Mikro-Rechenzentren

5G als Treiber für Edge Computing

Die Verbreitung der neuen Mobilfunkgeneration 5G wird die Entwicklung von Edge Computing weiter ankurbeln, betont Reinhard Purzer von Vertiv

Reinhard Purzer, Vertiv

Reinhard Purzer, Vice President und Managing Director DACH bei Vertiv

IT-DIRECTOR: Herr Purzer, nicht nur im Internet of Things (IoT) werden leistungsfähige Kapazitäten am Netzwerkrand benötigt. Inwieweit stößt man hierzulande bereits auf erfolgreiche Edge-Computing-Installationen?
R. Purzer:
Gerade da, wo viele Daten über Sensoren generiert werden und in Echtzeit verarbeitet werden müssen, oder wo unser Leben durch Automatisierung einfacher und sicherer gemacht werden soll – also beispielsweise in Bereichen wie Smart Home, Augmented Reality, Robotik oder Ähnlichem finden wir heute schon Edge-Anwendungen. Aber auch der Einzelhandel mit mehreren Niederlassungen und lokal erforderlicher Datenverarbeitung in Echtzeit im Rahmen von Kassen- oder Bezahlsystemen setzt hierzulande schon vielfach auf Edge Computing. Im Vergleich zu großen Rechenzentren sind Edge-Computing-Installationen klein, unauffällig und können prinzipiell in jeder Niederlassung eines Unternehmens oder an jeder Straßenecke stehen.

IT-DIRECTOR: In welchen Branchen und für welche Anwendungsfälle spielen Edge Computing und sogenannte „Edge Datacenter“ momentan eine bedeutende Rolle?
R. Purzer:
Neben den bereits genannten Beispielen ist Edge Computing insbesondere für die Telekommunikationsbranche und in der Produktion von Bedeutung und wird hier immer wichtiger. In Zukunft wird 5G die Entwicklung von Edge Computing stark beeinflussen und nochmals ankurbeln.  

IT-DIRECTOR: Welche Daten und Applikationen werden dabei vorrangig allein am Netzwerkrand verarbeitet und welche an „klassische“ Rechenzentren weitergeleitet?
R. Purzer:
Große Datenmengen, die in Echtzeit verarbeitet werden müssen und extrem niedrige Latenzzeiten erlauben, sind oftmals schlichtweg zu groß und auch zu teuer für den schnellen Transport über große Distanzen in eine Cloud und zurück. Das würde auch Verbindungen mit extrem hoher Bandbreite erfordern, die oftmals einfach nicht zur Verfügung stehen oder sehr kostenaufwendig sind. Solche Daten werden immer häufiger direkt am Netzwerkrand verarbeitet. Weitere Beispielanwendungen sind neben den bereits genannten Applikationen HD-Inhalte, medizinische Geräte oder auch der Aktienhandel. Für Autonomes Fahren wird Edge Computing sogar zur Voraussetzung. Ohne 5G und ohne Rechenkapazitäten am Netzwerkrand werden die Autos nicht selbst fahren.

IT-DIRECTOR: Worauf kommt es bei der Verbindung zwischen Netzwerkrand und den „klassischen“ Rechenzentren besonders an?
R. Purzer:
Das Wichtigste sind die Stabilität und Zuverlässigkeit beim Datentransfer sowie ein weit verzweigtes, sicheres und schnelles Netz über das die Daten zwischen Netzwerkrand und Rechenzentrum fließen können.

IT-DIRECTOR: Wie lassen sich Edge-Datacenter-Infrastrukturen besonders energieeffizient betreiben? Welche Kühlverfahren können am Netzwerkrand zum Einsatz kommen?
R. Purzer:
Mikro-Rechenzentren, auch Datacenter-in-a-Box genannt, sind hierfür besonders gut geeignet. Sie integrieren alle relevanten Infrastrukturkomponenten und Schutzmaßnahmen aufeinander abgestimmt in einem oder mehreren Racks. Dazu gehören Kühlung, USV (Unterbrechungsfreie Stromversorgung), Zugangssicherung und Brandschutz, aber auch die Software, um die Assets durch Remote oder Data Center Infrastructure Management (DCIM) zu überwachen, zu steuern und zu warten. Sie sind für den energieeffizienten Einsatz am Netzwerkrand optimiert. Als Kühlverfahren bewähren sich hier je nach Größe und Ausstattung des Mikro-Rechenzentrums die freie, passive Luftkühlung mittels horizontaler Durchströmung und Perforationen im Schrank oder die aktive Luftkühlung über Lüfter, die die warme Luft entweder in den Raum oder direkt nach Außen ins Freie abgeben.

IT-DIRECTOR: Stichwort Ausfallsicherheit: Ein funktionierender Netzwerkrand wird für viele Unternehmen immer geschäftskritischer. Wie können Ausfallsicherheit und nahtlose Energieversorgung beim Edge Computing gewährleistet werden?
R. Purzer:
Auch hier gilt wie für große, klassische Rechenzentren: Je geschäftskritischer die Anwendung ist, desto wichtiger werden die Themen Redundanz sowie unterbrechungsfreie Stromversorgung mittels USV-Systemen und gegebenenfalls nachgelagerten Generatoren. Außerdem ist die Software entscheidend: Die Fernverwaltung über Software und Sensoren ist wegweisend für die Optimierung und Zuverlässigkeit während des gesamten Lebenszyklus.

IT-DIRECTOR: Wie stellen sich etablierte Rechenzentrumsbetreiber bzw. Colocation-Anbieter derzeit auf Edge-Technologien ein?
R. Purzer:
Edge Computing ist nicht das primäre Geschäft großer Rechenzentrumsbetreiber oder Colocation-Anbieter und daher bisher auch nicht wirklich in ihrem Fokus. Sie werden sich aber auf die Edge-Computing-Nachfrage seitens ihrer Kunden einstellen müssen. Chancen sehen wir hier für unsere Mikro-Rechenzentrumsangebote, die Out-of-the-Box am Netzwerkrand schnell und einfach installiert und über die integrierte DCIM-Software remote gewartet werden können. Hier kommen auch insbesondere unsere Channel-Partner zum Zug, die sich um Edge-Installationen bei den Unternehmen vor Ort kümmern. Denn Unternehmen können nicht über Nacht auf Edge umsteigen – es erfordert vielmehr ein Konzept und einen Prozess, den man mit dem entsprechenden Know-how, den richtigen Ansprechpartnern und Angeboten wie Mikro-Rechenzentren sehr gut beschleunigen kann.

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