„Eine Auslagerung geht immer auch einher mit einer Transformation der IT“, sagt Norman Reschke, Leiter Application Management Services bei Sopra Steria.
ITD: Herr Reschke, wie stark setzen IT-Verantwortliche großer Unternehmen aktuell auf das Auslagern von Prozessen und Anwendungen?
Norman Reschke: „Die Frage lässt sich nicht pauschal für alle Branchen und Unternehmen beantworten. Es gibt hier durchaus entgegengesetzte Strömungen. Festzuhalten ist, dass Analysten diverser Häuser einen anhaltenden Trend zu Outsourcing sehen. IT-Verantwortliche sollten sich, nicht zuletzt aufgrund der durch Covid-19 deutlich zutage geförderten strukturellen Probleme, noch stärker auf das Kerngeschäft in ihren Unternehmen fokussieren. Nicht strategisch relevante Bereiche wollen sie auslagern oder machen das bereits.“
ITD: Welchen Einfluss haben die Corona-Pandemie und die Digitalisierung in nahezu allen Branchen auf den Beratungsbedarf und die Sourcing-Strategien der Unternehmen?
Reschke: „Der Beratungsbedarf ist groß, siehe Antwort oben. Der Grund: Eine Auslagerung geht immer auch einher mit einer Transformation der IT, zumindest jedoch der damit verbundenen IT-Service- und Fachprozesse. Damit ist eine Auslagerung und effektive Zusammenarbeit mit einem Dienstleister überhaupt möglich.“
ITD: Inwiefern wird im Outsourcing auch eine Chance gesehen, die eigene Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft zu steigern?
Reschke: Ja, die Chance ist da.
ITD: Wie kommt man zur richtigen Entscheidung, was ausgelagert werden sollte und was nicht? Wie gehen IT-Verantwortliche dabei vor?
Reschke: „Über alles, was nicht zum eigentlichen Kerngeschäft des jeweiligen Unternehmens gehört, sollte man nachdenken. Das Vorgehen war in der Vergangenheit immer noch zu verhalten. Das sollte und wird sich, basierend auf den vorherigen Antworten, verändern. Der Wettbewerbsdruck ist groß, das Potenzial, sich Vorteile zu verschaffen, ebenfalls. IT-Verantwortliche sollten hier eng und ehrlich mit dem Management kommunizieren und gemeinsam erarbeiten, welche Prozesse nicht Kerngeschäft sind und welche extern zugelieferten Prozesse das Unternehmen innovativer und effizienter machen.“
ITD: Welche Kriterien sollten Verantwortliche für die Auswahl eines passenden Dienstleisters ansetzen?
Reschke: „Es sollte sich um einen Dienstleister auf Augenhöhe handeln, der:
Keine Auslagerung und keine Transformation klappt von Anfang bis Ende vollkommen reibungslos, dessen sollte man sich einfach bewusst sein. Hier brauchen beide Seiten ein gewisses Maß an Kompromissbereitschaft und den Willen, diesen Weg mit dem jeweils anderen gehen zu wollen. Eine Auslagerung sollte natürlich nicht darauf ausgelegt sein, dass sich nach der Vertragsunterzeichnung primär die Rechtsanwälte der jeweiligen Parteien unterhalten.“
ITD: Wie lässt sich eine gute Partnerschaft auf Augenhöhe erreichen?
Reschke: „Von den ersten Gesprächen bis zur Vertragsunterschrift vergehen in der Regel einige Monate. Ein wesentlicher Teil ist die Due-Diligence-Phase. In der geht es natürlich zunächst um die inhaltlichen Details, die dann wiederum zur Preisfindung beitragen.
Diese Phase sollte aber auch intensiv zu einem gegenseitigen Kennenlernen genutzt werden. Der offene Austausch und Dialog ist wesentlich, um zu erkennen, ob es sich um einen Partner auf Augenhöhe handelt. Zentrale Fragen sind hier:
Bei allen genannten Punkten steht der Dialog im Mittelpunkt, um einen Partner auf Augenhöhe zu erkennen und dieses Verhältnis auch über die gesamte Dauer aufrechtzuerhalten.
ITD: Wie wird sich der Dienstleistungsmarkt aus Ihrer Sicht im neuen Jahr entwickeln?
Reschke: „Es wird mittelständische Anbieter geben, die versuchen werden, sich ihr strategisches Stück vom Kuchen bei „neuen“ Kunden in dem für sie relevanten Markt zu sichern. Bei Konzernen werden sich vermehrt Nischenanbieter positionieren können, wobei sich überwiegend große internationale IT-Dienstleister den Markt durch strategische Investitionen und Zukäufe untereinander aufteilen werden.“
Bildquelle: Sopra Steria