Lästige Aufgaben

Wie KI die Kreativität am Arbeitsplatz fördert

Viele Unternehmen weltweit setzen auf Künstliche Intelligenz (KI), um Routinearbeiten zu verringern. Dies gibt den Mitarbeitern mehr Zeit für Kreativität und Zusammenarbeit.

KI befreit von lästigen Aufgaben

Viele Unternehmen weltweit setzen auf Künstliche Intelligenz (KI), um wettbewerbsfähig zu bleiben und ihre Geschäftsprozesse zu verbessern. Während KI-gestützte Programmierung ein früher Erfolg war, hinkt die Einführung von KI-Tools für Nicht-Entwickler-Teams hinterher.

Der Grund: Unternehmen fehlt oft ein klarer Fahrplan für die Beschaffung, das Testen und die Skalierung dieser Technologien. Zu oft wird die Zeit mit der Implementierung von Chat-Boxen und Zusammenfassungen verbracht, ohne dass sich dadurch signifikante Verbesserungen für die Mitarbeiter ergeben.

Doch es geht auch anders. Ich setze mich dafür ein, dass jeder Mitarbeitende von künstlicher Intelligenz profitiert. Unsere Erfahrungen mit GitHub Copilot – sowohl bei unseren Kunden als auch in unseren eigenen Teams – haben gezeigt, dass KI ein leistungsstarkes Werkzeug sein kann, um Routinearbeiten zu verringern.

Dies gibt den Mitarbeitern mehr Zeit für Kreativität und Zusammenarbeit, ohne dass sie ihre Arbeitsweise grundlegend ändern müssen. Bereits jetzt sehen wir, wie Nicht-Entwickler-Teams wöchentlich Stunden zurückgewinnen und sich auf sinnvollere Aufgaben konzentrieren können – ein Prozess, den jedes Unternehmen umsetzen kann.

Der richtige Einsatz von KI

KI hat viele Stärken, aber Menschlichkeit ist keine davon. Daher gilt es, die Menschlichkeit in unserer Arbeit stärker in den Vordergrund zu rücken, statt zu versuchen, sie durch technologische Lösungen zu ersetzen. 

Ein oft verbreiteter Irrtum ist die Erwartung, dass KI menschliche Kernfähigkeiten wie Kreativität und Empathie übernehmen kann. Viel sinnvoller ist es aber, die Stärken der KI für repetitive Aufgaben zu nutzen und den Mitarbeitenden so mehr Raum für kreative Tätigkeiten zu geben.

Unser IT-Team erhält beispielsweise jedes Quartal über 5.000 Anfragen. Die Herausforderung liegt weniger in der Anzahl der Anfragen, als vielmehr in der Zeit, die für die Beantwortung immer wiederkehrender Fragen benötigt wird. Gebraucht wurde also eine Lösung, die das Bearbeiten dieser Anfragen verbessert, ohne dass sich der gewohnte Workflow ändert.

Also haben wir gemeinsam mit Moveworks Octobot entwickelt – ein in Slack integriertes Tool, das auf unsere spezifischen Richtlinien und Dokumentationen trainiert ist. Octobot kann reaktiv als erster Supportkontakt auf Anfragen von Mitarbeitenden antworten, aber er kann auch proaktiv tätig werden, wenn Teammitglied beispielsweise einen neuen Laptop benötigt, und ihn direkt vor die Haustür liefern. Und da es sich um eine KI handelt, lernt Octobot mit jeder Interaktion dazu.

Wenn Routinearbeit wegfällt, gewinnen Mitarbeitende etwas Wertvolleres zurück: Zeit. Für unser IT-Team bedeutete dies, dass sie sich größeren, wertvolleren Herausforderungen widmen konnten - wie der Einführung weiterer KI-Tools zur Unterstützung der Mitarbeitenden.

Drei Leitprinzipien für die Auswahl von KI-Tools

Sobald klar ist, welche Routineaufgaben durch KI beseitigt werden sollen, ist es Zeit, geeignete Tools auszuwählen. Neben Sicherheits- und ethischen Überlegungen haben wir einige Leitprinzipien entwickelt, um sicherzustellen, dass wir die richtigen KI-Tools erforschen:

1. Mitarbeitendenwohl und -zufriedenheit priorisieren: Mit GitHub Copilot haben wir festgestellt, dass bis zu 75 Prozent der Nutzer:innen zufriedener mit ihrer Arbeit sind.

2. Erfahrungen verbessern, nicht stören: KI-Funktionen sollten in die bereits genutzten Plattformen und Tools der Mitarbeitenden integriert werden, um den Arbeitsfluss nicht zu unterbrechen.

3. Messbare Zeitersparnis bieten: Bei der Bewertung eines KI-Tools sollte der Fokus auf der zurückgewonnenen Zeit liegen, nicht auf der Anzahl der erledigten Tickets oder beantworteten E-Mails. Zeit ist das universelle Maß über alle Problembereiche hinweg.

Es ist auch wichtig, offen für neue Möglichkeiten zu bleiben und sich nicht von vergangenen Erfahrungen oder zukünftigen Versprechungen einschränken zu lassen – und sich gleichzeitig aber auch nicht von Neuheiten ablenken zu lassen. Zu oft führt die Idee, mit „allem“ chatten zu können, zu Verblendung, oder aber Menschen sind zögerlich, weil sie auf den nächsten großen Durchbruch warten.

Ein wiederholbarer Plan

Um KI schnell und erfolgreich einzuführen, muss Experimentierfreudigkeit Teil der Unternehmenskultur sein. Dies ist nicht die Zeit für “move fast and break things”, aber auch nicht eine sechsmonatige, einheitliche Einführungsstrategie.

Zu beachten sind vor allem:

- Frühe und häufige Pilotprojekte in kleinen Gruppen: Derzeit führen wir Pilotprojekte mit mehr als 10 % unserer Mitarbeitenden durch, vorwiegend in Nicht-Entwickler-Teams.

- Eine konsistente Leitgröße haben: Für uns ist das die zurückgewonnene Zeit. Diese Metrik ermöglicht es uns, das Empfinden der Mitarbeitenden zu verstehen und verschiedene Pilotprojekte vergleichen zu können – auch wenn sie unterschiedliche Routinearbeiten übernehmen.

- Offene Kommunikationswege: Die meisten unserer derzeitigen Pilotprojekte basieren auf Empfehlungen der Mitarbeitenden. Qualitative Rückmeldungen durch regelmäßige Umfragen und Feedback-Schleifen sind entscheidend.

- Schnelle Entscheidungen: Unser Ziel ist es, innerhalb von 30 bis 60 Tagen zu entscheiden, ob ein Tool übernommen oder verworfen wird. Wenn der Nutzen nicht sofort erkennbar ist, lohnt sich die Einführung nicht.

Echte Ergebnisse

Jedes Team hat mit Routineaufgaben zu kämpfen. Da KI die Wirtschaftlichkeit der Problemlösung verändert, ist es an der Zeit, neu zu bewerten, welche Probleme lösbar sind und wie deren Lösung das Team beeinflusst.

Heute bearbeitet Octobot mehr als 30 Prozent der Anfragen, und unser IT-Team gewinnt pro Person und Woche drei Stunden zurück. Noch beeindruckender ist, dass die Kundenzufriedenheit auf 98 Prozent gestiegen ist – ein Anstieg um 12 Prozent. Sowohl unser IT-Team als auch die Mitarbeitenden sind zufriedener mit ihrem Arbeitsalltag.

Das nächste KI-Modell wird nicht all unsere Herausforderungen beheben, und das ist auch in Ordnung. Solange wir die jetzigen KI-Modelle nutzen, um die benötigten Zielwerte zu erreichen, bestehende Prozesse zu verbessern und uns am Mehrwert zu orientieren, kann jedes Team das wahre Potenzial der KI entfalten.

Über den Autoren

Kyle Daigle ist Chief Operating Officer von GitHub. Er arbeitet seit 2013 bei GitHub, baute die Ecosystem Engineering Teams auf und war an den Übernahmen von Semmle, npm und anderen Unternehmen beteiligt. Heute ist er für strategische Projekte, Programmmanagement und Kommunikation zuständig.

Bild von creativeart auf Freepik

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