CDOs sind für die Strategie, Vision und Ausführung der Daten- und Analyseabteilungen verantwortlich.
Datensammeln gehört inzwischen bei Unternehmen aller Größen zum Tagesgeschäft und ist mit entscheidend für deren langfristiges Überleben auf dem Markt. Aber nur Daten zu horten, reicht allein nicht aus – eine entsprechende Strategie muss her, denn nur so lassen sich aus den Informationen auch die richtigen Schlüsse ziehen. Um hier strategischer vorzugehen, wird in den USA und UK in Organisationen bereits heute häufig ein Chief Data Officer (CDO) eingesetzt – eine Position, die in deutschen Management-Etagen noch eine große Unbekannte zu sein scheint.
CDOs sind für die Strategie, Vision und Ausführung der Daten- und Analyseabteilungen verantwortlich. Sie sorgen außerdem dafür, dass die Ziele der Datenabteilungen mit den Zielen und der Strategie des Unternehmens übereinstimmen – denn nur so kann man aus den Datenschätzen das Optimum rausholen. Wie aber ist der derzeitige Status quo der CDOs hierzulande? Wer sind sie, wie sind sie ausgebildet und welche Rahmenbedingungen brauchen sie, um den Umgang mit Daten sinnvoll nach vorne zu bringen?
CDOs sind Wandler zwischen den Welten, die verschiedene Pole miteinander in Einklang bringen müssen. Auf der einen Seite bewegen sie sich im innovativen technologischen Umfeld. Andererseits müssen sie im Management dafür sorgen, dass die digitale Transformation verstanden und wirtschaftlich umgesetzt wird. Angesichts derart unterschiedlicher Tätigkeitsebenen präsentiert sich die Berufsgruppe der CDOs zurzeit noch als sehr homogen: Sie sind in der Mehrzahl männlich (82 Prozent), zwischen 35 bis 44 Jahre alt (46 Prozent) und haben einen technologischen Background (78 Prozent) das ergab eine Studie von Exasol, die sich mit diesem Berufsbild beschäftigt hat. Das hat weitrechende Auswirkungen. Die naheliegendste ist die Auswahl der Mitarbeiter: So neigen drei von vier CDOs in Deutschland dazu, ihre Teams ebenfalls vor allem im technischen Umfeld zu suchen – beispielsweise im Coding, bei Analytics, im Ingenieurswesen oder in der Softwareentwicklung. Das ist insofern problematisch, da die benötigen Fähigkeiten von CDOs über das rein Technische weit hinausgehen: Schließlich sollte ein Datenteam neben Zahlenverständnis auch die Fähigkeit haben, aus Daten kreative Geschichten zu entwickeln und diese so zu kommunizieren, dass auch Nicht-Techniker damit arbeiten können. Mit mehr Diversität können diese beiden Aspekte sicher besser abgedeckt werden.
Die CDOs selbst müssen eine ganze Palette von Skills mitbringen, um ihre Position gut auszufüllen. So werden von den derzeitigen deutschen Vertretern der Berufsgruppe beispielsweise folgenden Fähigkeiten als entscheidend bewertet: Mathematik, Problemlösung, Muster-/Anomalien-Erkennung, aber auch Teamleiterfähigkeiten oder Entscheidungsfähigkeit. Hinzu kommen Storytelling und Argumentationsfähigkeit. Das zeigt, wie wichtig es ist, die Position mit einer Person zu besetzen, die neben technischem Know-how auch Management-Kenntnisse und Soft Skills mitbringt. Hier ist insbesondere die Kommunikationsfähigkeit hervorzuheben. Auch eine gewisse Resilienz ist für den Job des CDOs hilfreich, denn als Vermittler gilt es auch häufig, mit Spannungen oder Missverständnissen umzugehen und sie zu moderieren.
Um einen guten Job zu machen, kommt es aber nicht nur auf die Qualifikation des CDOs an, sondern auch auf die Rahmenbedingungen für ihre oder seine Arbeit. Diese sind derzeit sicher noch nicht optimal: So beklagen viele Befragte, dass die Unternehmen noch nicht so weit sind, um den für einen datengesteuerten Geschäftsansatz erforderlichen Kulturwandel zu vollziehen. Bei 44 Prozent ist die Geschäftsleitung nicht bereit, den erforderlichen Wandel hin zum datengesteuerten Unternehmen zu vollziehen. Bei 34 Prozent verfügen die Unternehmen nicht über die Technologie, die ein CDO benötigt, um gute Arbeit zu leisten. Auch zeigen sich Probleme, die aus dem mangelnden Verständnis der Position an sich resultieren: So meinen 42 Prozent der Befragten, der Wert der Rolle des CDO sei in der Geschäftswelt noch nicht anerkannt; 40 Prozent finden, die Erwartungen von Seiten der Unternehmen an die Rolle des CDOs sind zu hoch und basieren auf falschen Annahmen.
Was also können Unternehmen tun, um die Akzeptanz und Rolle des CDOs zu stärken? Zunächst müssen die Verantwortlichen Grundlagen schaffen und die Datenkompetenz und -demokratisierung generell vorantreiben. Dafür braucht es eine Datenstrategie, die im Einklang mit den Unternehmenszielen steht. Im zweiten Schritt gilt es, zu erkennen, dass Datenkarrieren nicht allein technische Karrieren sind. Um hier die richtige Person für die Position zu finden, muss das Profil des CDOs geschärft – und insbesondere verstanden werden, wie wichtig Management- und Soft Skills hier sind. Es lohnt sich hier „Out of the box“ zu denken und auch Bewerber in Betracht zu ziehen, die nicht dem reinen Klischee des Datenexperten entsprechen. Und schließlich gilt es, CDOs als sichtbare Vorbilder zu etablieren, deren Rolle in Unternehmen prominenter darzustellen und ihren Nutzen aufzuzeigen. So profitieren am Ende die CDOs und ihre Unternehmen gemeinsam.
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