Storage wird immer performanter

Wolkige Backups, rasche Recovery

Storage wird immer performanter, zuverlässiger und auch günstiger. Dennoch können sich in Zeiten von Big Data und Analytics in einem Großunternehmen erkleckliche Speicherkosten aufsummieren.

Cloud-Storage

„Die Tendenz geht fraglos stark in Richtung ‚Cloud-Storage‘“, betont Andreas Herde von der Noris Network AG.

Wie viel Storage braucht ein Großunternehmen heute noch in den eigenen Rechenzentren – und wofür? Vor dieser Frage steht jeder CIO, der Big Data aufbewahren muss. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Unternehmen hat Louis Dreher, Head of Product Sales Central Europe bei Fujitsu, eine saloppe Antwort auf diese Frage parat: Genügend! Speziell bei Anwendungen, die geschäftskritisch sind oder sehr hohe Performance-Anforderungen haben, sei „On-Premises nach wie vor das geeignete Konzept – und wird es auch in nächster Zeit noch bleiben“. Generell gehe der Trend jedoch verstärkt hin zu Hybrid-IT.

„Ganz klar so wenig wie nötig“, fällt erwartungsgemäß die Antwort von Andreas Herde aus. Für den Head of Platform Services beim Outsourcer Noris Network AG geht die Tendenz „fraglos stark in Richtung Cloud-Storage“. Allerdings gebe es auch Anwendungsfälle, in denen die Vorhaltung der Daten in eigenen Storage-Systemen sinnvoll ist. „So kann für eine hochperformante Datenverarbeitung ein lokales System mit eigenem Storage Vorteile bieten.“ Was er auf jeden Fall prüfen würde: Geht es um hochsensible Daten? Dann könnte die Vorhaltung in entsprechend sicheren, zertifizierten Rechenzentren (RZ) Pflicht sein.

„Primärer, produktiver Storage befindet sich auch heute noch in fast allen Fällen ‚nah‘ am Verbraucher“, stimmt ihm Christian Kubik zu. Der Produktexperte beim Backup-Spezialisten Commvault weiß: „Wenn im eigenen Rechenzentrum Datenbanken und Anwendungen betrieben werden, ist meist der Storage auch im selben Rechenzentrum oder in einem sehr nahen Rechenzentrum verortet – durch direkte Glasfaserverbindungen oder Hochgeschwindigkeitsnetzwerke.“ Auch für Marc Kleff, Director Solutions Engineering bei Netapp, hängt die Antwort stark mit den individuellen Anforderungen der Unternehmen und den damit verbundenen Workloads ab. „Die Bandbreite erstreckt sich von einem Cloud-First-Ansatz bis hin zu Unternehmen mit viel Legacy-Technologie“, konstatiert Kleff. „Wichtig ist, die richtige Balance zu finden. Damit verknüpft sind auch die Verfügbarkeitsanforderungen an Geschäftsprozesse.“ Aus technischer Sicht seien Multi-Protokollfähigkeit und Einschränkungen von Cloud-Services zu berücksichtigen.

Backup bleibt eine lokale Aufgabe

Auch wenn heute die „Cloud“ über allem steht, zeigt die Realität laut Novastor-CEO Stefan Utzinger, „dass gerade Großunternehmen noch sehr viele lokale Anwendungen mit entsprechendem Datenbestand haben. Daher: Ausgehend von der Backup-Regel 3-2-1 sollte jedes Großunternehmen eine lokale Kopie im eigenen Rechenzentrum halten und ein weiteres Ausfallrechenzentrum, entweder intern oder auch extern, haben.“ Auf die lokale Backup-Kopie würde Utzinger aber auf keinen Fall verzichten, da nur damit ein schneller Restore auch großer Datenmengen gewährleistet sei.

„Zu einem katastrophensicheren mehrstufigen Backup- und Archivierungskonzept gehört auf jeden Fall das räumlich getrennte Rechenzentrum bzw. die Cloud“, ergänzt Noris-Manager Herde. „Mit hyperkonvergenten Lösungen lässt sich sehr gut eine sinnvolle Koexistenz von lokalen und remote gespeicherten Daten realisieren.“ Die vergangenen Jahre haben bereits gezeigt, dass Unternehmen sich mehr und mehr in Richtung Cloud-nativer Technologien bewegen. „Sie migrieren Applikationen von ihrem alten, monolithischen Aufbau hin zu intelligent skalierenden, containerisierten Anwendungen, die auf Microservices basieren“, beobachtet Commvault-Experte Kubik. „Mit dieser Architektur verschwimmen die Grenzen, vor allem wenn ein hybrides Betriebsmodell – also eine Mischung aus On-Premises und Cloud-Ressourcen – gewählt wird.“

Daten in Objektspeichern

Viele solcher modernen Anwendungen können Daten in Objektspeichern verwalten. Darunter versteht man ein aus der Cloud stammendes Speichermodell, das weder Storage Area Network (SAN) noch Network Attached Storage (NAS) ist, sondern auf Basis von REST-basierten Protokollen – also per HTTPS – angesprochen wird. Diese Protokolle sind selbst über Internetverbindungen, WAN-Links oder direkte Verbindungen in die Cloud (z. B. Express Route) nutzbar. So können Unternehmen auch den Speicher für Anwendungen, die im Rechenzentrum laufen, in die Cloud auslagern.

„Generell ist Object-Storage als Backup sowie zum Tiering kalter Daten hervorragend geeignet – sei es On-Premises oder in der Cloud“, ergänzt Netapp-Mann Kleff. Daher werden kostengünstige Flash-Speicher in Flash-Capacity-Arrays mittelfristig eine immer größere Rolle spielen. Es geht laut Kleff aber nicht nur um Kosten und Kapazität. Flash sei richtungsweisend mit Blick auf Antwortzeiten, Energieverbrauch und Speicherdichte. „Mit der hohen Performance werden neue Anwendungen erst praktikabel – Stichwort ‚Künstliche Intelligenz‘“, so Kleff weiter. „Zukunftssichere Entscheidungen werden natürlich mit Blick über einzelne Speichertechnologien hinaus getroffen. Hier geht es um die vielen Möglichkeiten, Geschäftsprozesse mithilfe der IT besser zu gestalten. Statt über Flash und Tape reden wir von Consumption-Modellen oder der Flexibilität der Multi-Cloud.“

„Cloud-Storage kommt in vielen Varianten“, ergänzt Christian Kubik. „Oft geht man vom Objektspeicher aus, wenn von Cloud-Speicher gesprochen wird. Dieser kann sehr gut als Backend für Cloud-native Applikationen genutzt werden. Darüber hinaus kann Cloud-Speicher intelligent zur Speicherung von Backup und Archivdaten verwendet werden.“ Denn: Moderne Backup-Tools erlauben die direkte Speicherung von Sicherungsdaten in Cloud-Speichern und bieten oft die Möglichkeit, mehrere Storage-Tiers zu nutzen, z.B. Hot, Cool, Archive bei Microsoft Azure oder auch S3 Standard, Infrequent-Access und Glacier sowie Deep Archive bei Amazon AWS. Ein solches „Tiering“ hilft laut Kubik auch, Kosten zu sparen.

Die anschließende Frage, welche Speichertechnologien sich für das RZ als zukunftsweisend herauskristallisieren, ist ebenfalls nur individuell zu beantworten. Offensichtlich ist Flash-Storage der Trend. Die Kosten dafür nähern sich denen von Massenspeichern an, wobei der unterschiedliche Stromverbrauch der beiden Ansätze gern vernachlässigt wird und nicht in jede Kostenrechnung einfließt. Aber klar ist laut Andreas Herde eines: „Bei I/O-intensiver Datenverarbeitung punkten die Flash-Lösungen. Optische Speicher werden kaum noch eingesetzt, auch wenn neue Technologien wie die M-Disc eine sehr lange Haltbarkeit für die Archivierung versprechen. Tapes haben nach wie vor zur Archivierung ihre Daseinsberechtigung. Sicherheit gegen Manipulation, geringe Betriebskosten oder Mobilität sind wichtige Argumente.“

Obwohl oft schon totgesagt, haben auch für Christian Kubik sowohl die drehende Festplatte als auch das Tape weiterhin ihre Daseinsberechtigung, selbst wenn der Siegeszug von Flashspeicher „mit Sicherheit nicht aufzuhalten“ sei. Beim primären Storage sei Flashspeicher in Zukunft fast die einzige Technologie, die noch zum Einsatz kommen werde. Hier sei nur noch abzuwarten, ob neue Technologien, z. B. die Nutzung zweier Lesekopfarme in einer Festplatte, die drehenden Festplatten als Primärspeicher noch für einige Jahre sinnvoll nutzbar machten.

Sekundärspeicher

Im Fall von Sekundärspeicher – und hier sind vor allem Backup und Archiv wichtig – sind drehende Platten aufgrund ihrer hohen Speicherdichte und des vergleichsweise niedrigen Preises aktuell noch nicht komplett zu ersetzen. Ein mögliches Zukunftsszenario könnten hybride Backup-Speicher sein – mit Flash für die jüngsten, im Katastrophenfall schnell wiederherzustellenden Daten und drehenden Platten für die längerfristige Aufbewahrung.

Tape erlebt laut Kubik „gerade eine Art von Renaissance“. Als reales Offline-Medium biete es eine einfache Möglichkeit, „Daten außerhalb der Reichweite von Cyberangriffen aufzubewahren. Außerhalb dieses Use Cases ist Tape allerdings eher selten noch als primäres Backup-Medium strategisch gesetzt.“ Auch für Novastor-CEO Utzinger ist „ganz klar: Selbst wenn der Trend natürlich zu Flash geht, wird das Tape in keinem Fall aussterben. Dies nicht nur, weil einzig Tape den sogenannten Air-Gap bietet, sondern auch, weil die Entwicklung bei Tape schnell voranschreitet und immer mehr Daten pro Tape gesichert werden können. Auch müssen vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit und CO2-Bilanz die Energiekosten berücksichtigt werden und hier punktet Tape gerade bei großen Datenmengen und der Langzeitarchivierung.“

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 6/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

„Flash-Storage ist derzeit überaus stark gefragt und wird auch künftig zunehmend zum Einsatz kommen“, stimmt ihm Louis Dreher zu. „Aber auch die Nachfrage nach Cloud-Storage und sicheren Backup-Lösungen steigt an. Wir empfehlen Unternehmen, eine individuelle Bestandsaufnahme ihrer Daten und Datenflüsse zu machen, um darauf aufbauend eine Storage-Strategie zu entwickeln. Diese entscheidet dann über die Wahl der jeweils passenden Technologien und Konzepte.“ Nach welchem Verfahren und wo die Daten gesichert werden sollten, die auf den eigenen Storage-Systemen liegen, ist für Andreas Herde keine Frage: „In den meisten Fällen ist lokaler Storage nur noch für den Betrieb der Client-Infrastrukturen oder das Caching notwendig. Voraussetzungen für Cloud-Storage sind in erster Linie gute Netzwerkverbindungen, die dem Nutzungsprofil entsprechen, also entsprechende Redundanzen, Latenzen und Durchsätze aufweisen.“

Ob Cloud-Storage genutzt werden kann, ist ausschließlich von der IT-Strategie des jeweiligen Unternehmens abhängig, betont Marc Kleff. „Grundsätzlich lassen sich selbst geschäftskritische Workloads wie SAP performant und sicher in der Cloud betreiben. Aber besonders sinnvoll ist Cloud-Storage dort, wo Anwendern flexible Infrastrukturen zur Verfügung gestellt werden müssen, ohne die Betriebsteams damit zu belasten. Ein zweites großes Thema sind ‚Cloud-born Applications‘, sprich containerisierte Entwicklungsumgebungen in der Cloud. Die gewonnene Agilität ist unvergleichbar. Aber ohne Storage-Orchestrierung geht es nicht.“ Typische Einsatzbereiche für Cloud-Storage sieht Louis Dreher etwa bei Office365-, Machine-Learning- (ML) und Künstliche-Intelligenz-Daten (KI), Kubernetes sowie Backup und Archivierung. „Dabei darf jedoch die zur Verfügung stehende Performance bzw. die Bandbreite im Up- und Download nicht vernachlässigt werden“, warnt Fujitsu-Manager Dreher.

Unter der Voraussetzung, dass Bandbreite und Verfügbarkeit garantiert sind, gehört Cloud-Storage heute zu einer modernen Datensicherungsstrategie. Wobei Novastor-CEO Stefan Utzinger mahnt: „Cloud-Storage ist nur ein Teil der Lösung. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Daten nur in Deutschland gesichert werden und man bei Bedarf Zugang zum Rechenzentrum hat.“

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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