Dem mangelnden Erfolg von Self-Services liegt häufig eine Reihe von Fehleinschätzungen zugrunde, z.B. dass die erfolgreiche Umsetzung einfach ist.
Weit verbreitet, wenig beliebt. So kann man den Status von Self-Service in Unternehmen derzeit zusammenfassen. 42 Prozent der Firmen kämpfen mit einer geringen Akzeptanzquote bei Self-Services und knapp die Hälfte sieht die Notwendigkeit, deswegen ihre Lösungen zu verbessern. Es besteht Handlungsbedarf. Das zeigen auch die Ergebnisse der aktuellen Studie „Life On the Service Desk Report“ des Service Desk Institutes (SDI) auf. Zugleich stellt das Institut in seinem jährlichen Benchmarking-Report fest, dass 81 Prozent der Unternehmen Self-Services nutzen und 89 Prozent zukünftig mit einem weiter steigenden Self-Service-Bedarf der Anwender rechnen.
Dem mangelnden Erfolg von Self-Services liegt häufig eine Reihe von Fehleinschätzungen zugrunde, z.B. dass
Solche Fehleinschätzungen führen im nächsten Schritt häufig zu Self-Service-Lösungen, die mit folgenden Problemen zu kämpfen haben:
Das Resultat des letzten Punktes kann eine „Enttäuschungsfalle“ sein. Sie schnappt zu, wenn die Anwender nach erfolgloser Suche in der Wissensdatenbank frustriert aufgeben und künftig auf die Selbsthilfe lieber verzichten. Dieses Szenario ist recht wahrscheinlich, da realistisch betrachtet nur ein kleiner Teil der möglichen Fragen durch Artikel in Wissensdatenbanken abgedeckt werden kann.
Neben den oben genannten Fehleinschätzungen gibt es oft auch einen grundlegenden Denkfehler in den Self-Service-Konzepten: Die Self-Service-Funktionalität orientiert sich am Service-Angebot und der internen Organisationsstruktur der IT anstatt an den Bedürfnissen und an der Denk- und Arbeitsweise der Anwender. Das Ergebnis ist ein isolierter Self-Service-Ansatz, der den Nutzern gleich zu Beginn mehrere, voneinander unabhängige Optionen bietet. Das ist so, als würde man den Anwendern drei verschiedene Telefonnummern zu drei verschiedenen Service Desks mitteilen und von ihnen erwarten, dass sie je nach Anliegen selbst entscheiden, welche Nummer sie anrufen müssen:
Ein Beispiel zeigt, dass dieser isolierte Ansatz nicht funktionieren kann: Ein Mitarbeiter ist auf einer Auslandsreise und kann nicht wie gewohnt per Mobiltelefon auf seine beruflichen E-Mails zugreifen:
Das Beispiel verdeutlicht zwei Dinge: Erstens, dass diese Vorgehensweise zeitaufwendig ist und damit die Arbeitsfähigkeit des Mitarbeiters beeinträchtigt. Zweitens, dass der Mitarbeiter in Zukunft vermutlich den Self-Service meidet und direkt den Service Desk anruft. Doch es gibt bereits einen besseren Self-Service-Ansatz, bei dem die Bedürfnisse des Anwenders im Mittelpunkt stehen und nicht die des Service-Anbieters. Hätte der Mitarbeiter auf seiner Reise den Service Desk angerufen, anstatt die isolierten Self-Service-Funktionen zu nutzen, wäre er viel schneller zur benötigten Lösung gekommen. Warum? Weil der Service-Desk-Mitarbeiter gleich die richtigen Fragen gestellt hätte, um dem Problem auf den Grund zu gehen, bevor er dann den besten Lösungsweg wählt. Es spricht aber nichts dagegen, diesen Ansatz auch im Self-Service zu verfolgen.
Wenn Verantwortliche ein Self-Service-Angebot entwickeln oder auswählen, sollten sie sich einen flüssigen Ablauf vorstellen, anstatt in isolierten Funktionen zu denken. Sie sollten damit beginnen, dem Anwender die Möglichkeit zu geben, sein Problem zu schildern oder eine Frage zu stellen. Dabei sollte die Self-Service-Lösung als erste Antwort einen raschen Zugang zu relevanten Informationen aus der Wissensdatenbank bieten. Findet der Anwender die gesuchte Antwort nicht, kann er auf Knopfdruck die Anfrage direkt an den Service Desk weiterleiten, ohne dass die zuvor eingegebenen Informationen verloren gehen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 03/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Im Beispiel des Mitarbeiters auf Reisen würde dies so aussehen:
Auf diese Weise erhält der Mitarbeiter in weniger als 30 Minuten Zugang zu seinen E-Mails, anstatt so lange auf eine Lösung zu warten, bis es womöglich zu spät ist. Ein solcher Self-Service-Ansatz, wie ihn beispielsweise die Usu AG bietet, ermöglicht den Anwendern ein flüssigeres Service-Erlebnis und vermeidet „Enttäuschungsfallen“. Die automatische Suche in der Wissensdatenbank ist dabei nur der erste Schritt im Verlauf des Lösungsprozesses. Planen Verantwortliche eine neue Self-Service-Initiative oder wollen sie einer bereits existierenden Lösung neues Leben einhauchen, dann sollten die eine reibungslose Kundenerfahrung und einen flüssigen Ablauf in den Mittelpunkt stellen. Denn so erhalten die Anwender ein Self-Service-Angebot, das sie gerne nutzen werden.
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