Cloud Native

Wie Software-definiertes Routing Multi-Clouds verbindet

Cloud-Native-Architekturen rücken in den Kern digitaler Geschäftsmodelle. Doch überall dort, wo sich Workloads und Daten zwischen Public Clouds bewegen sollen, kann die agile Technologie an Grenzen stoßen.

Software-definiertes Routing verbindet Multi-Clouds

Software-definiertes Routing verbindet Multi-Clouds

Applikationen automatisch skalieren, Rechen- und Speicherressourcen smart provisionieren: Cloud-Native-Architekturen rücken in den Kern digitaler Geschäftsmodelle. Doch überall dort, wo sich Workloads und Daten zuverlässig, sicher und kontrolliert zwischen Public Clouds bewegen sollen, kann die agile Technologie an Grenzen stoßen. Welche Rolle Latenzzeiten in intelligenten Geschäftsmodellen spielen. Und wie Software-definierte Routingdienste unterschiedliche Clouds miteinander verbinden – ein Beitrag von Dr. Christoph Dietzel, Global Head des Products & Research Bereichs bei DE-CIX.

Skalierbare Anwendungen erstellen, dynamisch betreiben und agil weiterentwickeln – Cloud-Native-Architekturen sind ein Schlüsselelement, um Geschäftsmodelle zu digitalisieren. Gewissermaßen von der Stange weg versprechen Public Clouds jederzeit innovative, moderne und flexible Applikationen. Ein Versprechen, das die Technologie attraktiv macht, wie eine aktuelle Studie von EuroCloud Deutschland und techconsult zeigt. Laut Umfrage von Cloud-Verband und IT-Marktforschung unter 250 Unternehmen in Deutschland setzen 36 Prozent auf Public Clouds. Für 22 Prozent der Firmen bleibt die Private Cloud die Methode der Wahl. Eine Methode, die jedoch etwa im Hinblick auf Flexibilität an Grenzen stößt. Beispiel künstliche Intelligenz: KI-Lösungen werden vielfach als Cloud-Native-Anwendungen entwickelt und sind erst in derartig hoch skalierbaren Umgebungen wirtschaftlich betreibbar. So zählen KI und Automatisierungslösungen – neben der Cloud selbst – zu den drei Top-Technologien, in die Firmen investieren möchten, wie die Studie aus dem Sommer des Jahres 2024 festhält.

Flexibles Gewebe intelligent und dynamisch steuern

Lastspitzen abfangen und Betriebs- und Verbrauchskosten reduzieren – Cloud-Native-Landschaften provisionieren Anwendungen und Ressourcen vollautomatisch. Und das immer passend zu Bedarf und Geschäftsentwicklung. Möglich macht das ihre agile Struktur. Programmierschnittstellen (APIs) halten Softwarecontainer und Microservices als lose gekoppelte Einheiten zusammen. Infrastructure-as-a-Code (IaC) stellt beispielsweise Server, Netzwerke und Datenbanken vorkonfiguriert bereit. Auf diese Weise entsteht ein flexibles Gewebe, das sich dynamisch und intelligent steuern lässt. Zwar machen Eigenschaften wie diese die App-Entwicklung aufwändig und kostenintensiv. Aber über den effizienten und elastischen Betrieb rechnet sich der Mehraufwand. Fest steht dabei auch: Oft spielen die standardisierten und modularisierten Architekturen gerade dann ihre Vorteile aus, wenn Anwender sie als Greenfield-Ansatz komplett mit den technologischen Möglichkeiten der Public Cloud entwickeln. Anders dann, wenn Unternehmen ihre Alt-Applikationen in einem Brownfield-Szenario lediglich in die Cloud hieven, was Potenzial verschenkt und Mehrkosten produziert. Cloud-Native-Konzepte folgen anderen Gesetzen.

Egal, ob Microsoft, Google oder Amazon – Cloud Native meint heute mehr als das. Beispiel Deutschland: Hierzulande floriert die Landschaft an Public-Cloud-Providern. Und während Hyperscaler innovative Features im Wochentakt bereitstellen, trumpfen heimische Anbieter mit spezialisierten Public Clouds für bestimmte Branchen auf. Was aus Anwendersicht beiden gemein ist: Wer auf Cloud-Native setzt, braucht weder einen eigenen Serverraum noch ein eigenes Rechenzentrum, was Aufwand und Kosten für den Betrieb einspart.

Lock-In-Effekte, Portfolio-Limits und Konnektivität bremsen Geschäftsentwicklung aus

Von lokalen Anbietern über internationale Provider – 14 Prozent der Public-Cloud-Nutzer setzen laut Studie auf mehrere und unterschiedliche Ökosysteme. Was Cloud Native verheißt, stößt überall dort an Grenzen, wo sich Workloads und Daten zuverlässig, sicher und kontrolliert zwischen den Welten bewegen sollen. Nicht nur Lock-In-Effekte und Portfolio-Limits können Technologie- und Geschäftsmodelle ausbremsen, sondern mangelnde Konnektivität an sich. Laut einer aktuellen Studie von IDC gehen 29 Prozent der Unternehmen in Europa davon aus, dass sie nicht so mit der Cloud vernetzt sind, wie es die Geschäftsstrategie erforderlich macht.

Multi-Cloud-Native: Public Clouds über virtuelle Routing-Dienste verbinden

Um unterschiedliche Public-Clouds miteinander zu verzahnen, lassen sie sich über sogenannte Cloud Exchanges miteinander verbinden. Am öffentlichen Internet vorbei tauschen Routing-Dienste Datenpakete direkt und sicher zwischen den jeweiligen Umgebungen aus. Beispielsweise unterstützt der Cloud ROUTER von DE-CIX Multi- und Hybrid-Cloud-Szenarien und garantiert dabei Bandbreiten von bis zu 400 Gbit/s. Im Unterschied zu Server-basierten Routing-Diensten setzt der Software-definierte Dienst auf spezieller und standardisierter Carrier-Grade-Hardware auf, die komplexe Netze sicher, zuverlässig und leistungsfähig betreibt. Kontrolliert über die Softwareschicht lässt sich der Dienst selbstständig und automatisch über APIs verwalten. Heißt praktisch: Cloud-Native-Applikationen und Konnektivität skalieren IaC-basiert passend zu den jeweiligen Anforderungen smart mit.

Fest steht auch, dass Multi-Cloud-Native- und Konnektivitäts-Strategien Hand in Hand gehen müssen. Oft treten Probleme erst auf, wenn Systeme unter Last- und Realbedingungen arbeiten. Beispiel KI: Laut IDC sorgen sich 22 Prozent der Unternehmen, die KI in der Cloud nutzen, um Latenz und 15 Prozent um die Bandbreite. Virtuelle Routing-Dienste liefern hier eine Lösung. Unnötige Transfers zwischen eigenem Serverraum, unterschiedlichen Standorten und Cloud-Provider entfallen. Indem die Services Informationen zwischen Clouds auf direktem Wege austauschen, gewährleisten sie definierte Bandbreiten und minimierte Datendurchlaufzeiten. Weitere Vorteile: Dienste sind nicht an bestimmte Rechenzentren oder Router gebunden, sondern virtuell verteilt und redundant ausgelegt verfügbar. Darüber hinaus reduziert der private Datenaustausch die Egress-Kosten.

Cloud-Native-Umsetzung: 43 Prozent der Unternehmen brauchen Unterstützung

Mehr Werte über Software und IT schöpfen: Mit Cloud-Native-Architekturen rücken agile Anwendungen in den Kern des eigenen, intelligenten Geschäftsmodells. Wollen 80 Prozent der CIOs weltweit ihre Prozesse bis 2028 automatisieren, wie eine Umfrage von IDC zeigt, dann spielt die Public Cloud dabei eine Schlüsselrolle. Apps ein- und ausschalten, Rechen- und Speicherressourcen buchen, skalieren und online überwachen – in derart virtualisierten und automatisierten IT-Systeme wird Expertise immer wichtiger. Nicht nur, was Cloud-zu-Cloud-Konnektivität betrifft, sondern auch, was die Möglichkeiten der Cloud selbst betrifft. So halten 43 Prozent der von techconsult befragten Unternehmen externe Unterstützung bei Cloud-Native-Projekten für notwendig. Schließlich nützt die modernste Public-Cloud-Anwendung nichts, wenn Architektur veraltet und Vernetzung unpassend sind.

Bild von natanaelginting auf Freepik

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