Auch die Collaboration-Cloud „Circuit.com“ für Unternehmen von Unify basiert beispielsweise auf WebRTC.
Auch wenn WebRTC zunächst etwas simpel aussieht, macht gerade diese Eigenschaft den disruptiven Charakter aus. Denn dank der Technik sind Echtzeitkommunikation und -videoübertragung erstmals ganz einfach für Web-Entwickler verfügbar. Die Programmierschnittstellen, die WebRTC bietet, ermöglichen eine Entwicklung auf abstrakterem Level, ohne dass man sich in die komplexen Tiefen der Echtzeitkommunikation einarbeiten muss. Damit betten Entwickler die genannten Kommunikationsfunktionen schnell und einfach in ihre Anwendungen ein. Nachdem WebRTC lediglich einen Browser voraussetzt, ist das prinzipiell bei jeder Web-Anwendung möglich – von komplexen Anwendungen für Geschäftsprozesse bis hin zu einfacheren Social-Media-Tools. Anwender können damit im Arbeitsablauf direkt mit anderen per Sprache oder Video kommunizieren. Bisher mussten sie dafür zumindest die momentane Anwendungsumgebung verlassen.
Auch die Collaboration-Cloud „Circuit.com“ für Unternehmen von Unify basiert beispielsweise auf WebRTC und läuft deshalb in modernen Browsern ohne Plug-ins oder spezielle Client-Applikationen. Virtuelle Teams können somit einfacher zusammenarbeiten, Kommunikation wird unabhängig von der verwendeten Hardware-Plattform und die Mitarbeiter arbeiten insgesamt produktiver, da sie weniger Hindernisse überwinden müssen. Gerade für flexible Arbeitsmodelle und die immer häufiger anzutreffenden mobilen Mitarbeiter bietet sich hier Potential.
Die Euphorie angesichts der neuen Möglichkeiten sollte allerdings nicht grenzenlos werden, denn noch muss WebRTC einige Hürden nehmen: Obwohl der Startschuss für das Projekt bereits vor rund fünf Jahren fiel, ist beispielsweise die Standardisierung für die Version 1.0 nach wie vor nicht abgeschlossen. Außerdem sind noch nicht alle großen Unternehmen an Bord – gerade im Bereich mobiler Anwendungen. Die Zeichen sollen allerdings gut stehen, dass sich das im Laufe des Jahres ändert. Darüber hinaus gibt es mit Object-based Real-Time Communications (ORTC) ein Konkurrenzprojekt, das aus einer gewissen Unzufriedenheit mit bestimmten Aspekten des geplanten WebRTC-Standards heraus entstand. Zumindest ein großes Unternehmen unterstützt ORTC und hat seinen Browser darauf ausgelegt. Inzwischen nähern sich beide Projekte aber wieder an. Eine vollständige Kompatibilität wird künftig dennoch nur über bestimmte technische Zwischenschritte möglich sein.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 03/2016. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Trotz der Herausforderungen, die WebRTC auf dem Weg zum Standard noch bewältigen muss, könnte die Technologie eine Revolution anstoßen. Bereits jetzt setzen Unternehmen und Entwickler auf den angehenden Standard; der Markt ist in Bewegung. So beschleunigt die Technologie etwa den Trend hin zu cloud-basierten Unified-Communications-as-a-Service-Angeboten (UaaS). Sowohl die Standardisierung von WebRTC 1.0, mit der für 2016 gerechnet wird, als auch das Zusammenwachsen von WebRTC und ORTC sind wichtige Schritte. Sind sie genommen, steht der Markt für Kommunikations-Tools wohl vor einer Umwälzung.
Was ist WebRTC?
Web-based Real-Time Communications (WebRTC) ist aus einem Projekt entstanden, das Google 2010 initiiert hat. Ziel ist es, einen übergreifenden Standard für Protokolle und Programmierschnittstellen zu entwickeln, der für alle Browser gültig ist. Damit ist Echtzeitkommunikation über jeden beliebigen Browser möglich, indem Daten vom Browser des Gegenübers abgerufen werden. WebRTC ist quelloffen, so können Entwickler die Technologie in eigene Anwendungen integrieren. Seit dem Frühjahr 2011 ist WebRTC im Standardisierungsprozess des World Wide Web Consortiums (W3C). Maßgebliche Unterstützer sind Google, Mozilla und Opera Software ASA.
Bildquelle: Unify