Hürden überwinden

Wie der Sprung in die Cloud gelingt

Es gibt viele Wege in die „Wolke“ – doch nicht jede Cloud-Migration gestaltet sich einfach. Trotz der vielen Vorteile kann der Migrationsprozess – falls schlecht geplant – mühsam und riskant werden. Einige Fallstricke sollten Unternehmen und Organisationen deshalb unbedingt beachten.

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    Markus Eisele: „Makroökonomische Einflüsse zwingen Unternehmen dazu, Neuerungen immer schneller einzuführen.“ ((Bildquelle: Red Hat))

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    Philipp Merth: „Wenn es an Wissen in Bezug auf die Cloud mangelt, gibt es viele gute Lösungsanbieter, die helfen können.“ ((Bildquelle: Akamai))

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    „Wird Cloud ,nebenbei‘ eingeführt, scheitert die Migration bzw. sie dreht unnötige Schleifen“, sagt Mathias Lopass. ((Bildquelle: Arvato))

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    Holger Brink: „Unternehmen versprechen sich durch den Umzug in die Cloud mehr Umsatz sowie weniger Kosten für die IT.“ ((Bildquelle: VMware))

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    Trotz der vielen Vorteile kann der Migrationsprozess in die Cloud mühsam und riskant werden. ((Bildquelle: Getty Images/iStock/Getty Images Plus))

Die Cloud ist aktuell – neben Künstlicher Intelligenz (KI) – der Hauptantriebsmotor für die Umsetzung neuer Geschäftsmodelle im digitalen Raum, auch in Deutschland. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom will jedes zweite Unternehmen (54 Prozent) noch dieses Jahr in Cloud-Lösungen investieren, zwei Drittel (69 Prozent) planen dies für 2024 oder später. „Unternehmen versprechen sich durch den Umzug in die Cloud mehr Umsatz sowie weniger Kosten für die IT“, erläutert Holger Brink, Senior Business Solution Strategist bei VMware. „Der zusätzliche Umsatz speist sich aus den Möglichkeiten der Cloud, wie der Nutzung zusätzlicher Services, einer höheren Geschwindigkeit für neue Geschäftsmodelle (Time to Market), der globalen Erreichbarkeit und hohen Verfügbarkeit.“ Die Unternehmen stünden unter einem enormen Erfolgsdruck, wie Markus Eisele, Developer Strategist bei Red Hat, betont: „Makroökonomische Einflüsse zwingen Unternehmen dazu, Neuerungen immer schneller einzuführen und die Kundengewinnung sowie -bindung zu optimieren. Daher versuchen sie, Anwendungen und komplette IT-Landschaften zu modernisieren und zu harmonisieren – oft verbunden mit dem Wunsch, fixe durch variable Kosten zu ersetzen.“ Auch wenn das häufig nur teilweise gelinge, bleibe es neben einer deutlichen Steigerung der Entwicklungsgeschwindigkeit der Haupttreiber von Cloud-Migrationen.

Ohne Strategie geht es nicht

Auf dem Weg in die Cloud stehen Unternehmen vor vielen Hürden. Eine Migration sollte deshalb auf gar keinen Fall nach dem „Let’s try“-Prinzip erfolgen, warnt Mathias Lopass, Director Cloud Integration & Workplace bei Arvato Systems: „Wird Cloud ,nebenbei‘ eingeführt, also ohne eine klare IT-Strategie, ohne eine gründliche Analyse der Ausgangslage sowie ohne die Priorisierung von Anforderungen und Zielen aus dem Business, scheitert die Migration bzw. sie dreht unnötige Schleifen.“ Bewährte Methoden wie das Cloud Adoption Framework geben hier einen erprobten Rahmen von Anfang bis Ende – damit ist es möglich, Cloud-Migrationen strukturiert und effizient anzugehen und zum Erfolg zu führen.

„Wenn es an Wissen in Bezug auf die Cloud mangelt, gibt es viele gute Lösungsanbieter, die helfen können“, weiß Philipp Merth, Regional Vice President CER bei Akamai. Bei der ersten Umstellung sollte so wenig wie möglich verändert werden, stattdessen verwenden Unternehmen am besten dasselbe Betriebssystem, dieselbe Code-Version, dieselbe Webserver-Version und so weiter. „Essenziell ist auch, sich langfristig die Möglichkeit einer Multi-Cloud-Lösung offenzuhalten, um später einem Vendor Log-in zu entgehen“, empfiehlt Merth. Dafür brauche es entsprechende Management-Vorgaben. „Und noch ein wichtiger Tipp: Managed Services sind eine großartige Möglichkeit, um bei der anfänglichen Migration voranzukommen – selbst wenn Firmen später beabsichtigen, Datenbanken und Ähnliches selbst zu betreiben“, so der Experte.

Private, Public oder Multi-Cloud?

Das Betriebsmodell spielt bei der Cloud-Migration natürlich eine ganz wichtige Rolle. „Dieser Aspekt wird leider oft nur wenig betrachtet – die Mentalität beim Thema ,Cloud‘ ist eher ,Alles oder nichts‘“, meint Markus Eisele. Dabei sei diese Betrachtungsweise viel zu simpel und Unternehmen müssten den Return on Investment (ROI) der Cloud ganzheitlich bewerten. Jedes Modell habe eigene Vorzüge, fügt Philipp Merth an, ausschlaggebend seien aber vor allem die individuellen Anforderungen seitens der Nutzer: „Regierungsbehörden oder Unternehmen mit hochsensiblen Daten bevorzugen meist private Clouds, während durchschnittliche Unternehmen auf die weniger teure und einfachere öffentliche Cloud zurückgreifen. Für große Unternehmen wird in naher Zukunft wahrscheinlich eine Multi-Cloud-Lösung zum gängigen Modell.“ Das diene der Risikominimierung und ermögliche es, mit verschiedenen Anbietern zusammenzuarbeiten, sodass Unternehmen von deren jeweiligen Stärken profitieren.

Im Zuge der Cloud-Transformation stellt sich auch die Frage, ob eine Migration der oftmals komplexen Enterprise-Resource-Planning- (ERP) und Customer-Relationship-Management-Systeme (CRM) sinnvoll erscheint. Diese Frage sei nicht mit Ja oder Nein zu beantworten, sagt Holger Brink: „Gerade bei dieser Art von Systemen ist man schnell beim Herz-Kreislauf-System des Unternehmens.“ Ob und wann eine Verlagerung in die Cloud erfolgen könne, hänge hier vom Einzelfall ab und müsse spezifisch betrachtet werden. „Soll durch eine Cloud-Migration nicht nur Modernisierung, sondern auch ein klarer Mehrwert für das Business erzielt werden, so erleben wir die Migration von Kernsystemen wie ERP und CRM oft als zentralen Schritt einer Cloud-Migration, um eine konsequente Transformation der IT und des Unternehmens einzuleiten.“ Nur dann würden sich Kerngeschäftsprozesse und Mehrwerte aus Unternehmensdaten auf ein neues Level heben lassen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 10/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Die Mitarbeiter in den Prozess einbinden

Soll die Migration in die Cloud gelingen, sollten auch die Mitarbeiter aktiv in den Migrationsprozess einbezogen werden. „Eine frühe und wiederholte Kommunikation klarer Ziele und nachvollziehbarer Gründe ist die essenzielle Basisarbeit“, erklärt Mathias Lopass. „Die Einbindung der Mitarbeiter in Form eines Cloud Center of Excellence ermöglicht den Gestaltungsrahmen, kanalisiert Bedenken und zeigt Perspektiven im Rahmen des anstehenden Changes auf.“ Ein breites Schulungskonzept, welches den Mitarbeitern rollenorientiert sowohl die Basics als auch spezifische Inhalte passgenau vermitteln könne, ermögliche es, aus dem Wandel einen Nutzen sowohl individuell als auch für das ganze Unternehmen zu ziehen. Holger Brink: „Wir müssen in Unternehmen die Transformation der organisatorischen mit den technologischen Entwicklungen koppeln.“ Obwohl Abgrenzung bei Tätigkeiten notwendig sei, gelte es, die gewachsenen Silostrukturen der vergangenen 20 Jahre aufzulösen. „Ganzheitliche (End-to-End-)Verantwortung für IT-Produkte muss da nach wie vor im Fokus stehen“, fordert Brink. Dieser Ansatz beziehe auch im Cloud-Migrationsprozess die Mitarbeiter bestmöglich ein, da sie nicht nur Ausführende seien, sondern Verantwortung übernehmen dürfen und sollen. „Dies unterstützt zusätzlich die Wandlung, die in vielen Unternehmen im Gange ist, vom ,Machen‘ zum ,Steuern‘“, meint der Experte.

Sicherheit und Datenschutz in der Cloud

Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung in nahezu allen Lebensbereichen sind die Themen „Cybersicherheit“ und „Datenschutz“ elementar wichtig für die Migration in die Cloud. „Das betrifft übrigens nicht nur die Cloud selbst, sondern ganz grundsätzlich auch die Anwendungsentwicklung“, erläutert Markus Eisele. „Auf Systemebene besteht jedoch die besondere Herausforderung, dass moderne Cloud-Anbieter komplexe technische Gebilde sind und es nicht trivial ist, die unterschiedlichen Ebenen vom Betriebssystem bis zu den Anwendungen sowie die gesamte Orchestrierung zu kontrollieren.“ Unternehmen sollten deshalb auf etablierte Lösungen setzen, die Sicherheitsfunktionen wie Verschlüsselung und Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) unterstützen, aber auch Hybrid Clouds. „Auf diese Weise können sie Workloads mit vertraulichen oder geschäftskritischen Daten in der Private Cloud ausführen und Workloads mit weniger sensiblen Daten in der Public Cloud.“ Ein solches Vorgehen minimiere Datenrisiken und erlaube es, Workloads flexibel zu verlagern, wenn sich Sicherheits- oder Compliance-Anforderungen verändern, so Eisele.

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