Höhere Energieeffizienz im Rechenzentrum

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Leistungsstärke und Klimaschutz müssen im Rechenzentrum kein Widerspruch sein. Notwendig sind dazu beispielsweise der Einsatz moderner Komponenten sowie der genaue Überblick, welche Server und Racks welche Lasten tragen.

Die Welt der Rechenzentren ist einem ständigem Wandel ausgesetzt. Die Betreiber stehen zunehmend vor der Herausforderung eines Spagats zwischen Leistungsstärke und Klimafreundlichkeit. Dabei ist es nur ein schmaler Grat zwischen der Bereitstellung genügend großer Rechenleistung und einer entsprechend kühlen Umgebung, die Schutz vor Überhitzung der Server gewährleistet. Diese Faktoren ins richtige Gleichgewicht zu bringen, ist aber entscheidend für den erfolgreichen Betrieb eines Rechenzentrums (RZ). Sicherlich könnte man die Klimaanlagen einfach höher drehen, um akute Hotspots (Wärmenester) zu vermeiden. Doch gibt es auch andere Möglichkeiten: passgenaue Technologien, mit denen eine mögliche Überhitzung energieeffizient und kostengünstig vermieden werden kann.

Wenn man sich den Energiefluss im Rechenzentrum vor Augen führt, dann fließt der Strom aus dem Netz über eine Power Distribution Unit (PDU) in das Rack, wo er an die Server weitergeleitet wird. Diese erzeugen Wärme und müssen daher gekühlt werden. Allerdings sind die Server nicht gleichmäßig belastet, geben also unterschiedlich viel Wärme ab. Daher ist es schwierig, die Temperatur im Rechenzentrum stabil zu halten. Mit der Zeit treten an unterschiedlichen Stellen Hotspots auf. In einer Branche, bei der Ausfallzeiten von nur einer Minute bis zu 100.000 Euro an Kosten verursachen können, ist es umso wichtiger, rechtzeitig zu erkennen, wo es möglicherweise zu Problemen kommen könnte.

Kühlung um jeden Preis ist nicht sinnvoll

Eine aktuelle Empfehlung der American Society of Heating, Refrigeration and Air-Conditioning Engineers (ASHRAE) besagt, dass eine um nur ein Grad Celsius höhere Temperatur im Rechenzentrum die Kosten für dessen Klimatisierung bereits um vier bis fünf Prozent senken kann. Die alte Maxime, Rechenzentren „so kühl wie nur möglich“ zu halten, ist also überholt.  

Während viele Serverhersteller ihre Rechner bereits auf höhere Temperaturen auslegen, vertragen die meisten herkömmlichen PDUs lediglich 45 Grad Celsius. Dabei gibt es auf dem Markt bereits neue, intelligente PDUs (iPDUs), die Temperaturen bis 60 Grad tolerieren und damit helfen, die Energieeffizienz des Rechenzentrums zu erhöhen und gleichzeitig die Kosten zu senken.

Auch wenn die Temperatur im Rechenzentrum teilweise höher gehalten werden könnte, werden sich viele Betreiber noch sträuben, dies sofort in die Praxis umzusetzen. Es gibt aber eine weitere Möglichkeit, Strom zu sparen: nämlich das Abschalten von Servern im Leerlaufbetrieb. Sie können mit bis zu 60 Prozent mehr zur Wärmeentwicklung beitragen als die aktuell arbeitenden Server und den Stromverbrauch bis zu 40 Prozent in die Höhe treiben, ohne dabei einen Beitrag zur Wertschöpfung zu leisten. Intelligente PDUs – wie zum Beispiel von Enlogic – sind in der Lage, den Energieverbrauch genau aufzuzeigen und geben damit Hinweise, in welchem Rack der Stromverbrauch reduziert werden kann beziehungsweise welcher Server eingeschaltet bleiben sollte.

Es sind also viele kleine Schritte, die gegangen werden müssen. Den einen großen Wurf gibt es nicht. Doch diese Schritte zu gehen mag für eine Branche, die glaubt, bereits alles über Kosteneffektivität und Energieeffizienz zu wissen, umso schwieriger sein. Dabei gäbe es nichts zu verlieren. Die Lösung liegt darin, Server im Leerlaufbetrieb abzuschalten und nur einige bereits produktive Server laufen zu lassen, die im Bedarfsfall noch weitere Aufgaben übernehmen können.

Wie bekommt man die Temperatur in den Griff?

Natürlich scheint es wenig sinnvoll, die Temperatur überall gleichmäßig zu senken, nur um den sicheren Betrieb in wenigen Hotspots zu gewährleisten. Einige Rechenzentren setzen daher auf „In-Row-Cooling“, also die individuelle Temperaturkontrolle für einzelne Reihen im Rechenzentrum. Allerdings ist diese Lösung sehr kostenintensiv. Sinnvoller ist daher der eher vorbeugende Ansatz, auf aktuelle, passende und verlässliche Technologien zu vertrauen.

Moderne Kontroll- und Messtechnik für die Umgebung im Rechenzentrum liefert jederzeit Informationen darüber, ob und wo im Rack eine kritische Temperatur erreicht wird. Auch die Verfolgung der Temperaturveränderungen vom Hochfahren eines Servers an lässt Aussagen über Hotspots zu. Dabei müssen diese nicht immer zum Problem werden; ein Übersehen der Gefahr wäre allerdings fatal. Das langsame Hochschaukeln der Temperatur auf über 45 Grad könnte etwa herkömmliche PDUs ausfallen lassen. Durch Beobachtung der Temperaturentwicklung über einen längeren Zeitraum kann das Rechenzentrum jedoch rechtzeitig reagieren.

Wie alle technologiegetriebenen Industriezweige dürfen auch Rechenzentren aktuelle Entwicklungen nicht länger ignorieren. Vielmehr müssen sie nach neuen Wegen suchen, die sowohl Aufschluss über die tatsächliche Energieverteilung geben als auch helfen, die Stromkosten und den CO2-Ausstoß zu senken. Tun sie das heute noch nicht, dann werden sie morgen durch die immer restriktivere Umweltgesetzgebung dazu gezwungen.

* Der Autor, Eddie Desouza, ist Director Global Marketing and Communications bei Enlogic.

Bildquelle: Elke Hannmann/Pixelio.de

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