Enormes Potential

5G – wichtiges Puzzleteil für Digitalisierung

Im Juni ging die Versteigerung der 5G-Lizenzen in Deutschland zu Ende. Es wird allerdings noch eine Weile dauern, bis der neue Standard bei den Endnutzern ankommt. Zuvor muss die Infrastruktur aufgebaut werden. IT-Profis sollten diese Zeit nutzen, um sich sorgfältig darauf vorzubereiten. Denn 5G gilt als ein wichtiges Puzzleteil der Digitalen Transformation.

Hand hält Puzzleteil gegen die Sonne

Wichtiges Puzzleteil: 5G gilt als ein Wegbereiter der Digitalen Transformation.

Rund 6,5 Milliarden Euro hat die Versteigerung der 5G-Lizenzen in die Kassen des Bundes gespült. Die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 Drillisch können nun mit dem Aufbau ihrer Netze beginnen. Im Vergleich zu 4G bringt die neue Technik weitere Vorteile mit sich – mit Datenraten von 10 Gbit/s, der Nutzung neuer Frequenzbereiche, mehr Frequenzkapazität und Datendurchsatz sowie Latenzzeiten von unter einer Millisekunde. Und was für die Industrie besonders wichtig ist: 5G ist kompatibel mit Maschinen und Geräten und damit ein Katalysator für die Industrie 4.0.

Allerdings ist das meiste davon noch Zukunftsmusik. Denn ohne den Ausbau der entsprechenden Infrastruktur fehlt es dem schnellen Standard an Reichweite. Zwar können Industriebetriebe bereits jetzt mit der Entwicklung ihrer eigenen Netze starten und bald mit Anwendungen loslegen. Der flächendeckende Ausbau für die Allgemeinheit durch die Telekommunikationsunternehmen aber wird erst in einigen Jahren so weit sein. Laut Ausbauauflagen für die Netzbetreiber sollen erst bis Ende 2022 98 Prozent der Haushalte, Autobahnen und viele Bahnstrecken mit schnellem Internet versorgt sein.

Das bedeutet für die IT allerdings nicht, dass sie bis dahin die Hand in den Schoß legen sollte. Im Gegenteil, jetzt gilt es, die Weichen zu stellen, um neue Lösungen einsetzen zu können, sobald 5G das Unternehmen auch tatsächlich erreicht. Die IT sollte diese Zeit nutzen, um sich darauf vorzubereiten. In diesem Zusammenhang gibt es drei wichtige Punkte:

  • Bereit machen: Es gibt bereits einige Anwendungsbeispiele aus der Praxis. Diese gilt es im Vorfeld zu studieren, um zu prüfen, was 5G für das eigene Unternehmen bringen kann. Auch sollten sich IT-Profis rundum informieren, zum Beispiel bei Integrationspartnern, aber auch in Videos oder Blogs. Sicher werden sich dabei auch Anwendungsfälle herauskristallisieren, die für das eigene Geschäft relevant sind. Schließlich wird auch 5G nicht um seiner selbst willen eingeführt, sondern soll die Digitalisierung mit Robotern, Internet of Things und Künstliche Intelligenz (KI) antreiben.
  • Die richtige Herangehensweise wählen: IT-Profis sollten sich einen Überblick über interessante Angebote verschaffen und diese wenn möglich, vergleichen und testen. Sie sollten sich eine gesunde Skepsis bei allen Angeboten bewahren, Alternativen in Betracht ziehen und die Anbieter fordern, ehe sie sich entscheiden. Gerade in der Frühphase der Verfügbarkeit neuer Technologien sind Hersteller gerne bereit, Geräte für eine Testphase zur Verfügung zu stellen, da diese damit weitere Erfahrungen aus dem tatsächlichen Produktivbetrieb sammeln können.
  • Aus frühen Erfahrungen lernen: Wie beim Übergang von 3G auf 4G, wird es auch bei der 5G-Einführung eine Zwischenzeit mit heterogenem Gefüge aus WLAN, 4G und 5G geben. Anwendungen werden daher anfangs nicht konstant hohe Leistungen liefern. Es wird Asymmetrien geben, deren Ursache es schnell zu erkennen und zu beseitigen gilt. So kann man aktuell noch nicht einschätzen, wie das „Network Slicing“ bei den Anbietern implementiert wird, und wie sich die Implementierung auf Anwenderunternehmen auswirkt. Diese frühen Erfahrungen in Sachen 5G sind enorm wichtig, um schnell aus ihnen zu lernen und Kinderkrankheiten zu überwinden. Hier kann Application Performance Monitoring (APM) essentiell sein, um auch in der Übergangsphase für möglichst unterbrechungsfreie Erfahrungen zu sorgen.

5G kommt, wenn auch noch nicht flächendeckend, und wird ein wichtiger Wegbereiter der Digitalen Transformation sein. Die Vorbereitung des eigenen Unternehmens auf die neuen Möglichkeiten sollten IT-Profis als Chance sehen, ihre Bedeutung für die Zukunft des Unternehmens zu untermauern. Denn bei den Zukunftsthemen, die mit 5G in einem Atemzug genannt werden – nämlich Cloud, Internet of Things (IoT), Automatisierung und Künstliche Intelligenz (KI) – ist ihre Gestaltungskraft gefragt.

Gerade diese Fähigkeit kommt aber im Tagesgeschäft vieler IT-Abteilungen oft zu kurz, wird nicht ausreichend gewürdigt oder mit angemessenem Budget hinterlegt. Dabei sehen IT-Profis gerade hier Potential. Das zeigt beispielsweise der IT-Trends-Report 2019 von Solarwinds unter 156 Technikexperten, Managern und Führungskräften in Deutschland. 76 Prozent der Befragten gaben dabei an, zukünftig nicht in der Lage zu sein, effektiv mit innovativen Entwicklungen Schritt zu halten, wenn sich Zeit- und Budgetbeschränkungen nicht verbessern.

Das hängt auch mit der Sicht auf die Rolle der IT im Unternehmen zusammen. Zwar werden IT-Profis für ihren unermüdlichen Einsatz bei den großen und kleinen Problemlösungen sehr geschätzt. Doch fehlt es Geschäftsführern und Mitarbeitern oft an Verständnis dafür, welche wichtige Rolle sie bei den großen Zukunftsfragen spielen sollten. Bei Themen wie 5G oder KI ist neben dem Blick für die Möglichkeiten auch nüchterner und praktischer Sachverstand von Technologieexperten gefragt, um reine Hypethemen zu entlarven.

* Der Autor Sascha Giese ist Head Geek bei Solarwinds.

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