Ralf Pechmann, CEO, Telekom MMS
Christian Büchner, CIO, SachsenEnergie
Der Energiesektor in Deutschland hat es nicht leicht: Während der Energiebedarf steigt, werden die regulatorischen Vorgaben bezüglich Sicherheit und Klimaschutz immer schärfer. KI ist da mehr als nur eine willkommene Hilfe – sie ist geradezu unverzichtbar. Christian Büchner vom Konzern SachsenEnergie und Ralf Pechmann von der Telekom MMS erklären, wie künstliche Intelligenz heute bereits in der Energieversorgung eingesetzt wird und wohin die KI-Reise noch gehen wird.
Herr Büchner, vor welchen Herausforderungen steht das Unternehmen SachsenEnergie als größter Kommunalversorger Ostdeutschlands aktuell?
Christian Büchner: Wir müssen zum einen stabile und sichere IT-Systeme bereitstellen und zum anderen die hohen Anforderungen erfüllen, die aus der Energiewende erwachsen. Außerdem müssen wir vielfältigen Anforderungen bezüglich Sicherheit, Datenintegration, Prozessautomatisierung und Geschwindigkeit gerecht werden. Dabei helfen uns Technologien wie cloudbasierte Plattformen, Automatisierungslösungen und künstliche Intelligenz. Sie geben uns die Flexibilität, die wir brauchen, um schnell auf Veränderungen reagieren zu können.
Ihr Partner für solche Lösungen ist die Telekom MMS. Wie lange kooperieren Sie schon miteinander? Und welche bedeutenden Projekte haben Sie schon gemeinsam realisiert?
Christian Büchner: Die Zusammenarbeit reicht mittlerweile fast ein Jahrzehnt zurück – schon 2015 wurden die beiden Vorgängerunternehmen ENSO und DREWAG, die 2021 zur SachsenEnergie fusionierten , von der Telekom MMS in IT-Fragen unterstützt. Das bisher umfassendste Projekt war sicher unsere IT-Transformation im Zuge der Fusion. Ein weiteres großes Projekt war die Einführung von Microsoft 365 zu Beginn der Covid-19-Pandemie. Diese ging nicht nur in bemerkenswert kurzer Zeit über die Bühne, sondern wurde auch von einem professionellen Change-Management begleitet. Die Unterstützung bei diesem Projekt ging also weit über einen rein technischen Support hinaus. Aktuell setzen wir gemeinsam Leuchtturmprojekte im Bereich künstliche Intelligenz um.
Herr Pechmann, ist eine über 10-jährige Zusammenarbeit mit einem Kunden in der IT-Branche eigentlich üblich? Oder ist eine so lange Partnerschaft eher die Ausnahme?
Ralf Pechmann: Langjährige Partnerschaften sind in unserer Branche durchaus üblich; wir arbeiten auch mit vielen anderen Unternehmen schon lange zusammen. Letztlich ist das auch sinnvoll, denn je besser wir die spezifischen Bedürfnisse und die IT-Landschaft eines Unternehmens kennen, desto einfacher ist es für uns, Lösungen zu entwickeln, die perfekt in dessen technologische Infrastruktur hineinpassen. Hinzu kommt, dass die Zusammenarbeit zwischen uns und einem Kunden im Laufe der Zeit ja auch immer mehr an Qualität gewinn, weil wir ein immer tieferes Verständnis für die Branche des Kunden aufbauen. Dieses Verständnis ermöglicht es uns, proaktiv zu agieren und Lösungen vorzuschlagen, an die der Kunde vielleicht noch gar nicht gedacht hat.
Herr Büchner, sehen Sie das auch so?
Christian Büchner: Absolut. Unsere Zusammenarbeit ist inzwischen von einem hohen Maß an Eigeninitiative vonseiten der Telekom MMS geprägt. Dabei steht immer der Nutzen für unser Unternehmen im Fokus. Außerdem schätzen wir die große Bereitschaft zum Austausch: Ob in Workshops, bei Reviews oder bei der Implementierung von Lösungen –neues Wissen wird immer aktiv geteilt, das IT-Team der SachsenEnergie wird auf jede Erkenntnisreise mitgenommen. Zudem ist der Austausch auch menschlich sehr angenehm.
Arbeiten Sie auch auf strategischer Ebene zusammen?
Ralf Pechmann: Ja, und dabei ist das Spektrum sehr breit gefächert. Für die ENSO und für die DREWAG hatten wir zum Beispiel eine digitale Marketing- und Vertriebsstrategie entwickelt. Nach der Fusion haben wir die SachsenEnergie im Bereich Marktforschung und auch im Bereich Strength Consulting unterstützt. In dem Wettbewerbsumfeld, in dem die SachsenEnergie agiert, sind Kundenservice und -bindung von herausragender Bedeutung, deshalb haben wir dem Unternehmen auch bei der Einführung einer zentralen CRM-Plattform geholfen, die alle relevanten Vertriebs-, Kunden- und Serviceprozesse steuert. Zudem haben wir unsere KI-Expertise in die Zusammenarbeit eingebracht – auch das zählt zum strategischen Support.
Künstliche Intelligenz gilt heute branchenübergreifend als Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit. Welche Rolle spielt KI für die SachsenEnergie?
Christian Büchner: Seit Herbst letzten Jahres arbeiten wir intensiv an der Integration von KI in unsere Unternehmensgruppe. Ziel ist es, Prozesse effizienter zu machen und Mehrwerte für Kunden und Mitarbeitende zu schaffen. Die Telekom MMS ist dabei für uns ein wertvoller Impulsgeber, vor allem wegen ihrer langjährigen Erfahrung im Bereich KI. Sie unterstützt uns beim Aufbau eines fundierten technischen Unterbaus, bei der Auswahl geeigneter Anwendungen und bei der Qualifizierung unserer Teams. So können wir KI im Unternehmen immer mehr etablieren.
Herr Pechmann, welches Potenzial im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz sehen Sie für die SachsenEnergie?
Ralf Pechmann: Das Potenzial ist riesig – es reicht von der videobasierten Wartung von Hochspannungsleitungen mit Computer Vision bis hin zu einer automatisierten Kundeninteraktion auf der Basis von generativen Sprachmodellen. Als Full-Service-Dienstleister können wir alles liefern, was dazu nötig ist. Wir könnten eine komplette ‘AI Factory’ realisieren – ein integriertes System aus Anwendungen und Lösungen inklusive einer durchdachten Datenstrategie, das als zentrale Plattform für KI-Innovationen im Unternehmen dient. Das Ausarbeiten von Use-Cases, das Schulen der Belegschaft und natürlich das Begleiten des transformatorischen Wandels wären auf Wunsch auch noch im Paket. Und alles käme aus einer Hand! Wir freuen uns auf die Fortsetzung der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit der SachsenEnergie.
Das klingt alles sehr vielversprechend – allerdings wird der Einsatz von KI in allzu großem Umfang oft als zweischneidiges Schwert angesehen. Worin bestehen Ihrer Ansicht nach die größten Risiken? Und wie kann man diesen am besten begegnen?
Ralf Pechmann: Das mit Abstand größte Risiko besteht meiner Ansicht nach in einer möglichen Gefährdung der Datensicherheit. Wir begegnen diesem Risiko, indem wir höchste Sicherheitsstandards garantieren. Wir haben das Know-how, um Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre IT-Infrastruktur abzusichern, und unsere KI-Anwendungen werden in hochsicheren zertifizierten Rechenzentren der Deutschen Telekom AG betrieben. Damit gewährleisten wir, dass sämtliche europäischen Datenschutzgesetze eingehalten werden. Außerdem haben wir uns selbst eine Reihe von KI-Leitlinien auferlegt, die klare ethische und regulatorische Standards setzen und maximale Transparenz und Kontrollierbarkeit sicherstellen. Diese selbstbindenden Leitlinien der Telekom sind öffentlich im Internet einsehbar.
Vor dem Hintergrund der enorm schnell voranschreitenden Ausbreitung von KI in der Arbeitswelt: Welche Trends sehen Sie beide, Herr Pechmann und Herr Büchner, für Unternehmen allgemein und für Energieversorger im Besonderen?
Christian Büchner: Der Energiesektor befindet sich aktuell in einem Wandlungsprozess, der von drei Strömungen bestimmt wird: Dekarbonisierung, Dezentralisierung und natürlich Digitalisierung. KI spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sie kann uns bei der Netzoptimierung helfen, bei der Lastprognose und – wie Herr Pechmann ja schon angemerkt hat – bei der Verbesserung des Kundenservice. Wir werden uns das zunutze machen. Der Trend im Energiesektor geht klar in Richtung intelligente Prozessautomatisierung und Plattformökonomie; hier müssen wir uns also gut aufstellen. Und wir müssen ein wachsames Auge auf die Themen Governance, Ethik und Cybersicherheit haben. Energieversorger sind Teil der Kritischen Infrastruktur und werden künftig noch viel effizienter wirtschaften müssen als heute, daher werden sie ihre Entscheidungen in noch höherem Maße datenbasiert treffen. Da ist es natürlich von essenzieller Bedeutung, dass die Daten verlässlich und sicher sind.
Ralf Pechmann: Herr Büchner hat es schon auf den Punkt gebracht: Entscheidungen werden in Zukunft vornehmlich auf Daten basieren. Das ist zwar heute auch schon so, aber die Entscheidungsprozesse werden bald noch viel, viel schneller – weil vollständig automatisiert – ablaufen. Mit fortschrittlichen Machine-Learning-Algorithmen können Unternehmen enorm große Datenmengen in Echtzeit analysieren, und die KI kann daraus in Sekundenbruchteilen Handlungsoptionen ableiten und die jeweils beste Option umsetzen. Dadurch können Unternehmen, die auf KI setzen, ihre Leistungen und Angebote sehr kundenindividuell gestalten und sie zeitnah an neue Bedingungen anpassen.
Vielen Dank für das Gespräch!
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