Hochverfügbarkeit von Patientendaten

3-2-1-Backup im Klinikum

Im Gespräch erläutert Matthias Frühauf, Director Technical Sales CEMEA bei Veeam Software, welche Rolle die Digitalisierung für das Universitätsklinikum Essen spielt und wie das Klinikum die Hochverfügbarkeit seiner (Patien-)Daten garantiert.

Matthias Frühauf, Director Technical Sales CEMEA bei Veeam Software

„Die DSGVO hat Datensicherung in vielen Unternehmen wieder in den Fokus gerückt“, betont Matthias Frühauf, Director Technical Sales CEMEA bei Veeam Software, im Interview.

IT-DIRECTOR: Herr Frühauf, das Gesundheitswesen gehört zu den Branchen, in denen die Datenvolumen am schnellsten wachsen. Doch warum hinkt dieser Bereich generell in Sachen „Digitalisierung“ hinter anderen Branchen hinterher?
M. Frühauf:
Die Rahmenbedingen für Digitalisierung im Gesundheitswesen sind sicher besonders komplex. Es gibt hohe Auflagen, denn es geht ja gerade im Kontext „Patientenakte“ um hochsensible persönliche Daten. Die großen Datenvolumen, etwa in der bildgebenden Diagnostik, stellen zudem hohe Anforderungen an die Technologie, Beispiel „Netzbandbreiten“. Oftmals bilden die erforderlichen Investitionen einen Hemmschuh – wir kennen alle die Diskussion um die Kosten im Gesundheitswesen. Gerade kleinere Krankenhäuser stoßen hier schnell an ihre finanziellen Grenzen. Auch der Faktor „Mensch“ ist nicht zu unterschätzen – Thema „digitale Kompetenz“: Ärzte und Pflegepersonal müssen sich umstellen. Das erfordert umfassende Weiterbildung sowie mehr Spezialisten, beispielsweise für Künstliche Intelligenz (KI).

Inwieweit hat die Digitalisierung im Universitätsklinikum Essen bereits Einzug gehalten?
M. Frühauf:
Das UK Essen hat bereits vor über 20 Jahren mit der Digitalisierung begonnen, gehörte damit zu den Vorreitern und hat viel Erfahrung. Das Ziel ist, noch in diesem Jahr die digitale Patientenakte in allen Bereichen umzusetzen; das Fünf-Jahres-Ziel lautet „Smart Hospital Essen“. Dabei ist von Vorteil, dass dieses Thema im UK Essen Chefsache ist, also auch vom ärztlichen Direktor unterstützt wird. Die zwei IT-Leiter, Mediziner Professor Dr. Michael Forsting und Physiker Armin de Greiff, bilden eine innovative Doppelspitze als medizinische und technische Direktoren.

IT-DIRECTOR: Zugriff, Verfügbarkeit und Sicherheit der Daten haben hier höchste Priorität. Welche Auswirkungen hätte demnach ein Ausfall zentraler IT-Anwendungen auf die Patientenversorgung?
M. Frühauf: Anwendungen wie ein Krankenhausinformationssystem müssen an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Ein Ausfall zentraler IT-Anwendungen hätte enorme Auswirkungen auf die Patientenversorgung. Die internen Abläufe wie z.B. die Dokumentation würden massiv gestört. Im schlimmsten Fall könnten vorübergehend keine neuen Patienten aufgenommen werden.

IT-DIRECTOR: Wie kann solch einem Gau grundsätzlich vorgebeugt werden?
M. Frühauf:
Das erfordert einen ausgereiften Plan und eine zuverlässige Lösung für Datensicherung und Disaster Recovery. Hohe Datenvolumen müssen schnell gesichert werden können und genauso schnell wiederherstellbar sein – wie beim UK Essen. Dort konnten die Wiederherstellungszeiten für virtuelle Maschinen auf wenige Minuten reduziert werden. Auch Backups werden heute in kürzeren Zeitabständen durchgeführt: Die SQL-Server werden beispielsweise alle 15 Minuten gesichert. Zudem bietet Veeam die Möglichkeit, den gesamten Backup-Prozess durchgängig zu verschlüsseln – ein wichtiges Kriterium bei der Umsetzung gesetzlicher Auflagen. Wichtig ist auch das 3-2-1-Backup-Prinzip: Im Uniklinikum sorgt die Funktion Backup Copy dafür, dass eine Kopie der Sicherungsdaten automatisch am zweiten Rechenzentrumsstandort des Klinikums gespeichert wird. Auf eine zusätzliche Bandsicherung kann das Klinikum mittlerweile sogar verzichten.

IT-DIRECTOR: Welche Eigenschaften sollten entsprechende Backup- und Hochverfügbarkeitslösungen für Branchen mit „kritischen Infrastrukturen“ (KRITIS) mit sich bringen?
M. Frühauf:
Kurz zusammengefasst: Schnelligkeit, Bedienerfreundlichkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Plattformunabhängigkeit. Letzteres klingt sperrig, bezieht sich auf Multi-Cloud bzw. hybride Infrastrukturen. Im Idealfall habe ich eine Lösung, die ich durchgängig implementieren kann – für jede Anwendung, jede Form von Daten und auch jede Umgebung. Das gilt für klassische Geschäftsanwendungen, die On-Premises laufen, ebenso wie unterschiedliche Cloud-Formen und Internet-of-Things-Apps (IoT).

IT-DIRECTOR: Vor welchem Hintergrund hat sich das Universitätsklinikum Essen für die Veeam Availability Suite entschieden?
M. Frühauf:
Ausgangsbasis war eine Testinstallation, bei der der Anbieter die Zuverlässigkeit und den Bedienungskomfort der Backup-, Wiederherstellungs- und Replikationsfunktionen unter Beweis stellen konnte. Wichtig waren außerdem die Werkzeuge für Monitoring, Reporting und Kapazitätsplanung, mit denen das Uniklinikum alle wichtigen Ressourcen und Kennzahlen immer im Blick hat.

IT-DIRECTOR: Wie gestaltete sich die Einführung? Welche Stolpersteine und Herausforderungen gab es?
M. Frühauf:
Echte Hindernisse gab es bei der Implementierung nach Aussage der Verantwortlichen im UK Essen nicht, im Gegenteil: Bereits bei der Einrichtung profitierte das Uniklinikum von der einfachen Bedienung. Die Administratoren konnten in kurzer Zeit die Backup-Jobs für alle mehr als 600 virtuellen Maschinen anlegen. Zwei, drei Mal gab es Fragen an den Dienstleister-Support, die umgehend gelöst werden konnten. Das hat das UK Essen als Vorteil empfunden und spielt daher seitdem neue Versionen oder Lösungs-Updates auch schnell nach dem Erscheinen ein. Etwas zeitaufwändiger war natürlich zu Beginn die Definition der Regeln für das Alert-System, weil das kundenindividuell eingestellt werden muss. Aber das UK Essen ist mit dem Monitoring zufrieden.

IT-DIRECTOR: Welchen Einfluss übt die seit dem 25. Mai 2018 geltende EU-DSGVO auf Backup-Szenarien aus?
M. Frühauf:
Die DSGVO hat Datensicherung in vielen Unternehmen wieder in den Fokus gerückt und das ist wichtig, denn zahlreiche Firmen haben ihre Backup- und vor allem Disaster-Recovery-Verfahren oft längere Zeit nicht mehr überprüft. Was viele nicht bedenken: Auch wenn sie „as-a-Service“-Anwendungen einsetzen, sind sie für den Schutz und die Sicherung der Daten verantwortlich.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 06/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Backups haben nicht ausgedient, im Gegenteil: Sie sind das Fundament für alle Schutzmaßnahmen. In Zukunft werden sich Daten dank Künstlicher Intelligenz und maschinellen Lernens aber zunehmend selbst managen – und dann entscheiden die Daten, wann, wie und wohin sie sich sichern oder wiederherstellen müssen.

Bildquelle: Veeam

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