Für Breko-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers ist ein flächendeckendes Glasfasernetz bis in die Gebäude und Wohnungen der wichtigste Faktor für digitale Geschäftsmodelle und Industrie 4.0.
ITD: Herr Dr. Albers, nach einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom sehen sich aktuell 71 Prozent der befragten Unternehmen als Nachzügler, was die Digitalisierung angeht. Auch im Breitbandausbau werden erhebliche Verbesserungspotenziale gesehen. Wie beurteilten Sie den Stand der Digitalisierung in Deutschland mit Blick auf Breitbandausbau, Netzabdeckung, Unternehmensinvestitionen?
Stephan Albers: Es geht inzwischen deutlich schneller voran mit dem Glasfaserausbau in Deutschland. Wir sind mittlerweile klar auf der Überholspur angekommen. Die Glasfaserquote gemessen an allen Haushalten und Unternehmen in Deutschland ist zu Mitte 2020 auf 15 Prozent gestiegen (Quellen: Breko Research und Breitbandatlas, BMVI). Der Anteil an Glasfaser wird in den nächsten Jahren sehr deutlich zunehmen. Geld ist im Markt vorhanden: Die alternativen Netzbetreiber haben laut Breko Marktanalyse20 5,2 Milliarden Euro in den Glasfaserausbau investiert. Zudem ist die digitale Infrastruktur zu einem sehr interessanten Feld für Finanzinvestoren geworden. Dies unterstreichen die Beispiele Deutsche Giganetz, Deutsche Glasfaser, BBV und eine Reihe weiterer, auch mittelständischer Unternehmen, bei denen Finanzinvestoren eingestiegen sind.
ITD: In welchen Segmenten sind Ihrer Meinung nach besonders hohe Investitionen notwendig, um Deutschland zum digitalen Vorreiter zu machen?
Albers: Die Grundlage für die Digitalisierung ist die digitale Glasfaserinfrastruktur. Um digitale Geschäftsmodelle, Industrie 4.0 oder smarte Städte und Regionen entstehen zu lassen und Deutschland zukunftsfähig zu machen ist ein flächendeckendes Glasfasernetz bis in die Gebäude und Wohnungen der wichtigste Faktor.
ITD: Welche Fortschritte sehen Sie im Bereich der „Digitalisierung ländlicher Raum“, bspw. hinsichtlich Breitbandausbau und Netzabdeckung?
Albers: Der Glasfaserausbau geht gerade in vielen ländlichen Gebieten sehr gut voran – oftmals sogar besser als in den Städten. Bei den „weißen Flecken“ auf der Landkarte unterstützt das Breitbandförderprogramm des Bundes. Die Förderung sollte aber nur da ansetzen, wo die Internetanbindung der Menschen besonders schlecht ist und die wirtschaftliche Grundlage für einen Ausbau fehlt. Für die Beschleunigung des Ausbaus, vor allem im ländlichen Raum müssen vor allem die Genehmigungsverfahren beschleunigt und digitalisiert werden.
ITD: Wie verläuft der 5G-Ausbau Ihrer Meinung nach? Mit welchen Technologien könnte man die Abdeckung steigern?
Albers: Mit dem 5G-Ausbau geht es aktuell immer nur so gut voran, wie es mit dem Glasfaserausbau voran geht. Denn: 5G-Mobilfunk kann sein Potenzial nur mit Glasfaser ausschöpfen. Für ein leistungsfähiges 5G-Netz braucht jeder Funkmast eine Glasfaseranbindung. Als alternative Technologie für entlegene und besonders schlecht versorgte Gebiete sehen wir übergangsweise und punktuell die Satelliten-Technologie als geeignet an. Aufgrund der nur begrenzt zur Verfügung stehenden Baukapazitäten kann leider nicht überall gleichzeitig „gebuddelt“ werden. Um die digitale Teilhabe aller zu ermöglichen kann eine Satellitenlösung helfen.
ITD: 2019 lag die Abdeckung mit Glasfaserabdeckung in Deutschland bei 11 Prozent und damit erheblich hinter den meisten europäischen Nachbarländern. Wie sehen Sie die Entwicklung der Glasfaser-Abdeckung bis in Gebäude?
Albers: Nach unserer aktuellen Breko Marktanalyse20 lag die Glasfaserquote gemessen an allen Haushalten und Unternehmen zu Ende 2019 bei 13,5 und zu Mitte 2020 bei 15 Prozent. Im europäischen Vergleich holt Deutschland deutlich auf, bei den am stärksten wachsenden Märkten liegen wir in Sachen Glasfaser bereits auf Platz fünf im europäischen Vergleich. Diese Dynamik wird sich weiter verstärken.
ITD: Welche Digitalisierungsprojekte haben Ihrer Meinung nach hierzulande in Zukunft die höchste Priorität? Auf welchem Stand wird die Technologie Ihrer Meinung nach in fünf bis zehn Jahren sein?
Albers: Für den Ausbau der digitalen Infrastruktur ist vor allem die Digitalisierung der Verwaltung ein sehr wichtiges Projekt, weil diese auch zu einer Beschleunigung der Genehmigungsverfahren im Glasfaserausbau führen wird. Regionale Internetknotenpunkte und vernetzte Rechenzentren, wie beim regionalen Internetknoten Ruhr-CIX, sind neben dem Glasfaserausbau zukunftsgerichtete Infrastrukturprojekte, die die Grundlange für die Nutzung künstlicher Intelligenz, einer leistungsfähigen Industrie 4.0 ein oder Smart City-Projekte schaffen. Für die Zukunft wird auch die Nachhaltigkeit und Energieeffizienz der Infrastruktur immer wichtiger werden. Hier ist Glasfaser ganz weit vorne, denn Glasfaserleitungen verbrauchen bis zu 17 Mal weniger Strom als kupferbasierte Leitungen.
Bildquelle: Breko