Guy Ruddock, Vice President Operations bei Colt Data Centre Services
IT-DIRECTOR: Stichwort Klimatisierung: Kalt-Warm-Gänge und freie Kühlung sind bereits gängige Methoden für eine energieeffizientere Klimatisierung im Rechenzentrum. Welche weiteren Vorgehensweisen können hier Energiekosten sparen?
G. Ruddock: Das Design der Anlagen und Komponenten kann eine entscheidende Rolle spielen. Indem beispielsweise modulare Systeme eingesetzt werden, die „offsite“ mit hocheffizienten Produktionstechnologien gebaut werden, extrem skalierbar sind und dadurch mit zunehmender Auslastung des Rechenzentrums einfach erweitert werden können, kann ein PUE-Wert von 1,21 erreicht werden. Einen weiteren Vorteil können Kühlsysteme auf Glykol-Basis bringen.
IT-DIRECTOR: Wie funktioniert eine Kühlung mit Erdwärme oder mit Grund- bzw. Meerwasser? Und wo liegen hierin die größten Vor- bzw. Nachteile?
G. Ruddock: Erdwärme und Wasserkraft beziehen sich in unserem Fall auf die jüngst vorgestellte Anlage in Island. Dort bilden sie die Energiequellen, über die das Rechenzentrum betrieben und beispielsweise mit dem daraus gewonnenen Strom versorgt wird. Für die Kühlung selbst wird dabei keine Energiezufuhr benötigt, da die klimatischen Bedingungen eine ganzjährige freie Kühlung ermöglichen.
IT-DIRECTOR: Welche Methoden bzw. Technologien sorgen bei anderen RZ-Komponenten für mehr Energieeffizienz?
G. Ruddock: Beispiele für das Erreichen von mehr Energieeffizienz im Rechenzentrum sind intelligente, sensorgesteuerte Beleuchtungssysteme, die mit Leuchtstofflampen mit hohem Wirkungsgrad sowie mit Passiv-Infrarot-Beleuchtung (PIR) arbeiten.
IT-DIRECTOR: Inwieweit nutzen Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland bereits erneuerbare Energie für den Betrieb ihres Data Center?
G. Ruddock: Wir können an dieser Stelle nur schwer für andere RZ-Betreiber in Deutschland sprechen. Die verwendeten Energiequellen bei unseren Datenzentren orientieren sich an den lokal verfügbaren Optionen. Alles ist möglich, schließlich sprechen wir nicht nur über unsere eigenen Rechenzentren, sondern auch die von uns bei den Kunden installierten und durch uns betriebenen Anlagen.
Die Frage speziell für Deutschland lautet jedoch viel eher: Bleibt die Energie in Deutschland hinsichtlich des kommenden Atomenergieausstiegs überhaupt bezahlbar? Wir glauben, dass sich ein Rechenzentrumsbetrieb in Deutschland schon sehr bald kaum mehr lohnen wird und Standorte, die bereits jetzt hinsichtlich der kostengünstigen Nutzung erneuerbarer Energiequellen sehr weit fortgeschritten sind, in den Vordergrund rücken werden.
IT-DIRECTOR: Welche Zertifizierungen garantieren dem Endanwender, dass die genutzten RZ-Services aus einem energieeffizienten Rechenzentrum stammen?
G. Ruddock: Wir betrachten die PUE-Messung und die damit zusammenhängenden Bewertung durch die The-Green-Grid-Organisation als wichtigsten und weitestgehend anerkannten Maßstab. Hierbei wird die gesamte ankommende Leistung mit der technischen Last ins Verhältnis genommen. Die Zertifizierungen durch das Uptime Institute sind ein weiterer wichtiger Indikator.
IT-DIRECTOR: Was sind die wichtigsten Maßnahmen, die für Energieeffizienz in Ihrem Rechenzentrum sorgen?
G. Ruddock: Auch wir setzen zunehmend auf modulare Rechenzentrumsanlagen, die komplett flexibel und skalierbar sind und einen äußerst niedrigen PUE ermöglichen. Zudem spielen bei uns das Design und die Bauweise einzelner Komponenten sowie effektive Kühlsysteme eine entscheidende Rolle. Hinzu kommt eine übergreifende, nachhaltige Geschäftspolitik inklusive einem eigenen Umweltmanagementsystem sowie bestimmten Anforderungen an Zulieferer und Partner.
IT-DIRECTOR: Wie energieeffizient arbeitet Ihr Rechenzentrum? Welchen PUE-Wert weist Ihr Data Center aktuell auf?
G. Ruddock: Der PUE unserer modularen Datenzentren liegt bei 1,21. Dies wird durch verschiedene technologische Fortschritte wie die Verbesserung der Luftzirkulation oder hinsichtlich der Optimierung von Kälteanlagen für die freie Kühlung erreicht. Zudem können unsere Module später zu 100 Prozent recycelt werden.
IT-DIRECTOR: Wie viel Energie konnten Sie mit Ihren Maßnahmen in den letzten beiden Jahren einsparen?
G. Ruddock: Unsere modularen Datenzentren reduzieren den Energiebedarf für die Kühlung um etwa 80 Prozent verglichen mit konventionellen Anlagen. Auf dem Strombedarf des Datenzentrums als Ganzes betrachtet sprechen wir über eine Ersparnis von etwa 40 Prozent.
IT-DIRECTOR: Wie gewährleisten Sie die Hochverfügbarkeit Ihres Rechenzentrums? Wie garantieren Sie dabei, dass die Absicherung der IT nicht zu Lasten der Energieeffizienz geht?
G. Ruddock: Ein energieeffizientes Rechenzentrum, das nicht zuverlässig arbeitet, nutzt keinem. Wir haben es jedoch mit unseren modularen Lösungen geschafft, Hochverfügbarkeit mit Energieeffizienz in einer herausragenden Manier zu kombinieren, indem wir beispielsweise ebenfalls äußerst energieeffiziente USV-Systeme einsetzen. Es kommt jeweils auf die optimale Mischung an.
IT-DIRECTOR: Wenn Sie heute die freie Wahl hätten – an welchem Standort würden Sie sofort ein neues Rechenzentrum bauen? Und warum gerade an dieser Stelle?
G. Ruddock: Da gibt es viele, mit Island haben wir einen davon bereits realisiert. Da die Kunden mehr und mehr erkennen, dass auch das Outsourcing von Daten kaum Gefahren für sie bergen muss, kommen die Potentiale verstärkt zum Tragen. Themen wie Energieeffizienz und damit Kostenersparnis und Nachhaltigkeit rücken auf diese Art noch stärker in den Fokus und verleihen Standorten wie Island eine enorme Attraktivität.