Traditionelle Geschäftsmodelle unter Druck

3 Tipps für zukunftsfähiges Banking

Der digitale Wandel sorgt aktuell über alle Branchen hinweg für Aufruhr. Auch im Finanzsektor geraten traditionelle Geschäftsmodelle zunehmend unter Druck: Neue Technologien entwickeln sich immer rasanter, gesetzliche Vorschriften wie die zweite Zahlungsdiensterichtlinie (PDS2) begünstigen diese Entwicklung, Fintechs und Start-ups drängen verstärkt in die Märkte.

Banken müssen die Kosten im Backoffice senken und in echte technologische Innovationen investieren.

Banken müssen die Kosten im Backoffice senken und in echte technologische Innovationen investieren.

Dass das Marktumfeld wettbewerbsintensiver geworden ist, zeigt sich zunehmend an den niedrigeren Gewinnen etablierter Banken und Vermögensverwalter: Liegt die durchschnittliche Eigenkapitalrendite (ROE) der Banken weltweit bei acht bis zehn Prozent, schaffen es die deutschen Institute auf gerade mal 5,6 Prozent . Da überrascht es kaum, dass laut dem „Branchenkompass Banking 2018“ rund 78 Prozent der Bankmanager in Deutschland erheblichen Veränderungsbedarf am eigenen Geschäftsmodell sehen – beispielsweise durch die Entwicklung digitaler Banking-Plattformen. Um wettbewerbsfähiger zu werden und zukünftig wieder profitabler zu sein, müssen sich Finanzinstitute folglich mit einem ganz neuen Bankenparadigma auseinandersetzen. Die nachfolgenden drei Tipps von Avaloq, einem Anbieter integrierter Banking-Lösungen, können Banken und Vermögensverwaltern dabei helfen, sich für die Zukunft im Banking zu wappnen.

1. Das Vertrauen der Kunden stärken

Nach Angaben des Bundesverbands deutscher Banken ist die Vertrauensbasis in die eigene Bank solide: Rund 85 Prozent der Befragten haben „volles Vertrauen“ oder „eher Vertrauen“ in ihre Bank und sind mit den Leistungen zufrieden. Dieses Vertrauen ist hilfreich, um Marktanteile gegenüber neuen Wettbewerbern zu verteidigen. Die Konkurrenz sind dabei aber keineswegs andere große Finanzinstitute, sondern immer mehr Fintechs und innovative Start-ups, die mit neuen Geschäftsmodellen die Disruption im Bankensektor verstärken. Ein Beispiel ist hier Revolut, Spezialist für Auslandstransaktionen und Kryptowährungen, der seit der Gründung 2015 zwei Millionen Kunden gewinnen konnte. Das Fintech-Unternehmen setzt auf geringe Gebühren und maximale Flexibilität. Um mit solchen Anbietern konkurrieren zu können, müssen etablierte Banken und Vermögensverwalter das in sie gesetzte Vertrauen rechtfertigen, indem sie durch Transparenz und erstklassigen Kundenservice punkten – und zwar über Compliance-Standards hinaus.

2. Den Kunden großen Nutzen bieten

Die Kunden ins Zentrum des Bankgeschäfts zu rücken, wie von Revolut vorgemacht, wird für etablierte Finanzinstitute mit Inkrafttreten der zweiten europäischen Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) allerdings noch schwieriger. Bisher wussten die Banken allein – aufgrund von Kontodaten –, wofür ihre Privatkunden Geld ausgeben, und konnten ihnen daraufhin weitere Produkte und Dienstleistungen anbieten, wie etwa Kredite oder Versicherungen. Aber die PSD2 ermöglicht nun auch Drittanbietern den Zugriff auf Konteninformationen der Kunden. Ziel der Richtlinie ist zwar vorrangig, den Zahlungsverkehr zu vereinfachen, doch wird sie die traditionellen Finanzinstitute weiter unter Druck setzen und die Beziehung zwischen der Bank und dem Kunden tiefgreifend verändern.

Um dann noch echten Nutzen gegenüber den Wettbewerbern zu liefern, müssen die etablierten Institute ihren Kunden Komfort bieten und sich vollständig auf ihre Benutzererfahrung konzentrieren. Immerhin sehen laut Branchenkompass 39 Prozent der Bankmanager diesbezüglich Potentiale in einer Banking-Plattform, um die Kunden umfassend zu begleiten und sich dabei für bankenfremde Angebote zu öffnen. Mehr als ein Viertel will hier auf ein eigenes digitales Ökosystem setzen, während gut ein Drittel eigene Leistungen auf Online-Marktplätzen anbieten möchte und 30 Prozent eine Kombination aus beidem anstreben. Dabei spielen vor allem passgenaue, personalisierte Dienstleistungen und eine außerordentliche Produkt-Performance eine entscheidende Rolle.

Es gilt, das Erlebnis für die Kunden optimal zu gestalten, indem an allen relevanten Kontaktpunkten für die Kunden entsprechende Lösungen verfügbar sind. Entscheidend ist dabei – trotz aller Automatisierung von Prozessen – die emotionale, persönliche Komponente des Kundenservice. Zwar beginnt die Kundenbeziehung heutzutage häufig online. Parallel dazu siuchen die Kunden jedoch die persönliche Betreuung durch einen Berater, insbesondere dann, wenn es um den konkreten Vertragsabschluss geht, selbst wenn dieser dann wieder online erfolgt. Um den komplexen Bedürfnissen der Kunden zu entsprechen, muss das Sevice-Angebot folglich als End-to-End-Prozess gestaltet werden.

 

3. Die eigene Effizienz steigern

Den Fokus auf das Service-Angebot im Frontoffice zu legen, wird allerdings nur dann möglich, wenn im Hintergrund alles reibungslos und vor allem effizient verläuft. Die Komplexität moderner Finanzdienstleistungssysteme, insbesondere im Backoffice, muss folglich vereinfacht werden – eine schwierige Aufgabe, denn nichts ist komplexer, als Dinge einfach zu gestalten. Banken und Vermögensverwalter müssen in erster Linie die Kosten im Backoffice senken und in echte technologische Innovationen investieren. Die Schwierigkeit dabei ist, dass Finanzinstitute mit rund 14 Prozent der Gesamtkosten relative hohe IT-Kosten haben, im Gegensatz zu durchschnittlich sieben Prozent im Dienstleistungssektor insgesamt. Der Fokus muss folglich auf agilen IT-Lösungen liegen, die Kosten einsparen und die Backoffice-Effizienz steigern können. Zwei von fünf Entscheidungsträgern in Banken planen bereits, die Kosten durch digitale End-to-End-Prozesse zu senken und knapp die Hälfte sieht die Zusammenarbeit mit Fintechs dabei als Chance, die Effizienz im eigenen Backoffice zu erhöhen, so der „Branchenkompass Banking 2018“.

Digitale Technologien zur Automatisierung, Standardisierung und zum Straight-Through-Processing (STP) sowie ausgelagerte cloud-basierte Dienstleistungen, wie etwa Software oder Business Process as a Service (SaaS/BPaaS), erzielen genau diesen Effekt. Finanzinstitute können auch das gesamte Backoffice in ein Ökosystem aus hochgradigen Spezialisten auslagern und somit die Komplexität des eigenen Bankgeschäfts reduzieren. Zudem haben die Institute dank moderner Technologien die Möglichkeit, neue Angebote, zum Beispiel Plattformen, Produkte oder Dienstleistungen, schnell zu testen und rasch auf den Markt zu bringen, um Trends frühzeitig für sich zu nutzen, effizient umzusetzen und so neue Profite zu generieren.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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