wie vor eher auf kurzfristige Lösungen, Tools und Workarounds, um die Lage zu überbrücken. Nicht zu vergessen sind daneben IT-Security- und Datenschutzrisiken, denen gerade im Homeoffice besondere Beachtung zukommen sollte, die aber leider gerade hier mitunter stiefmütterlich behandelt werden.

Zwar wiederholen Experten immer wieder das Credo vom „New Normal“, in dem hybrides, remotes und mobiles Arbeiten zum Alltag gehören und zeitintensive Face-to-Face-Meetings oder nerviges Pendeln passé sind. Eine Normalität, in der Unternehmen ihre Effizienz steigern und den CO2-Fußabdruck reduzieren, während die Mitarbeiter durch AR-Videokonferenzen ihre Work-Life-Balance verbessern. Doch um diese Vision einer neuen Arbeitswelt auch zur Realität werden zu lassen, genügen Lippenbekenntnisse nicht; es braucht ein echtes Bekenntnis zur Digitalen Transformation – von der Infrastruktur über das gesetzliche Regelwerk bis hin zum umfassenden Change Management.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Und so bleibt die Frage, ob die aktuelle Situation tatsächlich einen nachhaltigen Effekt auf Digitalisierungsprojekte und die Veränderung von starren Arbeitsplatzmodellen haben wird, oder ob diese Ideen nach der Pandemie in Vergessenheit geraten – wie viele der neuen „Corona-Vokabeln“ vermutlich auch.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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