Bunker und Minen

5 Rechenzentren an merkwürdigen Orten

Bei Rechenzentren denken die meisten Menschen wohl zunächst an unscheinbare Gebäude in Industriegebieten. In den meisten Fällen stimmt das auch – jedoch nicht immer.

Helsinki

Unter der Uspenski-Kathedrale in Helsinki befindet sich ein Rechenzentrum.

Die Nutzung des Internets hat sich immer weiter ausgedehnt und mit ihr die Rechenzentren. Die Weltbevölkerung schaut 4,5 Millionen Youtube-Videos und versendet 188 Millionen E-Mails in nur einer Minute. Alle dabei entstehenden Daten müssen irgendwo verarbeitet werden. Der Internetknoten-Betreiber DE-CIX hat eine Auswahl von fünf Rechenzentren zusammengestellt, die sich an recht merkwürdigen Orten befinden:

Minen voller Server

Das Rechenzentrum in der Lefdal-Mine ist ein innovatives Beispiel für die Sekundärnutzung einer aufgelassenen Mine. In diesem ehemaligen Bergwerk in Norwegen sind heute Server unter höchsten Sicherheitsstandards untergebracht. Dafür sorgt die einzigartige Lage in den ehemaligen Stollen. Mit 120.000 Quadratmetern Fläche auf sechs Ebenen bietet der Standort noch viel Raum für zukünftiges Wachstum. Die Kühlung der Anlage erfolgt durch Wasser aus einem nahegelegenen Fjord, wofür ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien verwendet wird.

Daten unter geweihtem Boden

In Helsinki verbirgt die orthodoxe Kathedrale von Uspenski etwas Kurioses unter ihrem Fundament: einen Luftschutzbunker aus dem zweiten Weltkrieg. Dieser Bunker ist mittlerweile ein Rechenzentrum. Im ehemaligen Schutzraum herrschen kühle Temperaturen und die von den Servern abgegebene Wärme wird absorbiert und für das Fernwärmesystem in der Umgebung der Kathedrale genutzt, wodurch genug Energie für 500 Haushalte produziert werden kann. In Großbritannien finden sich sogar Server innerhalb einer profanierten Kirche: Die Salem Chapel im britischen Leeds wurde 2001 geschlossen und ebenfalls in ein Rechenzentrum umgewandelt.

Geschützt in einem Bunker

2008 wurde in Schweden ein Rechenzentrum in einem ehemaligen Atombunker aus der Zeit des kalten Krieges eröffnet. Der Standort des Internet-Service-Providers „Bahnhof“ befindet sich 30 Meter unter der Erde und wird durch eine 40 cm dicke Stahltür geschützt. Um eine angenehmere Atmosphäre für die Angestellten zu schaffen, die sich lange untertage aufhalten, verfügt das unterirdische Gelände über vertikale Gärten, Wasserfälle und ein 2.600-Liter-Fischbecken. Weitere Projekte nach diesem Muster sind bereits in Planung: In Frankreich wird Interxion eine ehemalige U-Boot-Basis aus dem zweiten Weltkrieg mit dem zugehörigen Bunker in Marseille in ein Rechenzentrum umwandeln.

„Tiefgefrorene“ Daten

Facebook ist eines der größten Technologieunternehmen der Welt und muss tagtäglich riesige Datenmengen verwalten. Mark Zuckerbergs Konzern hat sich mit dem Thema „Kühlung“ auseinandergesetzt und beschloss, ein Rechenzentrum in der schwedischen Stadt Lulea am Polarkreis einzurichten. Das System nutzt die ständig niedrige Außentemperatur zur natürlichen Kühlung des Innenraums und ist daher weniger auf zusätzliche Energie angewiesen.

Datenverarbeitung unter Wasser

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt im Umkreis von 200 Kilometern einer Küste. Um physisch nah an den potentiellen Internetnutzern zu sein, entwickelt Microsoft ein Pilotprojekt für ein Unterwasserrechenzentrum an der Küste Schottlands. Diese Data Center haben die Größe eines Schiffscontainers, sind etwa zwölf Meter lang und leicht zu platzieren, da sie bereits vorgefertigt sind. Testprojekte wie dieses sind wichtig, um zukunftsfähige Lösungen zu erarbeiten, die optimale Konnektivität in der Fläche sicherstellen.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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