Abgelehnt: Konzerne und das Internet
Wir müssen uns Dirk Ploss als einen spöttischen Sisyphos der Innovation vorstellen: In seinem E-Book "Männer, die auf Parkplätze starren: Warum deutsche Unternehmen mit dem Internet nicht klarkommen" (zus. mit Joachim Graf) rollt er den Felsen in 18 Kapiteln immer wieder den Berg zur obersten Führungsebene hinauf.
Dabei gibt er nie die Hoffnung auf, da es irgendwo da draußen im Land der Konzerne jemanden geben könne, der endlich versteht. Denn Innovation hat es in vielen großen Unternehmen nicht leicht. Sie funktionieren auf jeder Ebene nach dem Dreischritt: Eine Innovation ist nicht planbar. Nicht Planbares ist ein Risiko. Risiken müssen vermieden werden.
Zum Beispiel die Sache mit den Entscheidungen: “In einem Konzern werden Entscheidungen am liebsten gar nicht getroffen. Und wenn, dann durch ein Komitee unter Rücksichtnahme auf HIPPO (Highest Paid Persons Opinion). Aber auch erst dann, wenn alle internen und externen Karlapeters und Jupps Ihre Änderungs-, Verbesserungs-, Risikominimierungs- und generellen Verwässerungs-Vorschläge hinreichend berücksichtigt finden.”
So kann Innovation natürlich nicht funktionieren. Einfach ein neues Produkt herausbringen? Gott bewahre: “In einem Konzern weiß man seit Jahrzehnten ganz genau, was die Kunden wollen. Und zur Absicherung hat man ja die Marktforschung. Die vorher eindeutig gebrieft wird, welches Ergebnis herauskommen soll. Und wenn dann alles anders kommt, dann ist das eindeutig die Schuld der Kunden.”
Das sind nur zwei Ausschnitte aus diesem wirklich sehr lustigen Buch. Es ist aus einer Artikelserie entstanden, in der Ploss seine wohl mehr als gelegentlich frustrierenden Erfahrungen verarbeitet hat. Im Vordergrund steht die scheinbar einfache Frage, wie ein großes Unternehmen mit innovativen Produkten und Services im Internet erfolgreich sein kann.
Die Antwort lautet auf den ersten Blick: “Eigentlich gar nicht.” Denn Voraussetzung dafür wäre eine Revolution des auf Sicherheit und Bestandswahrung ausgerichteten Konzerndenkens - und das ist an sich schon wieder eine risikoreiche Angelegenheit. Das Ergebnis könnte mit dem Ausgangspunkt ja so gut wie nichts zu tun haben.
Große Unternehmen stehen sich gerne selbst Weg, lautet eine Grundaussage des Buches. Konzerngestählte Leute bekommen beim Lesen sicher ein Schleudertrauma vom ständigen zustimmenden Kopfnicken. Doch Ploss belässt es nicht dabei, sich über das konservative Gehabe lustig zu machen.
Er gibt auch viele handfeste Ratschläge, die Innovation in Konzernen ermöglichen sollen: Mehr Durchlässigkeit. Mehr Transparenz. Experten entscheiden lassen. Fehlertoleranz. Nicht am Wettbewerber orientieren. Freiraum für Topleister. Und noch mindestens zwei Dutzend anderer Tipps.
Das kann doch alles nicht so schwer sein, ist der Seufzer, den das Buch auszusenden scheint. Ist es aber vermutlich doch. Ploss arbeitet inzwischen nicht mehr für einen Konzern, sondern für ein Startup: “In einem Startup werden Entscheidungen von den Machern getroffen. … Da fragen die Leute tatsächlich, was die Kunden wollen. Und reden mit denen”.
Bildquelle: Thorben Wengert / pixelio.de
Links: