„In den Verwaltungen selbst senken digitale Prozesse nicht nur Ressourcenverbräuche wie Papier, sondern gestalten Arbeitsaufwände viel effizienter“ sagt Martin Rothe
ITD: Herr Rothe, welchen Einfluss haben die gegenwärtigen Krisen, aber auch der damit verbundene Digitalisierungsschub in den vergangenen Monaten auf den deutschen IT-Dienstleistungsmarkt ausgeübt?
Martin Rothe: Die Reduzierung von CO2-Emissionen spielt für unsere Kunden im öffentlichen Sektor und damit auch für uns natürlich längst eine entscheidende Rolle bei der Konzeption, Umsetzung und dem Betrieb von digitalen Anwendungen. Darüber hinaus ist auch ein Entscheidungskriterium, wie wir selbst bei uns im Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit umgehen.
Da das Ausschreibungsgeschäft vergleichsweise lange Vorlaufszeiten hat, schlagen sich die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine zeitversetzt nieder. Aber wir gehen fest davon aus, dass der Anspruch, möglichst energieeffiziente IT-Lösungen anzubieten, künftig einen kräftigen Schub erfahren wird. Digitalisierung wird nun einmal elektrisch betrieben. Der Stromverbrauch spielt somit eine entscheidende Rolle und er wird noch mehr zum Faktor Wirtschaftlichkeit beitragen – von Rechenzentren bis hin zu der IT-Ausstattung von Arbeitsplätzen.
ITD: Was sind konkrete Herausforderungen/Stolpersteine bei der Prozessdigitalisierung in Großunternehmen?
Rothe: Bei der Allgeier IT ist es vor allem das Onlinezugangsgesetz (OZG), das unsere Kunden aus der Verwaltung und damit auch uns antreibt. Die Digitalisierung von Verwaltungsaufgaben ist sehr komplex und die Ansprüche sind sehr hoch – etwa beim Datenschutz. Unsere IT-Experten sorgen dafür, dass personenbezogene Daten besonders sicher übertragen und verarbeitet werden. Man denke nur an das Gesundheits- und Finanzwesen. Unsere Mitarbeiter berücksichtigen zudem bundesweit föderale Ansprüche bei der Digitalisierung von staatlichen Aufgaben auf Landes- und Bundesebene. Das, was wir für einen Landes-IT-Dienstleister entwickelt haben, lässt sich nicht immer auf andere Auftraggeber übertragen. Aber: Wir sind immer in der Lage, Synergien optimal zu nutzen.
ITD: Inwieweit greifen hiesige Unternehmen anno 2022 bei der Digitalisierung ihrer Prozesse auf externe Unterstützung zurück?
Rothe: Das ist ganz klar ein Wachstumsmarkt. Die Anzahl der Ausschreibungen im öffentlichen Sektor nimmt stetig zu. Das hat zum einen mit dem Druck auf die Verwaltungen zu tun, digitale Services für die Bürger und die Wirtschaft zu entwickeln. IT-Dienstleister kommen aber auch deswegen verstärkt zum Einsatz, weil die Anforderungen an IT-Experten sehr spezifisch sind und die Aufgaben Projektcharakter haben. Für unsere Kunden lohnt es sich meist nicht, etwa eine hochspezialisierte IT-Fachkraft einzustellen, die nach der Entwicklungsphase nicht mehr viel zu tun hätte. Dafür sind die Anforderungen in der IT-Entwicklung zu diversifiziert.
ITD: Worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl eines entsprechenden IT-Dienstleisters achten?
Rothe: Unsere Kunden im öffentlichen Sektor formulieren schon in ihren Ausschreibungsunterlagen sehr klare Anforderungen hinsichtlich Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility. Aspekte wie Equal Pay und faire Honorierung unserer festen und freien Mitarbeiter können K.O.-Kriterien bei Ausschreibungen sein. Dementsprechend sind wir in diesen Bereichen breit aufgestellt. Zudem lassen wir unser nachhaltiges Handeln von der Ratingagentur Ecovadis bewerten, übergeben unsere ausrangierte Hardware an AfB Green IT (Arbeit für Menschen mit Behinderung), wo sie refurbished wird, zusammen mit unserem Kunden Dataport unterstützen wir Aufforstungsprojekte von Plant-My-Tree – das sind allesamt Engagements, die von Kundenseite positiv bewertet werden.
ITD: Welche Rolle sollte das Thema „Nachhaltigkeit“ bei der Entscheidungsfindung spielen?
Rothe: Wir bei Allgeier IT sind der Auffassung, dass Nachhaltigkeit eine klare Rolle bei der Entscheidung für einen Dienstleister spielen sollte. Wir alle sind beim Klima- und Umweltschutz gefordert und dafür verantwortlich, dass Diversität, Fairness und Gleichstellung in Wirtschaft und Gesellschaft gelebt werden.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
ITD: Inwieweit kann Digitalisierung an sich zu mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen beitragen?
Rothe: Das fängt schon bei kleinen Dingen wie digitalen Signaturen an, die den Papierausdruck einsparen oder Telefonapparate, die sich durch eine Telefonsoftware ersetzen lassen. Die Liste ließe sich lange fortsetzen. Das, was wir bei unseren Kunden tun, gestaltet viele Verwaltungsprozesse effizienter. Wenn Bürger Amtsgeschäfte online von zuhause aus tätigen können, spart das Anfahrtswege, Briefpost und so weiter. In den Verwaltungen selbst senken digitale Prozesse nicht nur Ressourcenverbräuche wie Papier, sondern gestalten Arbeitsaufwände viel effizienter. Analoge Informationsweitergabe und ‑auswertung verbrauchen in der Regel mehr Energie und Material als digitale. Ein passendes Beispiel wäre auch die KI-unterstütze Analyse großer Datenmengen, die sonst Unmengen an Arbeitsstunden verbrauchen würde.
ITD: Welche Rolle könnten hierbei auch Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) spielen und einen nachhaltigen Beitrag leisten?
Rothe: Big Data und KI haben ein riesiges Potenzial auf Kommunal- und Landesebene. Da ist nicht nur der KI-gestützte Chat-Bot, der Fragen zur Steuererklärung beantwortet oder die nötigen Dokumente für ein Gründungsvorhaben heraussucht. Die Optimierung von Verkehrsflüssen, die Lärmbelastungen und Emissionen eindämmt, ist ein weiteres großes Zukunftsthema. So nutzt beispielsweise die Stadt Eckernförde ein Internet-of-Things-basiertes (IoT) Parkraummanagement, damit Parkplätze ohne Umwege gefunden werden. Schließlich schätzt der ADAC, dass 30 bis 40 Prozent des innerstädtischen Verkehrs allein darauf entfällt. Es gäbe noch zahlreiche Beispiele mehr, die zeigen, welche Möglichkeiten allein KI und IoT für mehr Nachhaltigkeit bieten.
Bildquelle: Allgeier-IT