„In den letzten Jahren haben sich die Anforderungen an die Art und Weise, wie Mitarbeiter ihre tägliche Arbeit erledigen, sehr gewandelt“, beschreibt Oliver Gronau.
Redaktion: Herr Gronau, Sie sind seit einem halben Jahr Direktor der Office Division bei Microsoft Deutschland. Wo setzen Sie ihre Prioritäten?
O. Gronau: Die Business Microsoft Office Division beschäftigt sich mit vielen Themen – neben dem sehr erfolgreichen Office 2010 als Client gehören die Serverlösungen Exchange, SharePoint und Lync ebenso zu meinem Bereich wie auch das Thema Office 365. Alle diese Themen sind spannend und zielen darauf ab, den Mitarbeitern eine Arbeitsumgebung zur Verfügung zu stellen, in der sie produktiver arbeiten können – unabhängig vom Endgerät und vom Ort.
Redaktion: Mit dem Launch von Office 365 im Juni dieses Jahres steht den deutschen Kunden ein neuer Cloud-Service zur Verfügung?
O. Gronau: Office 365 stellt eines der Kernprodukte in unserer Cloud-Strategie dar und gibt den Kunden die Wahlfreiheit, ob sie unsere Produkte wie Exchange, SharePoint oder Lync im eigenen Rechenzentrum, beim Partner gehostet oder aber in den von uns zur Verfügung gestellten Rechenzentren nutzen möchten.
Redaktion: Auch Lync Server 2010 ist neu und bringt eine Reihe neuer Funktionalitäten?
O. Gronau: Lync 2010 wurde als Nachfolger des Office Communications Server im November 2010 auf den Markt gebracht. Der Funktionsumfang dieses innovativen und intuitiv zu nutzenden Produktes reicht von Präsenzinformationen, Instant-Messaging-, Desktop und Document Sharing bis hin zu Web-/Videoconferencing und dem Ersatz einer Telefonanlage.
Gerade im letztgenannten Bereich haben wir mit Lync Neuland betreten. Aber wie uns z.B. Gartner in der aktuellen UC-Studie von August 2011 bescheinigt, haben wir hier gute Arbeit geleistet und unser Konzept, die Mitarbeiter besser in den Informationsfluss einzubinden, sehr gut umgesetzt. Wie auch neuere Studien von Berlecon zeigen, ist das Thema Unified Communication eines der zentralen Themen, mit dem sich mehr als die Hälfte aller deutschen Unternehmen intensiv auseinandersetzt.
Redaktion: Welche Rolle spielt die Consumerization of IT in ihrem Berufsalltag? Handelt es sich bloß um ein weiteres Schlagwort?
O. Gronau: Es handelt sich hierbei keineswegs um ein Schlagwort, sondern gewinnt zunehmend an Wichtigkeit. Die Mitarbeiter erwarten, dass sie ihre im privaten Bereich gemachten Erfahrungen mit IT auch im Geschäftsalltag einbringen können. Dies bedeutet für das IT-Management im Unternehmen natürlich eine zusätzliche Herausforderung, mit der es sich auseinandersetzen muss.
Dazu gehört die Einbindung unterschiedlicher Smartphones und Tablet-PCs ebenso wie die Berücksichtigung neuer Arbeitsweisen – wie Instant Messaging, Chats oder Telefonieren am PC. Genau an dieser Stelle benötigen die Unternehmen die entsprechenden Werkzeuge, die die professionellen Ansprüche an Sicherheit, Zuverlässigkeit und rechtliche Regularien mit dem Convenience-Faktor privater Tools vereinen.
Redaktion: Das kann Lync 2010?
O. Gronau: Die Erfahrungen, die der private Benutzer beispielsweise mit Instant Messaging gemacht hat, werden durch Lync nicht nur abgedeckt, sondern massiv erweitert. Dabei wird es den Unternehmen ermöglicht, im Rahmen der gegebenen hohen Sicherheitsanforderungen beispielsweise sehr genau festzulegen, welche Kommunikationskanäle der Mitarbeiter an seinem Arbeitsplatz wirklich nutzen kann. Auf der anderen Seite möchte der Mitarbeiter zuhause ebenfalls mit den gewohnten Mitteln arbeiten können. Der Datenzugriff muss auch auf seinen gängigen Geräten verfügbar sein – sei es webbasiert in der Cloud oder über das Smartphone.
Redaktion: Skype, Messenger, Lync – wie soll der Kunde sich hier zurechtfinden?
O. Gronau: Eigentlich ist die Differenzierung einfach: Lync für den professionellen Einsatz im Unternehmensumfeld, Messenger für die private Nutzung. Wie schon beim Thema Consumerization of IT angesprochen, spielt es für das Unternehmen eine wichtige Rolle, dass sich die Produkte hinsichtlich der gesetzlichen und technischen Anforderungen nahtlos in ihre Infrastrukturen integrieren lassen.
Insofern sollte die Entscheidung für ein bestimmtes Produkt immer mit den eigenen Anforderungen abgeglichen werden: Möchte man eine Telefonielösung implementieren, benötigt man ein Produkt, das entsprechende Konfigurationsmöglichkeiten und Funktionalitäten bereitstellt, um entweder eine konventionelle Telefonanlage komplett abzulösen oder aber sich in eine bestehende Telefonanlage zu integrieren. Diese Anforderung lässt sich auf Unternehmensebene nur mittels Lync realisieren – selbst wenn der einzelne Mitarbeiter mit Hilfe von Skype auch telefonieren könnte.
Auch Anforderungen des Betriebsrates – z.B. an die Art und Weise, wie man Präsenzinformationen verwalten und eventuell auch kontrollieren kann – können mit den eher auf Consumer ausgerichteten Produkten wie Messenger im Unternehmensumfeld nicht wirklich umgesetzt werden. Zudem stellt der Gesetzgeber gerade im Zusammenhang mit Chat und Telefonie eine Reihe von Anforderungen (z.B. in Bezug auf die Protokollierung geschäftsrelevanter Informationen), die nur durch den Einsatz von Lync umgesetzt werden können.
Nicht zuletzt spielen die Anforderungen im Unternehmen eine entscheidende Rolle: Ist bereits eine Videokonferenzanlage vorhanden und muss diese in die Gesamtlösung integriert werden? Oder soll ein bestehendes CRM-System angebunden werden? Lync ist die Plattform, mit der genau diese Integration möglich wird. Dabei spielt unser großes Partner-Ecosystem eine wichtige Rolle.
Redaktion: „Das neue Arbeiten“ und „der moderne (Verwaltungs)-Arbeitsplatz“ sind in aller Munde – was verstehen Sie darunter?
O. Gronau: In den letzten Jahren haben sich die Anforderungen an die Art und Weise, wie Mitarbeiter ihre tägliche Arbeit erledigen, sehr gewandelt. Themen wie „E-Mail“ oder „Dateiserver“, die noch vor ca. fünf Jahren eine zentrale Rolle spielten, sind heute keine mehr. Die Mitarbeiter sind viel stärker in räumlich verteilt arbeitende Teams eingebunden oder müssen intensiver als früher mit Kunden und Partnern zusammenarbeiten. Auch Anforderungen wie das „Arbeiten von zuhause aus“ oder Zugriff auf Informationen von jedem Ort aus (also auch vom Flughafen, Internet-Café) spielen eine zentrale Rolle.
Um diese Flexibilität gewährleisten zu können, müssen den Mitarbeitern neue Mittel bereitgestellt werden.
Office 365 und Lync 2010 bieten dem Unternehmen genau diese Möglichkeiten des „Neuen Arbeitens“. Gleichzeitig bieten sie unseren Partnern die Möglichkeit, ihre individuellen Lösungen nahtlos in die vorhandenen Arbeitsumgebungen einzubinden. Neben der hohen Flexibilität von Office 365 oder Lync erlauben es diese Produkte hervorragend, Kosten zu senken – z.B. durch das Einsparen von Reisekosten. In der Praxis sehen wir Kosteneinsparungen von bis zu 30 Prozent.
Redaktion: „Arbeiten von überall, mit jedem Gerät“ – das ist seit langem eines der Ziele bei Microsoft – wann wird das Realität?
O. Gronau: Aus unserer Sicht ist es bereits Realität: Man möchte dort arbeiten können, wo man gerade ist – sei es im Büro, von zuhause aus oder am Flughafen, beim Kunden oder im Hotel. Mit Office 2010 hat Microsoft eine durchgehende Lösung geschaffen, mit der flexibles Arbeiten möglich ist – über Smartphone, Browser und den normalen Arbeitscomputer, von jedem erdenklichen Ort auf dieser Welt. Mit dem Ende dieses Kalenderjahres erscheinenden mobilen Lync Client für die gängigen Smartphone-Plattformen stehen den Mitarbeitern auch mobil alle Möglichkeiten offen.
Redaktion: Microsoft hat ein sehr gut entwickeltes Partner-Netzwerk. Welche Rolle spielen eigentlich die so genannten Device-Partner – also Anbieter von Endgeräten, Gateways etc.?
O. Gronau: Die Hersteller von Endgeräten nehmen neben den klassischen Lösungspartnern, die beim Kunden die passende Lösung realisieren, im Rahmen von Lync 2010-Installationen eine zentrale Rolle ein. Der Kunde sucht nach einer End-to-End-Lösung. Die Mitarbeiter wollen an ihrem Arbeitsplatz oft neben dem Softwareclient auch klassische Technologien wie konventionelle Telefone nutzen können.
So suchen Unternehmen nach Lösungen, mit denen sie neue Technologien mit bestehenden Systemen verbinden können. Damit ist die Integration von bestehenden Strukturen, wie z.B. Videokonferenzräumen oder bestehenden Telefonanlagen über Gateways ein wichtiger Faktor bei der Einführung von UC-Lösungen. Daher suchen wir in den Projekten frühzeitig den Schulterschluss mit unseren Device-Partnern.
Redaktion: Wo geht die Reise hin?
O. Gronau: Für mich ist Lync heute schon zum unverzichtbaren „Partner“ geworden, den ich bei meiner täglichen Arbeit nutze und nicht mehr missen möchte. Es ist immer wieder eine positive Erfahrung, mit welcher Begeisterung unsere Kunden auf die Möglichkeiten von Lync reagieren. Diese Technologie bietet bereits heute großes Potential und wird das Arbeiten in der Zukunft sogar noch massiver verändern.