Die “IT Infrastructure Library ITIL“ ist jetzt die Privatsache: Das neu gegründete Unternehmen Axelos vermarktet zukünftig die verschiedenen Best-Practice-Methoden der britischen Regierungsbehörde Cabinet Office - unter anderem ITIL und PRINCE2 (Projects In Controlled Environments).
Axelos ist ein Joint Venture des Cabinet Office mit der auf Outsourcing spezialisierten Capita PLC. Die britische Regierung will mit der “Privatisierung” von ITIL eine Einsparung von mehr als einer halben Milliarde Euro in zehn Jahren erreichen. Die Behörde erhält von Capita eine Einmalzahlung in Höhe 11,7 Millionen Euro und über drei Jahre jeweils 11 Millionen Euro.
Capita hat im Joint Ventuire einen Mehrheitsanteil von 51% und ist damit in der Lage, die strategische Ausrichtung der Standards zu bestimmen. Doch anders als ursprünglich angekündigt, wird Axelos nur als Akkreditierer auftreten, so dass die bisherigen Zertifizierungsstrukturen wohl erhalten bleiben.
Von dem Rechteverkauf betroffen sind nicht nur ITIL und PRINCE2, sondern auch die weniger bekannten Best-Practice-Sammlungen “Managing Successful Programmes (MSP)”, ”Management of Value (MoV)”, ”Management of Portfolios (MoP)” und “Management of Risk (MoR)”.
In der IT-Szene sorgte aber vor allem die Privatisierung von ITIL für Sorgen, denn der Prozesskatalog für das IT-Servicemanagement (ITSM) ist ein weithin genutzter Standard: Zahlreiche IT-Dienstleister und IT-Organisationen in Unternehmen nutzen die beiden ITSM-Methodiken in der täglichen Arbeit und sind in gewisser Weise davon abhängig.
Vor allem die Personenzertifikate für ITIL-Experten sind nicht billig und werden nur selten von den einzelnen Mitarbeitern bezahlt, sondern von den Unternehmen. Zu den Kosten für eine Pflichtschulung kommen noch Prüfungsgebühren - neben dem Verkaufspreis die bisher einzige Einahmequelle der Rechteinhaber.
Eine zweites Problemfeld ist die Weiterentwicklung von TIL. Bisher gab es eine sehr aktive Community, die vor allem bei der Weiterentwicklung von ITIL zur aktuellen Version 3.0 umfangreiche Anstösse gegeben hat - ähnlich wie der Entwicklung von Open Source Software.
Der neuseeländische ITSM-Experte Rob England hat daraus die Forderung abgeleitet, ITIL und PRINCE2 als “freies, offenes Wissen” einzusetzen und nicht den bereits vorgezeichneten Weg der “Abgrenzung” zu gehen. England kritisiert auch die strenge Lizenzierungspolitik, durch die es in Zukunft schwieriger werden könnte, freie ITIL-Angebote aufzubauen. Die Befürchtung dahinter: Axelos könne versuchen, mit ITIL durch stärkere Beschränkung der Verfügbarkeit mehr Geld zu machen.
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