Fehlende Prioritäten

Wenn das Offensichtliche übersehen wird

Deutsche Unternehmen und Institutionen stehen seit Ausbruch des Russland-Ukraine-Kriegs mehr denn je im Fadenkreuz von Cyberkriminellen. Doch IT-Sicherheit hat bei zu vielen Unternehmen noch immer keine oberste Priorität.

Mann mit Smiley im Gesicht

Die Sicherheitsdecke ist dünn: Teilweise dauert es Tage oder noch länger, bis ene Attacke überhaupt bemerkt wird. Die Hacker freut es

Die Daten sprechen für sich: Laut dem Trellix Advanced Research Center war die Anzahl der Ransomware-Angriffe auf deutsche Ziele im dritten Quartal 2022 um 32 Prozent höher als im Vergleich zum zweiten Quartal. Deutschland ist damit derzeit weltweit ein Topziel in dieser Angriffskategorie.

Dasselbe gilt für sogenannte Advanced Persistent Threats (APTs), also mehrstufige, langfristiger angelegte, gezielte Angriffe auf ganz bestimmte Unternehmen oder Personen. Das Ziel dabei ist, dort Informationen zu erlangen oder anderweitigen Schaden zu verursachen. 29 Prozent der weltweiten APT-Attacken entfielen auf Deutschland.

Der Frust ist groß

Eine aktuelle PwC-Studie zeigt, dass rund 29 Prozent der deutschen CEOs Cyberrisiken zwar als größte Sorge für die Wirtschaftslage sehen. Dennoch fehlt in vielen Fällen weiterhin die Priorisierung der IT-Sicherheit in ihren Unternehmen. Diesen Schluss induziert eine weitere Studie aus dem Jahr 2022, an der 9.000 Cybersicherheitsexperten teilnahmen – 500 davon aus Deutschland.

Denn einerseits sagen 95 Prozent der Befragten aus Deutschland, dass es bei Vorstand und Geschäftsführung eine klare Zuweisung der IT-Sicherheitsverantwortung gibt. Andererseits geben 28 Prozent der Teilnehmer an, dass in ihrem Unternehmen der Schutz vor Cyberangriffen bei Vorstand und Entscheidungsträgern keine Top-Priorität genießt. 54 Prozent meinen, die Geschäftsleitung schenke der digitalen Sicherheit nicht ausreichend Aufmerksamkeit. Und 36 Prozent benennen die fehlende Wertschätzung durch ihre Chefs als eine der größten Frustrationsquellen.

Ein paar Tage?

Auch wenn reale Angriffe passieren, zeigt sich, wie dünn die Sicherheitsdecke ist: Rund 33 Prozent der deutschen Studienteilnehmer sagten, dass es mindestens ein paar Tage oder länger dauere, bis eine Attacke bemerkt wird. Ein paar Tage? Bis dahin können Produktion, Stromnetz oder lebenswichtige Krankenhausinfrastrukturen längst zusammengebrochen sein.

Anscheinend werden Investitionen und Bemühungen in Sachen IT-Sicherheit bei zu vielen Akteuren vor allem als kostenträchtiges Feigenblatt betrachtet, nicht als notwendige und oft genug überlebenssichernde Maßnahme. Dabei sollte die erhebliche Erweiterung des Kreises der Unternehmen, deren Infrastruktur laut dem erneuerten KRITIS-Gesetz als kritisch für das Funktionieren der Gesellschaft gilt, eigentlich Warnschuss genug sein.

Was aber tun? Möglicherweise ist die Indolenz in einigen deutschen Chefetagen auch auf eine gewisse Hilflosigkeit zurückzuführen: Cyberexperten sind rar und teuer, die Angriffe werden mehr und raffinierter. Zudem wächst die Angriffsfläche beispielsweise durch mobiles Arbeiten, Homeoffice und die unternehmensübergreifende Vernetzung von Lieferketten. Das führt u.a. zu immer mehr Sicherheits-Tools, die immer mehr Meldungen erzeugen. IT-Experten können hier oft nicht mehr mithalten.

Einen Schritt voraus

Ein Ansatz, diesen gordischen Knoten zu durchschlagen, ist Extended Detection and Response (XDR). XDR erkennt mittels lernfähiger Künstlicher Intelligenz auch Frühsymptome digitaler Angriffe und blockt diese ab, noch bevor sie Schaden anrichten können. XDR-Systeme binden die vorhandenen Sicherheitssysteme, deren vielfältige Meldungen für das IT-Team einzeln kaum noch zu bewältigen sind, unter einem Dach zusammen und priorisieren sie übergreifend.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 4/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Auch externe Partner lassen sich in eine XDR-basierte Sicherheitsarchitektur einbinden. XDR-Lösungen können neben den Informationen aus allen Verästelungen und allen Endpunkten des jeweiligen Informationssystems auch externe Informationsquellen einbinden. Zudem ist die Benutzerschnittstelle einer guten XDR-Lösung so gestaltet, dass nicht nur IT-Sicherheitsspezialisten mit langjähriger Erfahrung sie bedienen können. So kann man internes Personal für IT-Sicherheitsaufgaben weiterbilden oder Quereinsteiger anwerben, was wiederum Personalkosten spart. Kurz: XDR bringt IT-Sicherheitsteams und das IT-Management zu vertretbaren Kosten wieder vor die Angriffswelle. Das ist dringend nötig, denn die Hacker dieser Welt schlafen nicht.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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